Eines vorweg: Ich bin 37 Jahre alt und hatte bis vor kurzem nie von diesem Film oder der ihm zu Grunde liegenden Literaturvorlage gehört.
Zu meiner Freude hat sich dieser Kauf als lohnenswert erwiesen.
Denn der Film ist einfach richtig gut! Er bescheibt an einer fiktiven Geschichte sehr glaubwürdig die ebenso schmutzige wie präzise Arbeit des israelischen Geheimdienstes und seiner Verbündeten im Kampf gegen nicht minder perfide palästinenische Bombenattentäter:
Außerst effektiv führen uns Drehbuch und Regie vor, wie sich die gut ausgebildete Gruppe (angeführt von einem altersmilden Klaus Kinski) für IHRE Vorstellung von einer Sicherung des Existenzrechts Israels einsetzt.
Unnachgiebige Härte, Entführung, Folter-Verhöre und Mord zählen zu den Mitteln ihrer Wahl. Daneben List, Charme und augeklügelte Psychologie.
Gleiches gilt auch für das fein austarierte und klug recherchierte (Dreh)Buch. Es bringt seine Botschaft konsequent unters Volk, ist dabei aber nicht ausschließlich brutal oder schonungslos.
Denn statt grimmiger Finsterlinge a la Jack Bauer oder Rambo steht eine lebenshungrige Bühnenschauspielerin im Fokus des Geschehens. Trotz grausiger 80er-Jahre Frisur sehr gelungen verkörpert von der wunderbaren Diane Keaton, die es schafft, ihrer Figur die nötigen Nehmerqualitäten ebenso zu verleihen wie die Leidenschaft und innere Zerrissenheit bis hin zur für die Güte des Films so wichtigen finalen "Todmüdigkeit". Richtig was zum Mitfiebern!
Der Film ist aus dem Jahr 1984 und insofern durchaus altmodisch als er nicht vordergründig auf Action setzt sondern eben auch auf Gefühl, romantische Tragik und aufwändige Schauplätze. Sich noch Zeit nimmt, im Luxus schwelgt, Atmosphäre schafft und Erinnerungen weckt an die vergleichsweise "heile Welt" des Kalten Krieges.
Dennoch besitzt Die Libelle" eine erstaunliche Frische und Aktualität: Der Nahostkonflikt hat sich seitdem nicht wesentlich gebessert. Das Dilemma "zwei Völker, ein Stück Land" bleibt! Die im Film verwendeten Geheimdienststrategien und -Methoden wirken trotz vergleichweise beschränker technischer Ausrüstung auch in unserer Zeit noch packend und realistisch. Und auch wenn eine Aussage des Films ganz sicher lautet: "Leg Dich nicht mit den Israelis an", verliert er nie den moralischen Kompass, der zu Recht auch die fatale Kehrseite einer vermutlich unverhältnismäßigen "Auge um Zahn, Zahn um Auge-Politik" aufzeigt!
Erwähnen muss ich, dass ich nicht verstehe, wie man auf den deutschen Titel "Die Libelle" gekommen ist. Auch begreife ich nicht, warum man das Cover der DVD unnötig martialisch gestaltet hat und im Klappentext vor allem den "Diane-Keaton-im-Terror-Lager-Aspekt" betont (Diese Sequenz dauert im Film ganze zehn Minuten.
Denn der Film ist schließlich weniger ein Actionstreifen. Sondern vielmehr eine Mischung aus Politthriller und Spionagefilm. Und diese Mischung ist sehr gelungen!