Die ersten Romane um Drizzt Do'Urden waren kleine Meisterwerke. Gerade die Dunkelelfentrilogie, welche die Herkunft des Drow beschreibt und einen überwältigenden Einblick in das Umfeld seines Volkes gewährt, war phantastisch. Die Charaktere waren interessant und oft sehr detailverliebt beschrieben. Im Laufe der Jahre und Bücher flachte dieser Aspekt jedoch immer weiter ab. Die letzten Romane erschöpften sich darin, eine Kampfsequenz an die nächste zu reihen, was zumindest in meinem Fall irgendwann dafür sorgte, dass ich gut ein Drittel des jeweiligen Buchs nur überflog.
Als ganz besonders ärgerlich empfinde ich Salvatores Neigung, Drizzt gegen möglichst viele oder möglichst starke Gegner in möglichst kurzer Zeit antreten zu lassen, nur um zu beweisen, dass der Dunkelelf unbesiegbar ist. Dies wird in Ghost King mehr als deutlich, wenn Drizzt fast im Alleingang eine Armee Untoter (samt diverser Nachtgänger und ähnlicher sehr starker Gegner) und den Geisterkönig erledigt, weil der Gedanke an seine für ihn verlorene Frau ihn NOCH stärker macht. Man kann froh sein, dass Salvatore noch nicht auf den Gedanken gekommen ist, Drizzt gegen Lolth, Bane oder am besten alle bösen Gottheiten antreten zu lassen. Denen würde der Autor gegen seinen geliebten Protagonisten wahrscheinlich auch keine Chance lassen. Weniger ist manchmal mehr.
Die Reflexionen am Anfang der einzelnen Kapitel sind im Gegensatz zur Haupthandlung sehr gelungen, hier liegt Salvatores wirkliche Stärke. Auch die Figur von Jarlaxle Baenre, der vielleicht vielschichtigsten Figur der Dunkelelfen-Sage, ist wirklich gut in Szene gesetzt. Trotzdem kommt es mir immer mehr vor, als wäre der Autor gezwungen, Seiten durch immer wieder nach dem selben Muster verlaufende Kämpfe zu füllen. Schade, denn gerade das (endgültige?) Ende von Cattie-brie und Regis hätte eine deutlich epischere Erzählung verdient.