Verglichen mit dem ersten Teil der Legende um Elminster hat "Die Elfenstadt" eine richtig durchgehende Story.
Ich komme allerdings zu dem Ergebnis, dass mir Ed Greenwoods Stil nicht so liegt. Ich suche immer noch nach einer Figur in seinen Büchern, die mir Symphatie, Interesse oder Mitgefühl abnötigt. Auch wenn diesmal nicht alle Figuren flach und unrealistisch waren, kann man sich doch kaum in eine hineinversetzen.
Was die Beschreibung der Elfenstadt Kormanthor betrifft, war ich ehrlich gesagt entsetzt. Wenn die Zustände dort tatsächlich eine typische Elfenstadt wiederspiegeln, werde ich meine Meinung über die sanften Fey-Elfen stark revidieren müssen. Ich fühlte mich ein bischen an Menzoberanzzan erinnert. Obwohl ich zugeben muss, dass die meisten Bücher ohne einen ordentlichen Bösewicht Gefahr liefen langweilig zu werden, halte ich es für etwas übertrieben, wenn man beginnen muss, nach Fey-Elfen mit etwas Anstand suchen zu müssen. Ein einzelner, intriegenspinnender Finsterling, der dafür mit etwas mehr Intelligenz und dem ein oder anderen nachvollziehbaren Motiv ausgestattet wäre, mit dem er Mord, Hochverrat und ähnliches vor sich selbst rechtfertigen kann, hätte wesentlich mehr gebracht.
Auch fragt man sich vergeblich nach der Gesetzesstruktur von Kormanthor. Selbst die Drow können nicht alles tun, was ihnen in den Sinn kommt, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, wenn sie erwischt werden und ihre Göttin dürfen sie auch nicht verärgern.
Dass die edlen Elfen von Kormanthor sich aber vor irgendwelchen Gesetzeshütern oder göttlichem Zorn fürchten müssen, wenn sie ihre Dienerschaft misshandeln oder töten, einen Rivalen zu ermorden versuchen, einen anderen Elfen magisch zu beherrschen versuchen, oder die abartigsten Zauber zu ersinnen, ist mir bisher noch nicht aufgefalllen.
Eine der Nebenhandlungen gipfelt in dem Umstand, dass eine hohe Elfenlady ihren Lord Gemahl davon abhalten kann, sie auszupeitschen, weil sie vor seinen Augen eine Flasche Alkohol geleert hat. Der Umstand, dass dieser Elfenlord nicht zu den Schurken, sondern zu den angenehmeren Elfen gehört, ist bezeichnend.
Dem König zumindest scheint klar zu sein, dass etwas in seinem Reich im Argen liegt. Doch seine Lösung "Laden wir doch Menschen, Zwerge und Halblinge ein mit uns zusammenzuleben" verdient eine gewisse Skepsis. Wen wundert es, dass dieser Vorschlag sein dekadentes Volk zu einer Vielzahl an Attentaten verleitet?