Bei "Die Lichter von Bullet Park" handelt es sich um einen Roman aus den 60ern, der aber durchaus auch in der heutigen Zeit noch funktioniert.
Es geht vor allem um zwei Männer: Hammer und Nailles. Der eine lebt schon eine Weile in Bullet Park, hat eine Frau und einen Sohn, die er beide abgöttisch liebt.
Hammer hat sich erst vor kurzem ein Haus in Bullet Park gekauft und lebt nun dort mit seiner mürrischen Frau.
Auf den ersten Blick ist der Vorort wie das perfekte Klischee: Die Bewohner grüßen einander freundlich, wenn sie einmal die Woche zur Kirche gehen oder sie treffen sich auf Cocktailpartys in ihren Häusern mit dem gepflegten Rasen. Die Rollenverteilung ist auch klar: Der Mann geht arbeiten, die Frau bleibt zu Hause und kümmert sich um den Haushalt.
Cheever blickt jedoch hinter die Kulissen dieser beschaulichen Vorstadt. Denn ein ganz offensichtlich Leitmotiv im Buch ist der Alkohol. Gut 2/3 der Bewohner von Bullet Park sind Alkoholiker oder auf dem besten Weg dahin.
Und auch davon abgesehen führen die Vorstadtbewohner ein Leben wie viele andere: Sie streiten sich, sie werden krank. Jedoch passiert dies immer nur hinter den schützenden Mauern ihrer Häuser, nach außen hin wird der gute Schein gewahrt. Als Nailles Sohn nämlich wochenlang mit einer schweren Depression im Bett liegt, verbreitet sein Vater überall, dass es sich nur um das Pfeiffersche Drüsenfieber handelt.
Cheever versteht es unheimlich gut, diese Brücke zu schlagen; es hat viel Spaß gemacht, vom schönen Schein und dem tatsächlichen Sein zu lesen. Die Sprache ist sehr bildreich, teils sehr ironisch, teils sehr böse.
Jedoch war das Buch auf der anderen Seite auch sehr anstrengend zu lesen, denn die Geschichte besteht zumeist nur aus einem Aneinanderreihen von Begebenheiten im Leben der Bewohner, einen roten Faden habe ich sehr schmerzlich vermisst. Das hat es mir leider sehr schwer gemacht, am Ball zu bleiben; oft habe ich mich von anderen Dingen ablenken lassen, was beim Lesen einfach nicht passieren sollte.
Im großen und ganzen jedoch handelt es sich bei "Die Lichter von Bullet Park" dennoch um eine sehr interessante und gut geschriebene Geschichte. Man sollte nur darauf achten, in einer ablenkungsfreien Umgebung zu lesen.