Hilja Ilveskero, eine junge Finnin, verdient sich ihre Brötchen als Leibwächterin und muss gerade feststellen, dass selbst die unsympathischste Auftraggeberin nicht jedes Gehalt wert ist.
Nach einer kurzen, aber heftigen Auseinandersetzung mit ihrer derzeitigen Chefin Anita Nuutinen, einer etwas undurchschaubaren Immobilienmaklerin, kündigt sie fristlos und macht sich wutentbrannt Auf und davon.
Kurz danach überschlagen sich die Ereignisse, als Hilja brutal zusammengeschlagen wird und man etwa zeitgleich die Leiche ihrer ehemaligen Vorgesetzten findet.
Problem: Hilja wacht mit Erinnerungslücken auf und steht plötzlich selbst im Fadenkreuz polizeilicher Ermittlungen und bald zeigt sich, dass die junge Frau ganz auf sich selbst gestellt ist, um ihre Unschuld zu beweisen...
Mit "Die Leibwächterin" präsentiert uns Leena Lehtolainen einen eher ungewöhnlichen Thriller, in dessen Mittelpunkt die toughe Personenschützerin Hilja Ilveskero steht und dabei mit ihrer mehr als starken und übermächtigen Präsenz eindeutig der Geschichte den Stempel aufdrückt und das Geschehen absolut dominiert und bestimmt.
Mit Hilja erleben wir hier eine Hauptprotagonistin, die von Haus aus als unerschrockene und zähe Einzelgängerin auftritt und sich dabei doch burschikos und zunächst mal wenig feminin zeigt, dabei auch immer so von einem Hauch Melancholie und Traurigkeit umgeben ist. Von Frohsinn und Heiterkeit ist da zunächst mal wenig zu spüren. Agiert sie hier doch als robuste und knallharte Person, die sich nicht allzu gerne den Mitmenschen in ihrer Umgebung mitteilt, sondern eher als Solistin unterwegs ist.
Da hat die Autorin mit Hilja einen sehr facettenreichen und komplexen Charakter geschaffen, deren bewegte und ereignisreiche Vergangenheit bis in die heute Zeit reicht und sie eindrücklich geprägt hat und ihr Tun und Handeln noch immer davon bestimmt ist.
Mit einigen Rückblenden in eben diese Vergangenheit lernen wir Leser die junge Finnin wirklich eingehend kennen und werden Zeugen, wie ihre Kindheit durch die so ungewöhnliche Beziehung zu ihrem Onkel und einem Luchs ihr Leben bis zum heutigen Tage beeinflusst hat.
Ansonsten werden wir hier sehr intensiv und nachhaltig mit den Gedankengängen und Überlegungen der jungen Frau konfrontiert, die uns Leser einen großen Einblick in das Gefühls-und Seelenleben Hiljas gewährt und sie sich sicherlich nicht als die Kommunikativste aller Hauptprotagonistinnen vorstellt.
Sowieso zeigt sich die Story mit eher wenigen Dialogen ausgestattet, die auch zu Beginn wahrscheinlich den ein oder anderen Leser etwas irritieren, da selbst beim Kennenlernen der Gegenüber mal geduzt wird, was zunächst mal befremdlich erscheint, man sich aber im Laufe der Geschichte durchaus daran gewöhnt.
Im Gesamteindruck zeigt sich die Handlung hier zwar methodisch und ansprechend aufgebaut, sich das Ganze hin und wieder aber in Nichtigkeiten verliert, die eigentlich ohne Belang für die wirklich wichtigen Ereignisse im Geschehen sind und so die ein oder andere Länge beinhaltet.
Da überkommt einem beim Lesen so das Gefühl, dass man doch so ein bisschen an der Oberfläche rumdümpelt, ohne auf den Punkt zu kommen und da doch mehr Aktion und Vorankommen schön gewesen wäre. Da tritt man bei der ein oder anderen Passage ein bisschen auf der Stelle.
Was der Autorin so wunderbar bei ihrer Romanheldin gelungen ist, nämlich Tiefgang und Signifikanz, ist da leider bei der Erzählung selbst ein Tick zu kurz gekommen.
Im Übrigen hat die Autorin den Roman in der Ich-Form aufs Papier gebracht und überzeugt hier eher mit einem nüchternen und klaren Schreibstil, bei dem die vielen verschiedenen finnischen Namen bisweilen für kleine Verwirrung sorgen (bei mir jedenfalls), aber auch da ist man nach kleiner skandinavischen "Einführungsrunde" recht firm.
Geografisch werden wir hier von der Autorin an die Hand genommen und machen einen wunderbar landschaftlichen Ausflug in das Land der tausend Seen und auch politisch und wirtschaftlich gewährt sie uns einen tieferen Einblick, was die Beziehungen Finnlands mit der großen Nation Russland auf sich hat, denn zwielichtige Immobiliengeschäfte und Energiepolitik zeigen sich hier als ganz brisante Themen.
Alles in allem haben wir hier einen durchaus unterhaltsamen Krimi, der so ziemlich ohne Blutvergießen und Brutalität auskommt, dafür mit einer Prise Romantik und Herzschmerz versehen ist und für Krimi-Fans der eher leisen Töne durchaus adäquaten Lesestoff darstellt.