Das hat es meines Wissens noch nicht gegeben: Dass ein Autor es unternimmt, die Zukunft unseres galaktischen Systems bis in das schier Unendliche aus der Perspektive eines lebenden Menschen zu beschreiben. Dieser Mensch, der Held der Leere", hat im Zuge eines Krebsfor-schungsprojekts zu unserer Zeit Unsterblichkeit erlangt und führt fortan über Tausende von Trillionen Jahren hinweg ein Tagebuch, das eines Abends in unserer Gegenwart auf unerklär-liche Weise auf dem PC des Autors erscheint. Wie das überhaupt sein kann, wird erst gegen Ende des Buches plausibel und hat mit dem Cauchy-Horizont in einem Schwarzen Loch, einer Singularität und einem Wurmloch zu tun.
Was an diesem Buch besticht, das ist vor allem die Kühnheit dieses gedanklichen Projekts, das nicht nur die Besiedelung des Mars und die spätere Entdeckung menschlicher Intelligenz im Universum umfasst, sondern auch das Ende der Menschheit und den Untergang unseres Sonnensystems - das alles erlebt von unserem Unsterblichen und niedergeschrieben im nüch-ternen Stil eines Tagebuchs (In weiter Ferne sah ich eine Nova. Das muss unsere Sonne ge-wesen sein. Vor fast 2 Mrd. Jahren".) Blühender Unsinn? Keineswegs, denn nie reißen die
Fäden zu den heutigen Erkenntnissen und Hypothesen der Wissenschaft ganz ab, sondern werden in gezügelter Fantasie weitergesponnen. Dabei entfaltet sich eine erstaunliche Breite des gedanklichen Spektrums: von den einzelnen Sparten der Naturwissenschaften über Litera-tur, Musik und Philosophie bis hin zur Frage nach der Existenz Gottes. So unprätentiös der Text des Buches ist, so ist er doch auf weite Strecken anspruchsvoll. Man kommt nicht umhin, von Zeit zu Zeit die Suchmaschine anzuwerfen, um Begriffe zu klären, die der Autor als bekannt voraussetzt.
Ein aufregendes Buch, das aus dem Rahmen fällt. Fünf Sterne!