Da es sich um den 10. Band der Serie handelt (Bd. 1 - 4 von Blanvalet, Bd. 5 -7 leider nur auf Englisch, Bd. 8 - 10 von Heyne) setze ich die handelnden Personen als bekannt voraus - wer sie nicht kennt, sollte bei Bd. 1 beginnen. Auch zur Geschichte sagt die Beschreibung eigentlich genug.
Ja nun, eigentlich habe ich mich bisher (seit dem 1. Band) als Simon-Scarrow-Fan betrachtet (habe halt eine Schwäche für die römischen Jungs in Sandalen) und hätte bisher allen 9 Bänden glatt 5 Sterne gegeben. Eine Kritik über die Brutalität in den Romanen, die ich vor einiger hier Zeit las, mochte ich nicht ganz nachvollziehen, weil: So war die Zeit damals, bzw. das Römische Reich war halt kein Ponyhof, und immer gab es genug Handlung um das Meucheln drumherum, das eine für mich interessante Story hergab. Aber diesmal war's des Derben etwas zu viel: Die "Geschichte" war recht simpel und eindimensional (ich möchte nicht mal sagen "vorhersehbar", weil eigentlich passiert gar nicht so viel), und gefühlte 70 - 80 % des Buches ergehen sich in möglichst detaillierten Beschreibungen, wie man damals mit den Mitmenschen umgegangen ist, die nicht so wollten, wie man selber bzw. der Römische Kaiser: Man hört förmlich die Knochen brechen, die Schädel splittern und die Kontrahenten blutgurgelnd schreien bzw. stöhnen und sieht die Köpfe rollen, die Schwertklingen die Körper durchdringen und diverse abgeschlagene Körperteile verstreut herum liegen - wie gesagt, für sich genommen war das damals halt so, aber ich habe das Geld für ein Buch ausgegeben, von dem ich mir eine "Geschichte", also deutlich mehr spannende Handlung, erwartet habe, als nur das in-Stücke-hauen der Mitmenschen. Das Scarrow das auch kann, hat er ja durchaus schon gezeigt, so dass ich hoffe, das dieser Band ein einmaliger Tiefpunkt bleibt - jedenfalls bietet die Thematik des nächsten Bandes (undercover bei den Prätorianern zur Aufdeckung einer Verschwörung gegen den Kaiser) durchaus die Möglichkeit, ein bisschen Raffinesse walten zu lassen und eine spannende Geschichte zu schreiben. Wenn er (Scarrow) es dann aber wieder so vermasselt, wird das mein letzter gewesen sein, und ich werde mich dann halt nur noch auf den 3. Band von Robert Harris' Cicero-Biographie freuen - und dafür einsetzen, dass man bei Büchern eine FSK einführt: Das hier war ne glatte rote "ab 18" (zum Vergleich: Die Filme "Centurion", "A History of Violence" und "Drive" sind alle wesentlich harmloser und gehaltvoller!).
Abgesehen davon, dass wenn Wikipedia recht hat, im Roman die Rangordnungen des Praefectus Castrorum und des Tribunus Laticlavius miteinander vertauscht wurden, nervt auch das "doppelte Lottchen" langsam: Schwer zu glauben, dass zwei Zenturionen - oder ein Primus Pilus und sein Praefectus bzw. Tribunus Laticlavius - beständig "aufeinander" hängen können und sich so wenig mit anderen Akteuren (z. B. den Legionären der eigenen Centurie oder den 5 Tribuni Angusticlavii) beschäftigen zu brauchen, dass es kaum der Erwähnung wert wäre - auch das konnte der Autor früher besser.
Alles in allem: Eine ziemliche Enttäuschung.