Dass die Fantasy-Reihe "Die letzten Helden" von Holysoft groß angelegt ist, wurde schon bei den ersten Vorankündigungen klar. Insgesamt 24 Episoden sollen erscheinen. Bereits in der ersten Staffel gab es einige Folgen, die sich auf zwei CDs erstreckt haben. Aber das ist noch gar nichts gewesen gegenüber dem, was uns nun beim Start des 2. Aktes bevorsteht: ganze 6 CDs. Schick verpackt in einem Schuber, der die CD-Hüllen in gewohnter Form inklusive ausführlicher Booklets beinhaltet.
Der 2. Akt ist gleichbedeutend mit dem Start eines neuen Handlungsstrangs innerhalb des großen Kosmos. Gleich im ersten Teil begegnen wir einem alten Bekannten: Chronarius. Zusammen mit dem Wanderer tritt er als Erzähler auf, das Schicksal eines Jugens beobachtend, dessen Ende bereits vorherbestimmt scheint. Es heißt, dass von diesem Kind einst das Ende der Welt ausgehen soll.
Dieser Prolog legt die Grundsteine der Geschichte, die wir im weiteren zu hören bekommen. Denn der erste Tötungsversuch scheitert und das Kind überlebt (eine Szene die mir leider nicht recht glaubwürdig erschien auch hinsichtlich der schauspielerischen Darbietung seitens der beiden Häscher nicht völlig mit dem sonstigen Niveau mithalten konnte).
Am Ende des Prologs steht zunächst eine etwas längere Pause - mit rund 3 Minuten etwas sehr lang, so dass man sich im ersten Moment irritiert fragt, ob da nun noch etwas kommen mag oder nicht. Anschließend folgt ein Märchen vom Feuerelementar, das zwar toll vorgetragen ist, allerdings an dieser Stelle etwas verloren wirkt, da es zu sehr abseits der Handlung steht. Dabei wäre es problemlos möglich gewesen, dieses dort einzugliedern, was ich als Lösung persönlich favorisiert hätte.
Mit Beginn der zweiten CD widmen wir uns dem eigentlichen Handlungsfaden, der uns von da an bis zum Ende beschäftigen soll.
Sie nennen sich selbst die "Füchse", von ihren Mitmenschen werden sie dagegen nur die "Kinderbande" genannt: Adran, Artur, Michael und Maria. Vor allem Adran ist es, der im Zentrum des Interesses steht, wie wir durch zahlreiche Andeutungen seitens Chronarius wissen. Letztgenannter soll auch im weiteren Verlauf genauso wie der Wanderer noch öfters in Erscheinung treten. Bevor es aber soweit ist, werden wir zunächst Zeuge des Alltags der Kinder, zu dem sowohl Diebestouren als auch Bandenkämpfe gehören. In Zeiten des ungewöhnlich kalten Winters stehen die Zeichen schlecht. Ein unterhaltsamer Beginn eines Abenteuers, das jedoch erst mit Auftreten von General Guildenstern richtig an Fahrt und Spannung gewinnt. Auf die ein oder andere Szene hätte man einem noch etwas rascherem Vorankommen zuliebe vielleicht gar ganz verzichten können (Kugelspiel).
Eine gewisse Redundanz tritt leider vor allem bei den immer wiederkehrenden Andeutungen seitens Chronarius und des Wanderers auf. So ist es beispielsweise recht müßig, immer wieder hören zu müssen, dass der Wanderer ja außerhalb des Schicksals steht. Allerdings gibt es rund um diese beiden Figuren auch eine Menge höchst interessanter neuer Wendungen. Anderer Entwicklungen in der Rahmenhandlung kommen bisweilen aber etwas plump daher (so das Verhalten des Todes - denn so richtig schlüssig wirkt es nicht, dass er mal eben ausplaudert, wie man ihn bezwingen kann).
Das Schicksal ist eine höchst komplexe Angelegenheit und scheinbar alles andere als eine festgelegte Konstante - oder doch? Noch hält man sich an vielen Stellen bedeckt, was einerseits natürlich für große Neugier sorgt, jedoch ebenso dazu führt, dass manches momentan noch recht wiedersprüchlich erscheint. Insofern bin ich wirklich sehr auf die endgültige Auflösung gespannt. Die Gefahr beim Spiel mit Schicksal, Totenreich, der Zeit und göttergleichen Gestalten in Logiklöcher zu stolpern ist jedenfalls groß. Und obwohl diese und vielleicht manch andere Erzählpassage gewisse Redundanz aufweist, ist die Größe und Tragweite der hier aufgebauten Welt schlicht faszinierend. Trotz oder gerade wegen des Umstandes, dass hier eine Vielzahl an Leuten aufeinander treffen, die scheinbar über gewissen normalen Gesetzmäßigkeiten stehen, bleibt es absolut unvorhersehbar. Und genau daraus bezieht die Geschichte einen Großteil ihres Reizes. Da sich bereits jetzt (da gerade mal ein Viertel der gesamten Handlung erzählt ist) die Handlung dicht zu verknüpfen beginnt (auch mit dem Schicksal von X und Amon), darf man sehr gespannt sein, wohin der Weg noch überall führen wird.
Ein Blick in die Sprecherliste scheint einen auf den ersten Blick beinahe zu erschlagen. Verteilt auf sechs CDs relativiert sich die hohe Anzahl an Figuren natürlich schon wieder etwas, dennoch bleibt eine Vielzahl an beeindruckenden Darbietungen - unter denen manch schwächere Besetzung in kleineren Rollen, die es leider genauso gibt, recht bald wieder vergessen ist.
Die Figur Adrans hat allerdings schon ein gewisses Nervpotential - das liegt weniger an der schauspielerischen Darbietung von Philipp Zieschang, sondern vielmehr an der Art wie die Rolle angelegt ist. Denn einer, der vor nichts Angst hat und jeden bezwingt, ist niemand, mit dem man mitfiebert.
Hans-Georg Panczak ist zurück, fast wirkt er mit seinen bissigen Kommentaren wie ein Ersatz für Eye während dessen Abwesenheit. Sehr überzeugend vor allem auch Roman Walko als Artur, Gabrielle Pietermann als Maria, Gerrit-Schmidt Foss als Guildenstern, Christian Rode als Chronarius, Lutz Riedel als Wanderer sowie Andreas Mannkopf als die erste Eule.
Normalerweise bin ich ja nicht so der Freund von völlig verzerrten Stimmen, aber im Totenreich passt es - das muss selbst ich zugeben.
Umrahmt wird diese große Geschichte von der gewohnt akkuraten Musik aus der Feder von Konstantinos Kalogeropoulos und zahlreichen Geräuschen. Größtenteils sind es zwar bereits bestens bekannte Klänge, die sich aber nicht verbrauchen und so nur dazu beitragen, dass sich der Score der Serie nur noch fester im Gehör festsetzt. Nichtsdestotrotz würde ich mich freuen, in den nächsten Folgen manch neues einprägsames Stück entdecken zu dürfen.
Die musikalische Untermalung ist zweifellos ganz wesentlich am Unterhaltungswert dieser Hörspiele beteiligt.
Fazit: Ohne die etwas störenden Redundanzen wäre der Gesamteindruck noch positiver gewesen. Gerade aber die Rahmenhandlung versteht es zu fesseln und immer wieder zu überraschen - wenngleich momentan noch einiges Fragen aufwirft und man somit noch nicht ganz sicher sein kann, wie logisch die verschiedenen Ideen am Ende tatsächlich ineinandergreifen. Selbst manche im ersten Moment etwas plump umschriebene Entwicklung vermag man angesichts der absolut exzellenten Umsetzung seitens Sprechern (bis auf sehr wenige Ausnahmen bei kleinen Neberollen) und akkustischer Inszenierung zu verzeihen. Gerade auch, weil mir persönlich solch komplexe Universen, in denen noch nicht direkt alles klar ist und man als Hörer gefordert ist Puzzlestücke selbst zusammenzusetzen, verdammt viel Spaß machen.