Am Anfang steht das beliebte Volksmärchen-Motiv von der bösen Stiefmutter, die das arme unschuldige Waisenkind, für das sie verantwortlich ist, aus dem Haus jagt. In diesem Fall nicht in den dunklen Wald, sondern in ein Kloster, wo es zwar nicht von wilden Tieren, sondern von fiesen Mitschwestern bedroht wird. Wie gut, dass der Prinz schon vor den Toren steht.
Dass Benedicta zusammen mit ihrer Freundin, dem Küchenmädchen Agnes, fliehen kann, erzählt schon der Klappentext. Gemeinsam trotzden die beiden Gefahren und meistern Abenteuer: Ein Problem taucht auf, es folgen lange Diskussionen und Dialoge, dann wird der Gegner einsichtig oder ein Zufall springt zur Hilfe oder ein männlicher Retter bietet sich an. Das Problem ist weg. Dieses Thema und das Vorgehen der Autorin damit wiederholt sich ein paar dutzend Mal in jeweils unterschiedlicher Länge, angefangen vom Passieren des Stadttores über den Einzug in die Bäckerei bis zu diversen Intrigen.
Auch Schicksalsschläge werden schnell bewältigt: Tränen, bittere Selbstvorwürfe, gelegentlich eine Ohnmacht, dann ist man drüber weg.
Die Szenerie zeichnet das für dieses Genre übliche bunte Stadtbild, das Treiben auf den Märkten, die kleinen Häuschen und die herrschaftlichen Häuser, die Zünfte mit ihren strengen Regeln, Handwerker und Händler, Gefängniswärter und Büttel.
Alle Personen sind entweder gut oder schlecht, einige machen eine für den Leser nicht nachvollziehbare Kehrtwendung von böse zu gut. Keine Entwicklung dagegen macht die Protagonistin Benedicta. Ihr sprunghaftes Wesen und ihr bisweilen dämliches Verhalten ziehen sich von der ersten bis zur letzten Zeile.
Ein Roman, der sich nicht nur durch die -in-Endung im Titel in die Reihe gleichartiger History-Märchen einfügt. Schnell und mühelos gelesen werde ich ihn vermutlich ebenso schnell und mühelos vergessen.