Kerstin, fast 40, hat ihr Leben unter Kontrolle. Sie kümmert sich intensiv um Haus und Garten, fühlt sich verantwortlich für die Tiere und Menschen in ihrer Umgebung. Alles hat seine Ordnung, aber ohne sie würde nichts funktionieren. So führt sie ein normales, ausgeglichenes, zufriedenes Leben.
Eine plötzliche Häufung von kleinen und größeren Ereignissen bringt alle Grundpfeiler, auf die ihr Leben aufgebaut ist, gehörig ins Wanken. Als das Fass buchstäblich überläuft, reagiert sie ziemlich untypisch, merkt, dass sie ausgenutzt wird, überlässt alles und alle sich selbst und "flieht" nach Kanada.
Dort findet sie durch Begegnungen, Unterhaltungen und Nachdenken wieder zu sich selbst, das heißt, eher zu einem neuen Selbst. Sie beginnt, ihr Leben neu zu ordnen und wirklich in die Hand zu nehmen. Der Schluss ist offen, aber sehr optimistisch.
Während die typischen Seifert-Zutaten vorhanden sind - interessanter Aufhänger, eine sich entwickelnde Hauptfigur, Nebenfiguren mit ausgeprägter eigener Lebensphilosophie, eine Hand voll Lebensweisheiten, humorvoll-trockener Stil mit witzigen Ideen - haben mich diesmal zwei wesentliche Punkte nicht überzeugt:
Weder ist bei mir richtig angekommen, dass Kerstin ein Mensch mit übertriebenem Bedürfnis nach Kontrolle und Ordnung ist, noch kann ich nachvollziehen, dass sie sich nach der Zeit in Kanada so schnell und nachhaltig ändern soll. Das mag aber auf andere Leser anders wirken.
Ich hatte die Autorin eigentlich auf meine Autobuy-Liste gesetzt, bin aber nun doch froh, dass ich gewartet und es in der Bibliothek gefunden habe (natürlich hat es geholfen, dass es keine Taschenbuchausgabe gibt ;-) ).
Trotzdem: Ich werde Dagmar Seifert weiter lesen und bin sehr neugierig auf ihr nächstes Buch.