Mit diesem 3.Band hat Richard Ford seine Frank-Bascombe-Trilogie abgeschlossen. Wieder dreht sich alles, wie in den beiden Vorgängern, um einen Feiertag, hier also "Thanksgiving". In Band 1 war es noch Ostern, das Fest der Wandlung und Auferstehung, die dann allerdings für Frank ausblieb, er spielte nur mit der Möglichkeit, nach dem Tod seines Sohnes Ralph und der Scheidung von seiner Frau ein neues Leben zu beginnen und sich zu ändern, ließ sich aber dann so dahintreiben.
In diesem Buch ist Frank Bascombe nach wie vor der sympathische, empathische, freundliche Durchschnittsmensch, der sein Schäfchen ins Trockene bringt und im Übrigen die Dinge nimmt, wie sie kommen. Aber jetzt, 15 Jahre später, fühlt er sich mit 55 Jahren schon alt. Kein Wunder, denn er hat Prostatakrebs, und dieser persönlichen Situation entsprechend ist das ganze Buch geprägt von einer Auseinandersetzung mit dem Sterben und dem Tod, was sich in der "Lage des Landes" widerspiegelt, indem sich hier das meiste zum Trostlosen und Beängstigenden hin geändert hat: der Immobilienmarkt boomt, Frank verkauft Häuser mit verrotteten Stahlträgern und verfaultem Interieur (aus dem bei der Besichtigung symbolisch und schockhaft ein stinkender Fuchs springt). Haddam in New Jersey ist kein Ort mehr, in dem Frank sich wohlfühlen könnte, deswegen ist er ans Meer gezogen, aber auch da entgeht er der Realität nicht, das moderne Dasein erscheint ihm wie ein reißender Fluss, "über dessen seifigem, braunen, von Baumstämmen zugemüllten Wasser die meisten von uns mit Müh und Not den Kopf behalten können, um unsere Pflichten zu erkennen und zu tun." (318). Mit dieser Haltung zeigt er sich als Mensch unter Menschen, der Leser kann sich leicht in Frank Bascombe wiedererkennen, indem er ihn 2 Tage vor Thanksgiving und an diesem Feiertag selbst auf einer Tour durch das Amerika Bushs im Jahr 2000 begleitet. Am Schluss gerät Frank in eine Schießerei und erhält zwei Kugeln in die Brust, wobei er nur knapp mit dem Leben davonkommt. Der Leser findet viel Interessantes und Lebenskluges, es schreibt jemand, der die Höhen und Tiefen des Lebens kennen gelernt hat, der sich immer noch mit seiner ersten Frau (Ann) trifft, während ihm die zweite (Sally) schon wieder weggelaufen ist, der allerhand Desillusionierendes (aber auch Schönes) mit seinen inzwischen erwachsenen Kindern erlebt und bei der Reihe von deprimierenden Erfahrungen den kaltschnäuzigen Humor nicht verliert. Das Buch ist trotz der teilweise düsteren Themen immer witzig, manchmal geraten die Schilderungen der Verhältnisse allerdings zu weitschweifig und drohen zum Selbstzweck zu werden.
Stärker noch als in Band 1 versucht Bascombe hier unablässig , sein Leben psychologisch zu analysieren. Da ist viel die Rede von der "Permanenzphase", in der er sich befinde. Seine Ausführungen darüber sind wortreich, aber nicht immer deutlich, kurz gesagt: Er will aufhören, immer neue Varianten seines Lebens durchzuspielen, er spricht von "Selbstauslöschung, zum Instrument werden" (565), aber gleichzeitig möchte er ein "Charakter" werden (wie sein alter Kumpel Ernie, an dessen Beerdigung er nostalgisch teilnimmt), sein Ich "annehmen". Am Schluss, als er mit anderen Rekonvaleszenten im Flugzeug sitzt, wieder genesen und wieder mit Sally vereinigt , überwiegen - passend zu "Thanksgiving" - die Gefühle der Dankbarkeit und der Demut: "Geht es nicht vielmehr darum, sich bereit zu machen? Um das Leben als Vorspiel?" (669).
Die ständige psychologische Selbstanalyse des Ich-Erzählers will mir etwas aufgesetzt erscheinen, fast so, als wolle der Autor dem Leben seines Helden am Schluss auf jeden Fall noch einen richtigen Sinn verpassen. Das mag etwas sehr Amerikanisches sein, ist auch immer bedenkenswert, aber dennoch halte ich mich lieber an das realitätsgesättigte, zwar reichlich trübe, aber liebevoll und komisch präsentierte Panorama des modernen Amerika.