Die Landkarte der Zeit ist der schlechteste Roman, den ich seit geraumer Zeit gelesen habe. Sowohl inhaltlich als auch stilistisch. Aus Prinzip - um mir eine angemessene Einschätzung erlauben zu können - habe ich ihn dennoch durchgelesen.
Die Geschichte ist von Beginn an vorhersehbar, langweilig und belanglos. Allenfalls auf den ersten 80 der letzten 100 Seiten gibt es kleine Lichtblicke. Überraschungen oder Spannung sucht man insgesamt vergebens. Das Buch ist also nichts für Freunde spannender Unterhaltung. Leser, die komplexe Fragestellungen, intellektuelle Herausforderung oder große Romantik suchen, sind ebenfalls fehl am Platz. Und auch der Aspekt der Zeitreise ist mehr als enttäuschend. Obwohl Zeitreisen auf den ersten Blick ein zentrales Thema des Romans sind, finden darin lediglich oberflächliche Gedankenspiele statt, die weder neu noch konsequent durchdacht oder logisch schlüssig sind. All dies haben zahllose andere Romane und Filme schon wesentlich besser behandelt. Das Thema Zeitreise dient einzig und allein dem Zweck, der schwachen Handlung einen Rahmen zu bieten. Der Autor möchte uns eine packende Abenteuergeschichte, eine mitreißende Liebesgeschichte und eine komplexe Zeitreisegeschichte liefern - und scheitert grandios an allen Fronten.
Das Schlimmste an diesem Buch ist allerdings seine Gestaltung. Während der Inhalt schlicht langweilig und belanglos ist, ist der Stil grauenhaft. Neben der aufgebauschten Sprache mit einer endlosen Zahl überladener, klischeebesetzter Adjektive, die dem Leser jede protagonistische Emotion plump ins Gesicht pressen, liegt dies vor allem an der peinlichen Art und Weise, wie Palma hier einen seiner Selbst bewussten Roman schaffen möchte. Immer wieder spricht er den Leser direkt an und betont seine Rolle als allwissender Erzähler, mit dessen großartigem Werk wir uns in diesem Moment auseinandersetzen. Textabschnitte wie "Du hast allein durch die Kraft deiner Phantasie das Leben eines Mannes gerettet. Ein Satz, der ihn vor Jane in neuem Glanz erstrahlen ließ und den Sie, wie ich hoffe, auch nicht vergessen haben werden, dient er doch als Brücke zwischen dieser Szene und Wells' erstem Auftritt in unserer Geschichte, der auch nicht der letzte sein soll." sorgten bei mir regelmäßig für starke Gefühle des Fremdschämens. Überdies veranschaulicht dieses Beispiel einen weiteren Schwachpunkt: Denn obwohl sich die Handlung nicht durch Komplexizität und Anspruch auszeichnet, ist die Erzählweise absolut idiotensicher. Laufend werden Erklärungen der simpelsten Zusammenhänge und Erinnerungen an zurückliegende Geschehnisse untergebracht. Und als wäre dies nicht genug, erhalten wir am Ende auch noch einen Bonus: Der Autor traut seinen Lesern scheinbar keinerlei geistige Fähigkeiten zu und ist gleichzeitig so darauf bedacht, uns die Genialität seines Werkes zu vermitteln, dass er abschließend eine komplette Zusammenfassung, Erklärung und Einordnung des Buches mitliefert.
Insgesamt habe ich mich also gelangweilt, war peinlich berührt, kam mir intellektuell regelrecht beleidigt vor und fühlte mich betrogen - um das angekündigte Lesevergnügen und um meine Zeit. Von der Lektüre dieses Romans muss ich daher dringend abraten.