Auf das Lesen dieses Buches hatte ich mich schon gefreut, wird es doch in den höchsten Tönen gelobt. Außerdem mag ich "so Alltagsgeschichten" (geht wahrscheinlich vielen Leuten so), bin genau so alt wie die Autorin und teile die Erfahrung, während der letzten 9 Jahre neben Schule und Studium im Handel tätig gewesen zu sein. Bei mir war's zwar kein Supermarkt, sondern eine Buchhandlung und Madame Sam hat auch nur 8 Jahre im Handel gearbeitet - aber was soll's. Jedenfalls Grund genug, das Buch zu lesen.
Leider war ich schon ziemlich schnell enttäuscht, spricht doch aus den Erlebnissen, die geschildert werden nur Frust. Klar ist es nicht schön, der "Depp vom Dienst" zu sein. Aber die Geschichten sind leider so unpersönlich und überkandidelt erzählt, dass das ganze - in meinen Augen - als recht langweilige Limonade rüberkommt. Die Kunden wirken zu keinem Zeitpunkt lebendig. Es werden immer nur "Typen" geschildert, die allerdings nur sehr an der Oberfläche kratzen. Viel spannender, amüsanter und authentischer wäre es gewesen, die jeweiligen Leute aus einer gewissen Distanz einfach nur zu beschreiben, ohne großartig zu werten. Das ist es nämlich, was den alltäglichen Wahnsinn ausmacht, nicht die Sichtweise einer ohnehin Frustrierten, die auf das nun mal normale Verhalten von Kunden nicht klarkommt. So schießt man sich rasch selbst ins Abseits.
Sehr stark aufgefallen ist mir auch die gestelzte Sprache. OK, die Dame hat Literatur studiert, ich auch! Muss man deshalb wie die Witzfigur eines Gelehrten aus dem 18. Jahrhundert sprechen, die ein Konversationslexikon verschluckt hat? Ich finde, nein! Möglicherweise sind die stilistischen Absonderlichkeiten aber auch durch den Umstand bedingt, dass das Buch aus dem Französischen übertragen wurde. Oft hab ich mir einzelne Sätze ins Französische übersetzt und da klangen sie dann gar nicht mehr so seltsam, sondern sehr viel organischer.
Wie dem auch sein - mich hat das Buch weder sprachlich, noch inhaltlich vom Hocker gehauen. Sorry für's in die Suppe spucken!