Mathematik-Didaktiker Alfred Schreiber sammelt Gedichte aus aller Welt und allen Sprachen und Kulturen, die in irgendeinem Zusammenhang mit der Mathematik stehen. Diese durchwegs kurzen und nicht schwer verständlichen Gedichte übersetzt er ins Deutsche und versieht sie mit einleuchtenden Erklärungen für mathematische Laien oder Leser, die auf der Leitung stehen.
Während in der Vorgängersammlung 'Lob des Fünfecks' Kraut und Rüben zu finden sind, ist diese, davon unabhängige, sich in nur einem Text überschneidende, Auswahl in sieben thematische Kapitel geteilt. Jeweils zu Beginn eines Kapitels gibt es die Einführung sowohl zum betreffenden mathematischen Problem als auch zu der Art, wie sich Dichter in den einzelnen Beispielen diesem genähert haben. Der Erklärungsteil ist wieder beispielhaft kurz und verständich.
Verglichen mit dem Band 'Lob des Fünfecks' ist 'Die Leier des Pythagoras' besser aufbereitet. So erfährt man beispielsweise, dass es in Indien und im arabischen Raum Tradition gewesen ist, dass ein Mathematiker Gesetze und Regeln der Arithmetik in Form von Gedichten formuliert. In Europa gilt das zwar nicht, doch gibt es eine Tradition in Verse gekleideter mathematischer Rätsel als auch die ernsthafte Auseinandersetzung der französischen Dichter des Oulipo, die Mathematik auf ihre Brauchbarkeit bei der Erstellung von Gedichten zu untersuchen, d.h. Gedichte nach Formeln zu generieren. Von alle dem bietet Schreiber insgesamt 130 Beispiele.
Das Büchlein eignet sich nicht nur für Menschen, die mit Mathematik etwas zu tun haben, sondern ist ganz allgemein auch eine originelle Gedicht-Anthologie. Kinder werden damit ebenso Freude haben wie Erwachsene. Das größte Verdienst der 'Gedichte aus mathematischen Gründen' ist sicherlich, auf die Vielfältigkeit von Gedichten aufmerksam zu machen als auch anzuregen, einen Wissensbereich (z.B. Mathematik) einmal aus ganz anderem Blickwinkel (z.B. Dichtung) wahrzunehmen.