Ich war nun bereits ein zweites Mal im Kino, weil mich der Film wirklich begeistert hat. Es stimmt schon, für Kinder unter 12 ist der Film nicht so super geeignet, aber eigentlich sollte er ja auch erst ab 12 sein, doch für FSK 6 haben sie noch einige Szenen rausgeschnitten. Mich ärgert persönlich irgendwie, dass der Film so schlecht bewertet und gleich als Einheitsbrei bezeichnet wird, denn das ist er mit Sicherheit nicht. Denke ich an die letzten Jahre der Filmgeschichte zurück, hat mich kein Film besonders vom Hocker gerissen, nicht einmal Avatar, obwohl das recht gut war. Und vor allem bei Fantasy- und Animationsfilmen sah es doch recht mau aus. Was macht "Die Legende der Wächter" also so besonders für mich?
1. Die Story
Als Fan von Tierfilmen und -büchern hat mich die Idee natürlich fasziniert. Seit "Watership Down" und "Wind in the Willows" finde ich solche sogar oft besser als die ganzen anderen Romane mit Menschen, denn wie könnte man eine Parabel für Menschen jedes Alters schöner verpacken als in Tierform? Zumal die Autorin in den Büchern einige interessante Aspekte über Eulen anführt, die ich bis dato noch gar nicht kannte. Gut, das wird im Film außen vor gelassen, denn sonst wäre er zu lang geworden und manche Erwachsene hätten da wahrscheinlich auch nicht durchgeblickt, aber Schwamm drüber.
Die Story erinnert grob an "Herr der Ringe", obwohl es natürlich sehr weit her gegriffen ist. Es tauchen äußerst liebevoll gestaltete Charaktere auf, wie z.B. der "Anführer" Soren, der an das Gute und seine Träume glaubt, der singfreudige Morgengrau, der sich tapfer jeder Gefahr in den Weg stellt, um seine Freunde zu beschützen; und dann natürlich die "Bösen", nämlich Sorens Bruder Kludd, der nach Anerkennung sucht und schließlich in die Fänge der Reinsten gerät, usw.
Viele, die schlechte Kritiken über derartige Filme schreiben, erinnern mich stark an eine gute Freundin von mir. Die sucht nämlich nach Filmen, die so offensichtlich wie eine Kopfnuss sind und nicht nach tiefgründigeren und interpretationsbedürftigen Inhalten. Aber bloß weil man sich nicht die Mühe gibt, einen Film (oder ein Buch) zu verstehen oder sich generell darauf einzulassen, heißt es nicht, dass er gleich blöd oder hirnrissig ist. Damit will ich nur sagen, dass man an diese Story nicht mit der falschen Grundeinstellung herangehen und denken soll, dass es irgendein Kinderfilm XY wie Lauras Stern oder so ist. So manch einer könnte ja auch behaupten, dass Watership Down nur so ein Buch mit blöden Hasen ist, aber dann hake ich nach: Wieso ist es dann ein absoluter weltberühmter Klassiker?
Ich möchte damit nicht behaupten, dass dieser Film die Parabel schlechthin darstellt, aber zumindest steckt viel mehr dahinter als man auf der ersten Blick denkt.
2. Die Umsetzung
Für mich steht ganz klar fest: Vorher unbedingt die Bücher lesen! Die sind in mancher Hinsicht zwar nicht so der Burner, aber wenigstens wird einem dann die Story etwas näher gebracht. Erst war ich etwas schockiert, denn die Bücher waren recht brutal und ich dachte mir nur so im Stillen: Na hoffentlich haben sie es nicht gar so blutig gemacht! Aber das wäre bei FSK 6 ja eh nicht gegangen.
Tatsächlich finde ich die Filmstory etwas logischer, aber (für alle, die die Bücher noch lesen wollen: ACHTUNG SPOILER!) meiner Meinung nach hätten die Eltern der Eulenkinder schon sterben müssen. Nicht etwa weil ich sadistische Gedanken hätte, sondern weil es der Geschichte ähnlich wie im Buch noch etwas mehr Melancholie und Logik verliehen hätte. Z.B.: Wie zum Teufel sind Sorens Eltern in den Baum gelangt? Was ist mit Gylfies, Diggers und Morgengraus Eltern los? Warum interessieren sich diese für ihre Eltern nicht? Das war für mich einer der gravierendsten logischen Fehler, den man in zehn Minuten sicher noch hätte ausbügeln können.
Von der technische Umsetzung her habe ich überhaupt nichts zu bemängeln. Der 3D-Effekt war phänomenal und für mich einer der Gründe, warum ich mir doch einen 3D-Fernseher zulegen werde. Bei manchen Szenen hatte man das Gefühl, dass man mitfliegt ;)
Besonders die Slow-Motion-Szenen waren ein echtes Schmankerl für mich. Viele behaupten, dass diese zu lang gewesen wären, aber den Leuten kann ich echt nur den Vogel zeigen. In welchen Filmen nimmt man sich heutzutage noch die Freiheit, ausgiebig Slow-Motion zu verwenden? Mir fallen keine derartigen Filme ein, denn das einzige was die Leute sehen wollen ist knallende atemlose Action, bei der man nicht mehr weiß wo vorne und hinten ist. Nehmt euch Zeit und bestaunt einfach diese atemberaubende Animationstechnik, die alles in den Schatten stellt.
Als Animationsfilm braucht sich die Legende der Wächter nämlich überhaupt nicht zu verstecken. Ich habe selten so etwas Faszinierendes und zugleich Realistisches gesehen. Jede Eule sieht komplett individuell aus und man kann sogar die Mimik perfekt erkennen als wären es Menschen. Da kann ich echt nur Hut ab sagen; da soll erstmal jemand an diese Liebe fürs Detail rankommen.
3. Der Soundtrack
... ist einfach nur spitze. Äußert episch; geht ins Ohr und bleibt auch lange da drin. Was ich ja absolut herzzerreißend fand war der Titelsong "To The Sky" von Owl City, der auch schon während des Films teilweise gespielt wurde. Jedes Mal wenn ich diesen tollen Song höre, muss ich immer an die schönen Szenen denken und habe gleich nochmals Lust, in den Film zu gehen!
Die Musikuntermalung ist für mich eigentlich gar nicht zu toppen. (Mal abgesehen vom Assassin's Creed II Soundtrack, aber das ist ein Videospiel und die meisten, die das lesen werden's nicht kennen)
Abschließend lässt sich sagen, dass "Die Legende der Wächter" eine absolut reife und sehenswerte Leistung von Zack Snyder ist. Lässt man sich auf den Film ein und übersieht so manchen kleinen Logikfehler, erlebt man eine ganz neue (und meiner Meinung nach auch extrem unbewanderte) Welt von epischen Fantasy- und Animationsfilmen.