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Die Leinwand
 
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Die Leinwand [Gebundene Ausgabe]

Benjamin Stein
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Produktinformation

Leseprobe: Jetzt reinlesen [943kb PDF]
  • Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
  • Verlag: C.H. Beck; Auflage: 3. (27. Januar 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3406598412
  • ISBN-13: 978-3406598418
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13,2 x 4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (15 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 146.077 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Benjamin Stein
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Benjamin Stein hat mit seinem Roman Die Leinwand ein absolut fesselndes Stück Literatur geschaffen, das sich in seiner außergewöhnlichen Vielschichtigkeit und sprachlichen Eleganz kaum auf ein bestimmtes Genre festlegen lässt und ebenso als literarischer Krimi wie als psychologischer Entwicklungsroman gelten kann." (Florian Hunger, Jüdische Zeitung, Februar 2010)

"Wir können Ihnen dieses Buch wirklich heiß ans Herz legen: Es ist unglaublich spannend, auch unterhaltsam und witzig geschrieben. Und wenn man es gelesen hat, am Ende, wird einem bewußt, welche wirklich tiefen Themen da verhandelt wurden: Was ist Wahrheit? Was ist Erinnerung? Wer sind wir, die wir uns erinnern? Sind wir die, die wir zu sein glauben? Das ist mal wirklich was ganz Besonderes." (Die Vorleser, ZDF, Februar 2010)

"Stein ist bisher noch kein Name im deutschen Literaturbetrieb. Sein nun erscheinender fulminanter Roman "Die Leinwand" allerdings dürfte das ändern. Derart pointiert und empathisch schreibt der 39-Jährige." (Knut Cordsen, NDR Kultur, 27. Januar 2010)

Kurzbeschreibung

Ein Spiegelkabinett mit zwei Eingängen: Hinter beiden Buchdeckeln beginnt je eine Geschichte. Genau in der Mitte kommt es zur Konfrontation, treffen die beiden Erzähler, Amnon Zichroni und Jan Wechsler, aufeinander. Amnon Zichroni besitzt die Fähigkeit, Erinnerungen anderer Menschen nachzuerleben. Geboren in Jerusalem und streng jüdisch erzogen, studiert er in den USA und lässt sich in Zürich als Analytiker nieder. Dort begegnet er dem Geigenbauer Minsky, den er ermuntert, seine traumatische Kindheit in einem NS-Vernichtungslager schreibend zu verarbeiten. Beider Existenz steht auf dem Spiel, als der Journalist Jan Wechsler behauptet, das Minsky-Buch sei reine Fiktion ...
Zehn Jahre später wird eben diesem Jan Wechsler ein Koffer zugestellt, der ihm bei einer Reise nach Israel verloren gegangen sein soll - doch Wechsler kann sich an den Koffer nicht erinnern. Auf den Spuren fragwürdig gewordener Erinnerungen reist er nach Israel und gerät in ein Verhör. Tatsächlich, stellt sich heraus, ist er schon einmal dort gewesen, und sein damaliger Gastgeber, Amnon Zichroni, gilt seither als vermisst ...
Ein faszinierender, spannender Roman über die Unzuverlässigkeit unserer Erinnerungen und das Ringen um Identität.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
36 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Wer bin ich? 16. Februar 2010
Von ½ TOP 50 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Ein Buch - zwei Geschichten, die sich aufeinander zu bewegen. Auf der einen Seite berichtet Amnon Zichroni, auf der anderen Seite Jan Wechsler.

Amnon Zichroni ist mit eine besonderen Gabe ausgezeichnet: er vermag die Erinnerungen anderer Menschen wahrzunehmen. Sein Bericht beginnt mit seinen Kindheits- und Jugenderinnerungen. Die ersten Jahre in Israel, der Wechsel zu einer Züricher Schule und schließlich die Ausbildung an einem amerikanischen College. Während all dieser Jahre liegt der Fokus auf seiner religiösen Ausbildung. Wie die Welt jenseits des Talmuds aussieht, erfährt er im Wesentlichen erst als er in New York auf der Yeshiva University ein Medizinstudium aufnimmt. Deren Spezialisierung auf Psychologie und Psychiatrie scheint für seine Begabung der richtige Weg zu sein.

Jan Wechsler, ein Verleger mit ostdeutschen Wurzeln und einer Leidenschaft für teure Uhren, lebt in München. Eines Tages erhält er ausgerechnet an Schabbes einen Koffer zugestellt, der angeblich auf seiner letzten Israel-Reise verloren gegangen ist. Das Problem, dass er an Schabbes die unvermeidlich notwendige Quittung nicht unterzeichnen darf, löst freundlicherweise der Nachbar, welcher für Jan Wechsler einspringt. Bei der Lösung des zweiten Problems ist der Verleger allerdings auf sich alleine gestellt, denn er kennt diesen Koffer nicht! Als er ihn endlich öffnet und den Inhalt inspiziert, erhält er jedoch keine Lösung präsentiert, sondern neue Fragen. Unter anderem befindet sich in diesem Koffer ein Buch namens Maskeraden von ... Jan Wechsler! Dumm nur, dass sich unser Münchner Verleger so gar nicht daran erinnern kann, es geschrieben zu haben. Wer ist dieser andere Jan Wechsler? Und so beginnt der Empfänger des Koffers mit seinen Recherchen, die überraschende Erkenntnisse ans Tageslicht bringen.

Die Leben der beiden Protagonisten, Amnon Zichroni und Jan Wechsler, weisen unübersehbare Parallelen auf. Beide sind Juden. Beide wachsen scheinbar in einer Welt auf, die mit Einschränkungen für ihre Freiheit verbunden ist. Der eine in Ostberlin, der andere erlebt Einengungen durch die strengen Normen seines jüdischen Viertels. Für beide sind Bücher in jungen Jahren von entscheidender Bedeutung. Und während Jan Wechsler das in der DDR verbotene 1984 von George Orwell liest oder in die amerikanische Botschaft schlendert im vergeblichen Versuch, amerikanische Lyrik auszuleihen, wird Amnon Zichroni in der Jeschiwa vom Rabbiner bei der Lektüre von Oscar Wildes "Bildnis des Dorian Grey" erwischt. Darüber hinaus gibt es noch weitere Nebenpfade, die der Leser entdecken kann.

Bemerkenswert ist die Leichtigkeit, mit welcher Benjamin Stein die Herausforderungen des jüdischen Andersseins und deren Umsetzung im täglichen Leben beschreibt. Nicht nur bei der Beschreibung von Schabbes, auch bei der Vorgehensweise zur vorübergehenden Beseitigung der Single Malt-Flaschen am Pessach-Fest konnte ich mir ein Schmunzeln nicht versagen. Ich kenne kein anderes Buch, welches den jüdischen Alltag, die Traditionen und Normen so humorvoll und doch informativ beschreibt.

Bei dem Titel musste ich zunächst übrigens an Ramana Maharshi's Gespräche des Weisen vom Berge Arunachala denken: Es ist wie im Kino. Da ist die beleuchtete Leinwand, und die Schatten, die darüber huschen, machen auf den Zuschauer den Eindruck der Darstellung eines Stückes (dort auf S. 15). Auch wenn der Meister damit etwas anderes beschreibt, so passen diese Zeilen doch ebenso auf den Inhalt des Buches. Vordergründige Eindrücke und die dahinterliegende Realität. Was ist wahr? Fragen zur Identität und auch Fragen zu unseren Erinnerungen. Was von unseren Erinnerungen ist real geschehen, was haben wir geschaffen? Ausserdem habe ich mich gefragt wie viel autobiografische Inhalte Benjamin Stein in diesem Buch versteckt hat. Die Erzählung Jan Wechslers von seiner Anstellung als Pförtner in einem Altenheim auf Seite W136 hat mich stutzig gemacht, denn auf der Innenseite des Umschlages wird von einer entsprechenden Tätigkeit des Autors berichtet.

Des Weiteren ist DIE LEINWAND mit einer Vielzahl von philosophischen Gedanken gefüllt: Geduld und Ungeduld, Demut, Danke sagen, Loslassen, das Unmessbare und Ungeklärte am Menschen und in der Welt, Seelenwanderung, sich reinwaschen von Schuld und Schmach, die Mikwe als ein Tor zu einem anderen Leben und vieles mehr gibt es in diesen Seiten zu entdecken. Es lohnt sich genau zu lesen und den Text nicht einfach nur zu überfliegen.

Mein Fazit: ein ungewöhnliches Buch. Ein Buch, das die Vermittlung von Informationen mit einer gekonnt in Szene gesetzten vielschichtigen Erzählung verbindet. Ein Buch, das den Leser für ein paar Stunden auf verschlungenen Wegen in eine Art Paralleluniversum entführt. Sehr hilfreich empfand ich übrigens das Glossar von jüdischen Begriffen, welches im Anschluss an jede der beiden Geschichten abgedruckt ist. Alles in Allem hat DIE LEINWAND mir persönlich sehr gut gefallen. Empfehlenswert!
--------
Zuletzt noch eine Weisheit von Seite Z178: Wahrheit ist immer eine Frage des Standpunktes. Sobald man sich in die Öffentlichkeit begibt, lässt man sich auf den Standpunkt eben dieser Öffentlichkeit ein.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Villette TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Mit "Die Leinwand" ist Benjamin Stein ein sehr ungewöhnlicher Roman gelungen, der sich mit der Frage vom Zusammenhang von Erinnerung und Identität beschäftigt. Schon das Leseerlebnis ist ungewöhnlich und individuell. Das Buch umfasst zwei miteinander zusammenhängende Geschichten, die des Amnon Zichroni und die des Jan Wechsler. Der Leser hat die Wahl, mit der Geschichte des Amnon Zichroni zu beginnen und sie bis zum Ende zu lesen und danach und von dieser Perspektive aus die Geschichte des Jan Wechsler. Oder er liest zuerst die Geschichte des JW und dann die des AZ. Eine völlig neue Sicht auf die Dinge wird das werfen. Weiterhin ist es dem Leser freigestellt, abwechselnd Kapitel der einen und der anderen Geschichte zu lesen oder an einem freigewählten Punkt zu wechseln. Dahinter steckt natürlich die Verbindung zum Thema des Romans: Erinnerung und Identität. Nicht nur die Figuren in der Geschichte ringen um ihre Identität, die sie in ihrer Erinnerung festzumachen versuchen, auch die Geschichte selbst erhält ihre jeweils eigene Identität von der Perspektive, aus der der Leser sie betrachtet. Seine jeweiligen Erinnerungen legen fest, was wahr ist. Ein anderer Leser, der einen anderen Leseweg wählt, gibt der Geschichte auch eine andere Identität und kommt zu einer anderen Wahrheit. Wirklich großartig.

Zu den beiden Geschichten will ich nicht viel sagen. Das würde das Leseerlebnis zerstören. In der Geschichte des Amnon Zichroni wird sein Lebens- und Lernweg beschrieben. Er hat eine besondere Gabe, die Erinnerungen eines anderen Menschen mitzuempfinden, wenn er diesen mit seiner Hand berührt. Er entscheidet sich für den Beruf des Psychoanalytikers, von dem er hofft, diese Gabe möglichst sinnvoll einzusetzen. Der Wendepunkt in seinem Leben kommt zusammen mit dem Geigenbauer Minsky, dem er hilft, seine Erinnerungen zu einer Identität aufzubauen -- bis diese Identität zerstört wird. Jan Wechsler wiederum scheint ein normales Familienleben zu führen bis zu dem Tag, als ihm ein Koffer geliefert wird, der seine Erinnerungen und seine Identität zerstört. Der Inhalt nämlich bringt ihn in direkte Verbindung zum Fall Minsky, von dem er noch nie gehört hat. Er macht sich auf die Suche nach sich selbst.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Literarisches Glanzstück 26. August 2010
Von T. Jannusch VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Gibt es ein "Perpetuum Mobile"?
In der Physik und Mechanik muss diese Frage bislang verneint werden. Ein Ding, das sich unausgesetzt um die eigene Achse bewegt, kann nicht sein, da sich immerzu die Frage nach dem Anfang, dem ersten Energiestoß, stellt - und die Bewegung somit nicht ewig sein könnte. Doch bislang hat noch niemand gewagt, sich diese Frage in Bezug auf literarische Werke zu stellen. Eine ungewöhnliche Fragestellung, sicher. Aber für mich ist dieser Ansatz die bislang einzige Möglichkeit, das Buch "Die Leinwand" von Benjamin Stein auch nur annähernd zu beschreiben, zu fassen, und ihm einen Rahmen zur Reflexion zu geben.

Denn es geht hier, zunächst einmal abgesehen von der eigentlichen Handlung, um zwei Bücher, zwei Geschichten gleichzeitig, die an den gegenüberliegenden Enden des Buches beginnen, und in der Mitte aufeinander treffen. Man kann sich das nur schwer vorstellen, wenn man das Buch noch nie in der Hand hatte. In der Tat ist schon allein der physische Eindruck kurios. Der Geschichte um "Jan Wechsler" ist die Farbe Rot zugeordnet, sowohl oberer Seitenschnitt wie Vorsatzblatt sind auf dieser Seite Rot. Wenn man das Buch nun genau einmal dreht, sozusagen von hinten nach vorne beginnt, trifft man nicht etwa auf das Ende, sondern auf die Geschichte um "Amnon Zichroni", der die Farbe Blau zugehört. Auch sie beginnt, auf ihrer Seite der physischen Einheit "Buch", wie eine eigene Erzählung. Genau in der Mitte treffen beide Geschichten aufeinander, stehen sich auf den Kopf gestellt gegenüber. Somit hat das Buch keinen eindeutigen Anfang, und, wenn man es gelesen hat, auch kein Ende. Beide Erzählstränge enden mit der gleichen Episode, doch es bleibt für den Leser absolut unentscheidbar, wer nun "Recht" hat, oder was die "Wahrheit" ist. Ich sagte ja: ein "Perpetuum Mobile" auf literarische Art, das den Leser noch weit über die Lektüre hinaus zum Nachdenken geradezu zwingt.

Genau in diesem Umstand liegt auch für mich der Wert dieses Buches, und alle weiteren Fragen, wie Inhalt, Stilmittel, und Erzählperspektive, sind dem untergeordnet. Insofern möchte ich diese auch nur kurz anreißen. Für mich ist das Buch, wie gesagt, in erster Linie ein formales und erzählerisches Experiment, und erst in zweiter Linie eine Geschichte - eigentlich ja zwei Geschichten.

Wagen wir einen kleinen Überblick. Jan Wechsler und Amnon Zichroni sind beide Juden - Jan Wechsler ist Journalist und Verleger und lebt in München, Amnon Zichroni ist Psychoanalytiker und hat seinen zuletzt bekannten Wohnsitz in Israel. Jeder erzählt seine Lebensgeschichte aus seiner Sicht, wobei dem Leser spätestens beim Beginn der zweiten Geschichte vom anderen Ende her klar wird, dass sich ihre Lebenswege einmal gekreuzt haben müssen. Man kann das Buch natürlich auch "abwechselnd" lesen, von Rot nach Blau wechselnd, und dann macht man diese Entdeckung entsprechend früher.

Ich finde die Namen sehr gut und vieldeutig gewählt. Denn, wie man im Laufe der Geschichte merkt, Jan Wechsler hat deutliche Erinnerungslücken, er hat offensichtlich einen dunklen Fleck in seiner Vergangenheit, den er zu ergründen versucht. "Wechsler" ist somit ein beziehungsreicher Name für ihn! Und "Amnon zichroni" hat es ebenso in sich; die Initialen machen es deutlich: A - Z. Zwar kenne ich mich im Hebräischen nicht so weit aus, dass ich die eigentliche Bedeutung des Namens erläutern könnte, doch schon allein die Initialen sind mir bedeutungsschwanger genug. Es geht um die Frage, was ein Leben "von A bis Z" eigentlich ausmacht. Was sind Erinnerungen, was ist Verantwortung. Somit ist auch dieser name, in Verbindung mit Jan Wechsler, gut gewählt.

Es sei kurz erwähnt, was den eigentlichen Anstoß für die Handlung gibt. Jan Wechsler erhält eines Tages einen Koffer zugestellt, der ihm angeblich gehören soll. Doch darin sind lauter Gegenstände, die er noch nie gesehen hat. Durch das Misstrauen seiner Frau weiter unter Zugzwang gesetzt, versucht er, das Geheimnis des Koffers zu enträtseln. Und stößt dabei ganz zuletzt auf Amnon Zichroni, der sich als Schlüssel zum Ganzen erweisen wird - genauso wie Jan Wechsler der Schlüssel für die Erzählung von Amnon Zichroni ist...

Nein, mehr erzähle ich nicht. Denn dann würde man jedem Leser das Vergnügen nehmen, das dieses Buch bietet. Jeder muss für sich entscheiden, wie er diese beiden Erzählungen bewertet, und wie er sie zueinander in Beziehung setzt. Eine "Lösung" an sich gibt es nicht, und ich denke, dies ist vom Autor auch gar nicht beabsichtigt. Er will Fragen stellen und zum Nachdenken anregen, und genau dies gelingt ihm hervorragend.

Ich möchte noch einige Besonderheiten erwähnen, die sich als Würze des Buches erwiesen haben. Erstens hat mich fasziniert, wie sehr der Autor dem Leser die jüdische Lebensweise nahebringt, und zwar in beiden Geschichten. Jan Wechsler hat es als Jude in München nicht leicht. Jüdische Regeln und Traditionen sind komplex, und das ist nicht immer mit einer modernen Lebensweise vereinbar. Aber auch Amnon Zichroni ging es so. Er wurde zwar in eine recht orthodoxe Familie geboren, jedoch hatte er sich als Kind heimlich Zugang zu des Vaters verbotenem Bücherschrank verschafft, flog auf, und musste ins Exil geschickt werden. Sein Lebensweg führt ihn über Amerika und die Schweiz, bevor er wieder in Israel landet.

Ferner ist das ganze Buch durchsetzt mit biblischer Symbolik. Amnon Zichroni macht als Kind die Entdeckung, dass er die Gedanken und Erinnerungen anderer Menschen "sehen" kann - und zwar, als er in einen Apfel beißt! Jan Wechsler wird hingegen, meiner Meinung nach, mit der Geschichte von Hiob in Bezug gesetzt. Ihm widerfahren schwere Schicksalsschläge, dennoch wird er gerade dadurch zu seinem Glauben zurückgeführt.

Beide Erzähler lieben die Literatur und die Bücher, und diese Passagen gehören mit zu den schönsten des Buches. In beiden Lebensläufen gibt es Episoden des "Untertauchens", sowohl im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Denn das Untertauchen in einer "Mikwe", einer religiös als heilsam anerkannten Quelle, ist im Judentum eine alte Tradition. Und beide Erzähler müssen mehrfach fliehen, "Untertauchen", sei es vor Anderen oder vor sich selbst.

Wenn ich noch mehr erzähle, zerrede ich das Buch, und das wäre schade. Ich möchte abschließend bemerken, dass es eine durch und durch lohnende Lese-Erfahrung war, die ich aber nur solchen Lesern ans Herz legen möchte, die die entsprechende Geduld und Ausdauer sowie Forschergeist mitbringen.
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