Manche Bücher sind einfach nur Phänomene: Sie sind klein und kompakt und man denkt zuerst "Was soll da bei so wenigen Seiten schon drin stehen" und dann merkt man plötzlich, welcher Zündstoff einem hier geboten wird. Nun gut, wer die anderen beiden Bücher von Hantel-Quitmann (Der Geheimplan der Liebe und Liebesaffären) bereits kennt, wird einige Dinge auch in diesem Buch wiederfinden. Was mir hieran aber gefällt, ist das es sehr sachlich geschrieben ist. Das Buch zeigt auf, ob und wie es möglich ist, dass man die große Liebe auch im Alltag finden kann.
Dabei geht es zunächst um das Thema Liebessehnsucht, also psychologisch gesehen der Projektion von Liebessehnsüchten und -idealen auf eine konkrete Person oder Liebesbeziehung, die der Beginn jeder "großen" Liebe ist. Als nächstes geht es um die ideale Paarbeziehung, sowie Ideale im Allgemeinen und wie wir den neuen Partner, und damit auch unsere Beziehung, anfänglich idealisieren. Anscheinend finden Menschen unterschiedliche Methoden, damit umzugehen, dass die Verliebtheit und somit die Idealisierung irgendwann vom Alltag eingeholt wird: Einige wechseln den Partner, um den Glanz des Verliebtseins weiterhin aufrecht zu erhalten und um Mithilfe des Idealbildes auch das eigene Selbstbild aufzufrischen. Andere setzen sich mit dem eigenen Selbstbild auseinander, reflektieren und übernehmen Verantwortung für ihr Handeln.
Im Kapitel Liebe und Alltag geht es um emotionale Nähe, die von den meisten Frauen in Beziehungen nicht erlebt wird, um die eigene Paarsymbolik, Selbsteröffnung als Zauberwort für Intimität, die Angst vor Nähe und wie Paare intime Codes benutzen, um sich miteinander auszutauschen. Letzteres scheint auch der Schlüssel für eine funktionierende Beziehung zu sein: Ein emotionaler Austausch zwischen den Partnern, der auch mit Hilfe von intimen Codes (z.B. kleinen Aufmerksamkeiten) funktioniert. Das vierte Kapitel widmet sich der Kommunikation unter Streß und der Frage, wie sollte man in so einem Fall miteinander kommunizieren. Wichtig scheint hier das Verhältnis von positiver zu negativer Kommunikation zu sein, was der Autor detaillierter beschreibt und zudem benötigt man noch eine gute Prise Humor, als auch "dyadisches Coping" (die Fähigkeit, gemeinsam Konflikte in einer Beziehung zu lösen). Sehr schön ist auch das Kapitel "Mozart oder Rap" bei dem es um die Ritualisierung der Sexualität geht und das sich im Laufe der Jahre bei den Paaren eine "mittlere Sexualität" (als Schnittmenge aus den Vorlieben und Gewohnheiten der einzelnen Partner) herausbildet, die als sauber, geplant, rituell und domestiziert (somit aber auch langweilig) bezeichnet werden kann.
Liebesaffären sind dann wiederum der riskante Weg, um Veränderungen in einer Paarbeziehung zu erwirken und werden in Kapitel sechs unter die Lupe genommen. Schön finde ich Kapitel 7 und 8: "Wie Männer verhindern können, das ihre Frauen sich trennen" und "Was Frauen zum Erhalt ihrer Partnerschaft beitragen können". Da möchte ich einigen Menschen gerne das Buch in die Hand drücken und sagen: Hier lies das mal. Besonders den extrem viel arbeitenden (=arbeitssüchtigen?) Männern, die Ratschläge mit businessmässigen Überschriften an die Hand bekommen, wie "Job-Family-Management", Präsenz als Mann und Vater zeigen, Qualitätsmanagement (=Austausch mit der eigenen Frau), Corporate Identity innerhalb der Partnerschaft, Teamgeist, Problemlösungen, Bilanzierung (=Balance zwischen Geben und Nehmen und Trennung bei chronisch negativer Bilanz). Kapitel neun widmet sich dem Alltag und wie dieser die Liebe auf die Probe stellt. Besonders ab Seite 121 wird es hier brisant, denn anhand einiger Fragen, kann man schnell herausfinden, ob die aktuelle Paarbeziehung in einer Krise steckt und als nächstes führt der Autor einige Fragen auf, die er Paaren in seinen eigenen Paartherapien stellt. Es handelt sich hier um nur 4 Seiten, die allerdings kräftigen Zündstoff beinhalten können, wenn man diese beginnt mit dem eigenen Partner zu besprechen.
Die letzten beiden Kapitel widmen sich dem Thema "Liebe als Herausforderung" (von der verliebten zur gelebten Liebe), als auch "Neu Starten" (neue Liebe und neues Glück). Der Autor bleibt dabei sachlich, zeigt auf, wie die Liebe im Alltag gelingen kann oder auch, wie ein Neustart gelingen kann und mit welchen zusätzlichen Problemen dieser behaftet sein kann. Wie immer finde ich, dass die Bücher von Hantel-Quitmann ernüchternd sind und einen wirklich in der Realität ankommen lassen. Ich gebe eine klare Kaufempfehlung für dieses Buch ab, da es mir sehr gut gefallen hat.