Ich lese gerne Bücher über ausländische Eindrücke über Deutschland. Denn wenn man den Blick von außen besser kennt, weiß man, wie wir Deutsche eigentlich sind und auch wahrgenommen werden.
Anfangs gefiel mir deshalb dieses Buch auch sehr gut. Es wurden die historischen Zusammentreffen von Chinesen und Deutschen erzählt und die Eindrücke, die Chinesen in den letzten 200 Jahren über Deutschland sammelten aufgezählt. Doch dann ging das Buch über in "Was denken Deutsche über Chinesen und warum liegen sie dabei zu 100% falsch". Und das hat mich mit der Zeit genervt.
Zwei Beispiele:
1. werden mehrfach chinesisch stämmige Deutsche erwähnt, die China gegenüber Deutschen verteidigen, da ja nicht alles schlecht ist, was da im Reich der Mitte läuft, und die dann von Deutschen deshalb ausgegrenzt und beschimpft werden. Auf den Gedanken, dass wir nicht die Chinesen sondern ihre Regierung unsymphathisch finden, kommt das Autorenteam anscheinend nicht. Trotz der großartigen Leistungen, die die Chinesen in den letzten Jahrzehnten vollbracht haben, gibt es halt immer noch gegenüber Minderheiten massive Ungerechtigkeiten. Das wird man doch als Deutscher ansprechen dürfen, ohne das ein Chinese gleich beleidigt ist.
2. versucht das Autorenteam wie anscheinend viele Chinesen die Zugehörigkeit von Tibet zu China zu verteidigen. Natürlich werden wir durch die Presse nur sehr einseitig über die Hintergründe unterrichtet, aber nur, weil China mal das eine oder andere Jahrhundert über Tibet geherrscht hat, begründet das keine Zugehörigkeit zu China. Dann werden vom Autorenteam Südtirol oder Nordirland als Beispiele genannt - wo sie vollkommen recht haben! Aber nur weil es in Europa Ungerechtigkeiten gab und gibt, muss es sie doch nicht in viel höheren Maße in China geben... Deutschland erhebt ja auch keine Ansprüche auf den Elsaß oder Lothringen, auf Böhmen oder Mähren. Portugal gehört auch nicht mehr zu Spanien und Ungarn nicht zu Österreich, bloß weil man mal eine gemeinsame Vergangenheit hatte.
Doch nun zurück zum Buch: Es werden viele Chinesen zitiert, die eine sehr unterschiedliche Meinung von Deutschland haben. Das geht von solchen, die nicht verstehen, warum in Deutschland am Sonntag die Geschäfte zu haben und erst mal Geld verdienen wollen und ein eigenes Haus haben wollen, und sich erst dann um die Ungerechtigkeit in China kümmern wollen - bis zu solchen, die sich über den geringen Familiensinn in Deutschland beschweren und überhaupt sagen ja alle, dass wir in Deutschland viel zu viel politisieren (mMn viel zu wenig...) und in China es jeden egal ist, wer oben regiert, Hauptsache selber geht es einem einigermaßen gut.
Schlussendlich kann man diese beiden Länder nicht vergleichen, und dies wird in dem Buch des öfteren versucht. Ich hab ein Buch erwartet, wo ich Deutschland von außen betrachtet kennen lerne, doch dem war ab sagen wir der Hälfte des Buches nicht so!