Getragen von seiner Verehrung für Paul Klee, ist der Regisseur Rüdiger Sünner den Spuren des Malers gefolgt und hat sich auf eine Reise an den mythenumwobenen Nil begeben. Ausgehend von den Tagebuchnotizen Klees und einer Vielzahl seiner Gemälde nimmt Sünner auch das Leben an den Ufern des mächtigen nordafrikanischen Stroms, die Menschen, ihr gemeinsames Tun und ihre Tiere, in den Blick - ganz ähnlich, wie es sich Anfang des 20. Jahrhunderts den Augen Klees dargeboten haben mag. Wohlklingende Töne und von einer sanften Frauenstimme vorgetragene Worte aus dem Altägyptischen Totenbuch nehmen uns in Empfang und lassen uns hineingleiten in den Sog des suggestiven Bilder-Flusses. Sünner hat - zum Beispiel mit hinreißend abstrakten Ansichten langsam sich drehender weißer Segel - bewegte Bilder geschaffen, die als Film-Kunstwerke die beliebigen Aufnahmen massenmedialer Produktionen weit hinter sich lassen. Immer sind die Textelemente reduziert genug, um die visuelle Kunst-Form ins Bewusstsein zu rücken. Auf diese Weise verbinden sich Bilder, gesprochener Text, Geräusche und Musik zu einem symphonischen Gefüge, dessen Fülle warm bettet statt zu überwältigen. Überblendungen vor allem von filmischen Sequenzen und Reproduktionen der Klee-Gemälde sorgen für ein sanftes Hin und Her zwischen den ästhetischen Ebenen. Die damit verbundenen Seherlebnisse lassen Neues entdecken: So wird eine Film-Sequenz von dahinfließenden Wassern allmählich durchdrungen von einem Gemälde Klees, verwandelt sich die alternierende Horizontale des Nilufers in die strenge Waagerechte einer gemalten Pyramidenkonstruktion, begleitet von gesprochenen Reflexionen über das Wesen der Linie. Dieses und viele andere Beispiele mehr zeigen, dass Sünner auf dem Wege der Verdichtung eine Synthese verschiedener ästhetischer Seinsformen gelungen ist. Was gemeinhin etwas trocken 'Film-Essay' genannt wird, ist bei Sünner zu einer eigenständigen künstlerischen Form geworden.