Ulm 1349: das Ulmer Münster soll gebaut werden, vordergründig, um Gott ein Denkmal zu setzen, in Wirklichkeit aber eher, weil der Klerus seine Macht demonstrieren will und die zu dieser Zeit immer mächtiger werdenden Zünfte ihre Pfründe sichern und ihre Einnahmen mehren wollen. Der habgierige, brutale Glockengießermeister Conrad nutzt den geplanten Bau des Münsters dazu, sein ganz eigenes Süppchen zu kochen, dabei schreckt er auch nicht vor Intrige und Mord zurück, um sich selbst zu bereichern und Macht im Rat der Stadt zu erlangen. Seine Tochter Anabel wird dabei zum Spielball ihres Vaters und muss dem so lüsternen wie bestechlichen Abt des hiesigen Klosters zu Willen sein, obwohl sie sich in den Lehrling ihres Vaters verliebt hat ...
Soweit die Ausgangslage dieses höchst spannenden und sehr gut recherchierten Mittelalterromans. Der Autorin gelingt es mühelos, den Leser sofort in die Zeit zu versetzen, man kann den Abfall auf den Straßen förmlich riechen, leidet mit den Kranken unter den unerträglichen Bedingungen im Hospital und erfährt auch sonst so einiges über die Lebensumstände des Spätmittelalters, das alles andere als romantisch oder angenehm war. Das liest sich sehr lebendig, das Buch bleibt bis zur letzten Seite spannend und man hätte gerne weitergelesen, was das Schicksal noch mit den Hauptprotagonisten vorhat - aber da ist das Buch dann nach knapp 470 Seiten leider schon zu Ende.
Fazit: ein sehr spannendes, berührendes Buch, das sich in einem Rutsch wegliest. Einzig der Münsterbau kommt ein wenig zu kurz, im ersten Band ist es leider nur Statist, was der Story als solches aber keinen Abbruch tut. Wer also ein süffiges, spannendes Mittelalterspektakel mit allen wichtigen Zutaten wie Pest, Liebe, Mord, Dramatik und einem Schuss Erotik sucht, ist hier genau richtig!