Weis/Hickman ist es gelungen, in den Legenden die Eigenschaften eines epischen Monumentalwerks mit der Intimität eines Kammerspiels zu kombinieren.
In diesem zweiten Band wird eine der faszinierendsten und ungewöhnlichsten Geschichten der Fantasy-Litertur weitergeführt. Die Charaktere stehen dabei wie immer im Mittelpunkt.
Diesmal verschlägt es sie in die Zeit der Zwergentorkriege, einem der grausamsten und brutalsten Kapitel der Geschichte Krynns. Dabei wird der Weg in den Abgrund frei. Raistlin ist es mit Crysanias Hilfe gelungen, das Portal zu öffnen. Doch vor ihm hat mit dem Zeitreisegerät bereits der Kender Tolpan die Hölle betreten. Zusammen mit ihm steht der Leser das erste Mal Takhisis selbst gegenüber. Die Darstellungsweise der Königin der Finsternis hat mich persönlich sehr beeindruckt. Sie erscheint nicht in einer ihrer 3 Inkarnationen (Kriegerin, Verführerin, fünfköpfiger Drache), sondern so wie sie auf ihrer eigenen Existenzebene tatsächlich ist. Sie ist keine Erscheinung in pompösem Outfit mit grausamem Lächeln, die auf einem protzigen Thron in einem gigantischen Schloß sitzt, wie man es in einem Fantasy-Buch vielleicht erwarten würde. Sie ist anders:
" Hier war immer noch die gleiche Leere, nur hatte er jetzt den Eindruck nicht mehr allein zu sein. Als ihm das klar wurde, sah er einen schwarzen, glatten Holzstuhl erscheinen. Auf ihm saß eine schwarzgekleidete Gestalt; eine Kapuze war über ihr Gesicht gezogen. (...) Es war eine Frau, völlig in schwarz gekleidet, mit einer schwarzen, engsitzenden Kapuze über dem Haar, die ihr Gesicht einrahmte. Ihre Arme, eingehüllt in schwarzen Stoff, ruhten auf den Armlehnen des Stuhls. Der Ausdruck ihres Gesichts war nicht entsetzlich, auch nicht beängstigend; in der Tat trug es überhaupt keinen Ausdruck."
Durch diese Darstellung der Schlichtheit wird Takhisis Macht viel stärker verdeutlicht, als es sämtliche Herrschaftsattribute könnten. Sie hat sie nicht nötig; sie ist eine Göttin. Hier wird auch deutlich gemacht, wem Raistlin sich da tatsächlich entgegenstellen will. Für Spannung im finalen Teil ist also reichlich gesorgt.