Fantasy-Romane gibt es wie Sand am Meer - und ein nicht geringer Anteil davon ist qualitativ doch eher minderwertig, sprachlich holprig und die Ideen sind bei den Großen des Genres geklaut. Dass es jedoch auch anders geht, beweist Petra Staufer meisterlich.
"Die Legende von Osomyr" führt den Leser in ein ganz besonderes Reich der Magie. Die Grundidee ist klassisch: Eine ganze Welt wurde von einem dunklen Herrscher unterjocht und jemand ist auserwählt, den Bann des Herrschers zu brechen und die Welt zu befreien.
Eluyan wird schon seit langen Jahren von Mógui, dem schwarzen Kaiser, tyrannisiert. Einst lebten die verschiedenen Völker Eluyans - Menschen, Elben und Kobolde - friedlich miteinander. Doch als Mógui nach der Macht griff, haben die Kobolode den wahren Herrscher des Reichs verraten und sich auf die Seite des schwarzen Kaisers geschlagen, um fortan als seine Armee Angst und Schrecken im ganzen Land zu verbreiten. Ein Ende des Schreckens ist nicht in Sicht - bis Taris, ein junger Zauberlehrling, fast wie durch Zufall ein ganz besonderes Buch findet und ihm offenbart wird, dass er den Schlüssel für den Frieden Eluyans in den Händen hält. Gemeinsam mit dem Waisenmädchen Sharani, in der mehr steckt, als es den Anschein haben mag, versucht er, das Buch zur Burg Osomyr, dem Sitz des wahren Herrschers, zu bringen. Keine leichte Aufgabe - denn niemand weiß, wo die legendäre Burg zu finden ist, und Móguis Kobolde sind den Helden dicht auf den Fersen...
Der temporeiche Erzählstil bringt den Leser dazu, das Buch nicht mehr aus der Hand legen zu wollen. Zahlreiche überraschende Wendungen und gute Einfälle sorgen dafür, dass die Spannung nicht nachlässt, wenn man mit Taris und Sharani auf Reisen geht und sich mit ihnen furchterregenden Dämonen, gefährlichen Kobolden und den eigenen Ängsten entgegenstellt. Dabei lernen nicht nur Taris und Sharani, dass gerade in Zeiten des Krieges und des Hasses Liebe, Ehre und Zuversicht manchmal die stärksten Waffen sind - und dass man Freunde manchmal gerade dort findet, wo man es am wenigsten vermutet.
Eine spannende Geschichte sowohl für alte Fantasy-Hasen als auch Einsteiger in das Genre, die lehrt, dass man Vorurteile überwinden und an sich selbst und andere glauben muss, um sein Ziel zu erreichen.
Hoffentlich gibt es bald mehr von Taris und seinen Freunden zu lesen!