Nun bin ich also bei Folge 6 des 1. Aktes angelangt und wurde fast schon etwas wehmütig, weil nun eine längere Wartezeit anstehen dürfte, bis es ein Wiederhören mit dem Magier Sir X, seinem Gefährten Amon und der "nervtötenden, geflügelten Ratte" Eye geben wird.
In dieser Episode kommen die Reisenden ihrem Ziel, dem Konzil der Elemente näher, doch zuvor werden die Charaktere und mit ihnen auch der Hörer gewaltig aufs Glatteis geführt. Wer ist noch Freund, wer Feind? Haben Sir X und Eye ein schreckliches Geheimnis oder ist Amon derjenige, dem man nicht trauen kann? Die Folge ist jedenfalls äußerst spannend, unvorhersehbar und wartet mit einem emotionalen Ende auf.
Da mir die Zeit fehlt, für jede einzelne Folge eine Rezension zu hinterlassen, auch wenn diese es sicher verdient hätten, einfach noch ein paar Worte zur der Reihe Die letzten Helden im allgemeinen:
Eine vergleichbare Qualität habe ich bislang nur bei der gradiosen SF-Produktion "Sternenozean" erlebt. Hier stimmt praktisch alles. Die Geschichte mit ihrer schönen Sprache und den Charakteren, die man schnell liebgewinnt. Das passend zusammengestellte Sprecher-Ensemble, die Regie, die technische Produktion, Musik und die Gestaltung der CD-Cover und Booklets. Die Preise sind angemessen und man bekommt für sein Geld jeweils mindestens zwei Stunden Hörspielgenuss. Insgesamt vermittelt die ganze Produktion den Eindruck, als hätten alle Beteiligten vom Autor über die engagierten Sprecher bis hin zu Regie und Designern unheimlich viel Herzblut in das Projekt gesteckt und das spiegelt sich im Endprodukt definitiv wider.
Zwei besondere Kniffe haben alle Folgen mit Sir X, Amon und Eye zu bieten, die sie u.a. von den üblichen Fantasyklischees abheben. Das eine ist die Kombination von Fantasy mit dem Detektivgenre. Jeder Abschnitt der Reise ist auch gleichzeitig eine Art Kriminalfall, ein Rätsel, dass fast schon in Sherlock Homes-Manier angegangen wird, nur dass hier auch Magie und allerlei finstere Mächte im Spiel sind.
Gleichzeitig machen die zahlreichen Reverenzen zu alten Mythologien, Märchen, Sagen und der Literatur große, teilweise diebische Freude. Die Idee mit dem Ursprung unseres heutigen Bildes von den Sieben Zwergen, einfach herrlich!
Und noch etwas, dass mit besonders positiv aufgefallen ist: Danke Danke, lieber Autor, dass Sie Sir X und Amon keine an den Haaren herbeigezogenen Romanzen angedichtet haben! Ich freue mich auf stimmig geschriebene, angekündigte Liebschaften zwischen neuen Charakteren der noch kommenden Folgen, aber nach meinem Empfinden hätte das in den ersten Akt auch gar nicht reingepasst. Die beiden Männer haben nun wirklich andere Sorgen und die tiefe Freundschaft, die sich zwischen X und Amon entwickelt bis zu einem Punkt, an dem der eine für den anderen sterben würde, ist eigentlich romantischer als es jede Romanze sein könnte. In dem Sinne auch noch ein weiteres Dankeschön für die immer wieder auftauchenden, teils amüsanten und charmanten homoerotischen Andeutungen. Das ist auch etwas, wovor die meistens Hörspielautoren Angst zu haben scheinen, weil sie ihre Zielgruppe zu eng eingrenzen. Ich als Mädel hatte jedenfalls meine Freunde daran und fand es sehr erfrischend. Verkuppelt meinetwegen X und Amon gegen Ende der Reihe miteinander, meine Segen habt Ihr. ;D
In diesem Sinne freue ich mich auf den 2. Akt und noch viele weitere Erlebnisse mit neuen und hoffentlich wiederkehrenden Charakteren. Gute Arbeit, bitte weiter so!