"Die Lüge" war das erste Buch, das ich von Petra Hammesfahr gelesen habe - und wohl auch das letzte.
Die Story an sich birgt ein enormes Potential für einen wirklich guten Thriller, aber leider schafft es die Autorin nicht, dieses Potential auszuschöpfen.
Der ohnehin nicht gerade gut aufgebaute Spannungsbogen bricht immer wieder ein und ich habe mich mehrfach dabei ertappt, wie ich gedacht habe "oh Mann, immer noch so viele Seiten bis zum Ende".
Auch birgt der Text einige Unsauberkeiten und logische Schwächen. Angefangen von der "mit jungen Bäumen bestandenen Straße" - gemeint ist wohl eher die von jungen Bäumen gesäumte Straße - bis hin zu Käfern, die im Dezember über den Waldboden krabbeln oder der unheimlich langen halben Stunde, in der die Protagonistin es fertig bringt, gegen 6 Uhr aufzustehen, ihrem "Ehemann" bei der Morgentoilette zuzusehen, sich zu übergeben, danach - immer noch im Bad - ein Streitgespräch mit ihm zu führen, im Anschluss selbst zu duschen, Kaffee zu kochen, die Post durchzusehen und zu frühstücken, noch einige Dinge im Haus zu erledigen - und um halb sieben mit dem Auto auf dem Weg in die Stadt zu sein...
Auch die Beschreibung der Vorgehensweise der Polizei geht komplett an der Realität vorbei und hat mich ab und an richtig verärgert, z.B. wenn davon die Rede ist, dass Ermittler eine Leiche "in die Botanik verfrachten"... Es macht den Anschein, als hätte die Autorin sich mit Polizeiarbeit überhaupt nicht befasst sondern einfach auf Pseudowissen aus Vorabendkrimiserien zurückgegriffen (dass von Polizeiarbeit realistisch und doch lesenswert erzählt werden kann, beweisen z.B. Henning Mankell und Ian Rankin).
Die Personen erfahren im Lauf der Geschichte keine Entwicklung und ihre Handlungsweisen sind entweder vorhersehbar oder unglaubwürdig.
Auch sprachlich hat mich das Buch nicht überzeugt, es klingt flach und stellenweise holprig.
Als ich dann beim unglaubwürdigen Ende angelangt war, habe ich mich wirklich geärgert, dass ich so lange durchgehalten habe, denn es hat sich meiner Meinung nach nicht gelohnt.