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Seit Oktober 2007 ist es ruhig geworden um den Künstler D-Bo. Wie kein zweiter deutscher Rapper steht der Berliner für tiefsinnige Texte gepaart mit einer gefühlsbetonten musikalischen Untermalung. Doch damit ist es nun vorbei. D-Bo ist tot! Es lebe D-Bo! Sein neues Werk sprüht nur so vor Energie, ohne an Tiefgang zu verlieren, es lebt und verbreitet Freude, ohne auch nur eine Sekunde die typische Ernsthaftigkeit in D-Bos Musik vermissen zu lassen. 18 Monate konnte der kreative MC tief durchatmen, sich aus seinem ihn einengenden Umfeld lösen und sich nun innovativ neu ausleben. Sein neustes Werk wird nicht wie gewohnt über Bushidos Label ersguterjunge erscheinen, sondern vom Künstler alleine veröffentlicht, was geschäftlich sicher ein mutiger Schritt, künstlerisch aber die notwendige Konsequenz ist, wenn D-Bo weiter Richtung Pop-Himmel streben möchte.
‚Die Lüge der Freiheit’ heißt das inzwischen fünfte Solo-Album von Danny Bokelmann, aka D-Bo, und bereitet dem Musikliebhaber einen ganz speziellen Hörgenuss. Man erlebt einen Tag im Leben des Künstlers mit, erkennt seine Sorgen, seine Ängste, seine Wut und seine Hoffnung. D-Bo bricht, wie auch auf dem Cover visuell umgesetzt, aus seiner grauen, kalten Welt aus und versprüht Leben und Hoffnung durch seine Präsenz.
Aufgebaut wie ein Hörbuch finden sich zwischen jedem einzelnen Songs Skits, die einen unmittelbaren Zusammenhang der vertonten Geschichte herstellen und den roten Faden vom Intro bis zum Outro bilden. Spannung baut sich auf und am dramatischen Höhepunkt des Albums gibt es auch das unerwartete und tragisch-dramatische Ende der Geschichte in bester Hollywood-Manier. Die geniale Umsetzung verhindert aber nicht, dass man die Songs auch einzeln mit identischem Vergnügen anhören kann.
Ohne Zweifel beherbergt ‚Die Lüge der Freiheit’ gleich eine Vielzahl von potentiellen Singlesongs und ist nicht nur musikalisch eine absolute Weiterentwicklung des Künstler, sondern auch textlich und Rap-technisch ein qualitativer Quantensprung und bietet somit Hip-Hop Unterhaltung und Hörgenuss pur, gepaart mit einer großen Portion Elektro und einem Schuss Reggae.
Obwohl die Liste der Produzenten und Gastrapper zunächst keine großen Überraschungen birgt, so spricht das Ergebnis für sich. Alle Beteiligten liefern bei diesem Release höchste Qualität, seien es musikalisch Bushidos Hit-Single-Produzententeam Beatlefield, der sagenhaft talentierte Raf Camora, das mit Lob überhäufte neue Produzenten-Trio 83 Sound oder auch D-Bo selbst, als auch textlich die Gastrapper wie der Top-Ten Rapper und EMA-nominierte Chakuza, die bekannten MCs Nyze, Sonnik Boom, Bizzy Montana und Summer Cem, die talentierte Aida, das Multitalent Raf Camora, der Wiener Star-Sänger Pireli oder Emine Bahar mit ihrer unvergleichlichen Stimme.
‚Die Lüge der Freiheit’ ist mit Sicherheit D-Bos positivstes Album und dürfte im Sommer 2009 den Weg in etliche Musikanlagen des Landes finden. Ein ganz neuer D-Bo, der nichts von seiner Wirkung und seinem Charisma verliert. Kaufen, aufdrehen und genießen!
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rap.de: Dein Album hat ja einen sehr ungewöhnlichen Aufbau. Du hast quasi immer einen Track und dann wieder einen Skit. Wolltest du für dein fünftes Album von Anfang an etwas komplett Anderes machen?
D-Bo: Ja, auf jeden Fall. Ich habe schon vier Alben nach dem normalen Hip Hop Prinzip gemacht – ins Studio gehen, aufnehmen, irgendwann genug Songs haben und dann die CD raus bringen. Vielleicht ordnet man die Songs dann noch so ein bisschen thematisch an, damit nicht ständig ein Partysong und dann wieder was Tiefgründigeres kommt, aber das war mir dieses Mal einfach zu blöd. Ich wollte einen roten Faden haben und irgendwie hat sich das dann nach und nach entwickelt. Raf und ich haben das alles zusammen gemacht und sind auf die Idee gekommen, das Ganze wie ein Hörbuch aufzubauen. Wir haben zusammen, damals noch bei ihm zuhause, einen Skit produziert und geguckt, ob das reinpassen würde. Das Gesamtkonzept fanden wir dann ganz cool und deshalb haben wir das ganze Album so aufgebaut. Die Texte hatte ich schon vorher geschrieben, dass ich eine durchgehende Story haben wollte war auch schon klar, nur wie ich das im Endeffekt umsetzen würde eben noch nicht. Jetzt haben wir das mit Skits und musikalischer Untermalung gemacht.
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rap.de: Nun gut, zurück zu deinem Album. Hinter den Tracks stehen Fragezeichen, hinter den Skits Ausrufezeichen. Steckt da irgendein tieferer Sinn dahinter?
D-Bo: Ja sicher, sonst würde ich es ja nicht machen. Ich bin ja grundsätzlich nicht so ein Fan davon, solche Sachen zu verraten. Ein Album kann für jeden ja immer etwas Anderes aussagen und wenn ich das jetzt fest vorgebe, fühlt sich der ein oder andere vielleicht nicht mehr so in das Album rein, wie er es eigentlich könnte. Aber das mit den Fragezeichen soll bedeuten, dass ich quasi meine Gedanken wiedergebe, meine Emotionen und meine Gefühle. Und da steht es natürlich in Frage, ob du das genau so siehst. Die Skits sind das wahre Leben, der Tagesablauf. Wenn ich irgendwo langgehe, dann wirst du sagen "Der ist da lang gelaufen“ und ich werde dasselbe sagen, weil es einfach so passiert ist, egal aus welcher Perspektive. Was ich dabei denke und fühle ist aber unterschiedlich und deshalb haben die Skits ein Ausrufezeichen und die Songs ein Fragezeichen. Die Erkenntnis am Ende des Albums ist aber allgemeingültig: Die Lüge der Freiheit. Und deshalb hat das drei Ausrufezeichen.
rap.de: "Die Lüge der Freiheit“ ist ja auch der Titel des Albums. Ist das denn so? Ist Freiheit eine Illusion und wir sind alle fremd gelenkt?
D-Bo: Ja, sicher. Frei sein geht gar nicht, du hast ja immer irgendwelche Gesetze, Regeln, Werte und Normen, an die du dich halten musst. Deiner Familie bist du zum Beispiel verpflichtet und frei im eigentlichen Sinne ist niemand. Du bist gezwungen, bestimmte Sachen zu tun, ob dir das jetzt Spaß macht oder nicht, um dein ganz normales Leben weiterführen zu können. Du bist auch Sklave deiner Gefühlswelt und deiner Erfahrungen, die du früher gemacht hast. Wenn dein Vater dich bis zu deinem sechsten Lebensjahr jeden Tag fünfmal geschlagen hat, dann wirst du diese Erfahrung nie wieder los. Du kannst deine Gefühle nicht frei ausleben, wenn da Dinge im Kindesalter kaputt gemacht wurden. Es gibt ja eine Million Beispiele, die man jetzt nennen kann. Freiheit ist auf jeden Fall eine ganz krasse Illusion. Beim Album selber gibt es ganz viele Punkte, die jeder für sich selbst nachempfinden und auf sein eigenes Leben beziehen kann.
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rap.de: Du sprichst auf deinem Album sehr viel von Therapie und Dingen, die dich fertig machen. Ist der Begriff "Therapie“ einfach nur ein Bild dafür, dass du mit gewissen Sachen nicht klarkommst, oder hast du wirkliche psychische Probleme?
D-Bo: Ich war eine Zeit lang depressiv, bin aber nicht in Behandlung gegangen, weil eine Freundin von mir Musiktherapeutin ist und während ihres Studiums mit so was Erfahrungen gemacht hat. Die wurde in dieser Hinsicht geschult und konnte mir da weiterhelfen. Ich hatte ganz krasse Schlafstörungen und Erstickungsängste und so was. Auch wenn das jetzt kein professioneller ärztlicher Beistand war, sehe ich das trotzdem als Therapie. Ansonsten sehe ich Musik als meine Therapie, der Begriff an sich steht dann einfach für alles, was auch während einer herkömmlichen "Therapie“ passiert. Viele haben ja gar nicht die Möglichkeit, sich selbst zu therapieren. Manche Leute leiden unter Hass und Frustration. Die betreiben dann einen Sport und wenn die sich ausgepowert haben, geht es ihnen wieder besser und sie können die Welt wieder mit anderen Augen betrachten. Das ist dieses allgemeingültige Beispiel, was auch jeder nachempfinden kann. Darüber hinaus gibt es halt Probleme, über die man reden muss, über die jeder Mensch reden müsste, um sich seiner eigenen Probleme bewusst zu werden. Das mache ich mit meinen Texten und das ist dann meine Therapie, im eigentlichen Sinne.
rap.de: Glaubst du, dass deine Musik auch Therapie für Andere sein kann?
D-Bo: Auf jeden Fall, das ist wie in so einer Gesprächsrunde, wo mehrere Leute sitzen, aber immer nur einer spricht. Man kann sich ja trotzdem in dem wieder finden, was die eine Person sagt, und so ist das auch bei dem Album. Nicht nur bei mir, sondern bei jedem Musikalbum. Da werden Erfahrungen wiedergegeben, die du vielleicht nachvollziehen kannst und dann kannst du aus den Schlüssen, die die Musiker da ziehen, auch etwas mitnehmen. Entweder du sagst "Stimmt, so hab ich das noch nie gesehen“ oder du bist eben anderer Meinung. Selbst wenn du das kritisierst, kann dir das deine Augen öffnen, weil das Thema angesprochen wurde und dich zum Nachdenken anregt – ob jetzt bewusst oder unbewusst. Man sagt immer so lapidar, dass Leute, die Bushido oder sido hören, nicht so intensiv über die Texte nachdenken, aber egal wie oberflächlich ein Thema angesprochen wird, reicht es manchmal eben doch aus, dass darüber gesprochen wurde. Für manche Leute reicht eben so ein zwei Minuten Gespräch. Da sagt der eine "Politiker sind alle scheiße!“ und der andere dann "Ja, du hast Recht. Politiker sind alle scheiße und da kann man einfach nichts machen!“ und damit ist das Problem für die erledigt und die fühlen sich schon ein bisschen besser, weil sie darüber geredet haben. Es gibt aber auch Leute, die ein bisschen intensivere Gespräche brauchen, und für die ist dann eben ein Text von mir oder einem anderen Rapper, der anspruchsvollere Texte schreibt, mehr das Mittel zum Zweck.
rap.de: Sind schon Leute zu dir gekommen und haben gesagt, dass ihnen deine Musik durch schwierige Phasen ihres Lebens geholfen hat?
D-Bo: Ja, schon sehr oft und ich habe auch mit einigen noch regelmäßig Kontakt. Da gibt es zum Beispiel so Suizidpatienten, die einfach in dieser medizinischen Welt gefangen waren und Probleme damit hatten, dass ihre Sorgen nur medizinisch gelöst wurden. Dass sie quasi wie ein Objekt behandelt wurden und diese menschliche Verständnisebene gefehlt hat. Die haben sich dann in solche Musik geflüchtet. Nicht nur speziell in meine, aber eben in Musik, die ihnen in ihrer Situation hilft und ihnen das gibt, was sie brauchen. Da haben sich schon viele bei mir für bestimmte Gedanken, für verschiedene Motivationshilfen, für Lichtblicke und alles, was man aus solchen Songs ziehen kann, bedankt.
rap.de: Macht dich das glücklich?
D-Bo: Glücklich ist das falsche Wort, aber wenn ich jetzt entscheiden müsste, ob tausend Leute mehr meine Platte kaufen oder ich zehn Leuten mehr so helfen kann, dass sie ihr Leben meistern können, dann ist mir Letzteres ehrlich gesagt lieber. Das gibt mir einfach das Gefühl, dass das, was ich mache, wichtig ist und nicht nur ein Zeitvertreib oder eine kurzweilige Befriedigung von Konsumgelüsten. Jugendliche wollen ja auch immer dazugehören und wenn drei deiner Freunde ein D-Bo Album gekauft haben, dann bist du halt einfach out, wenn du es nicht gekauft hast. Das ist gut für mich, weil ich damit Geld verdiene, aber jemandem etwas Gutes zu tun ist meiner Meinung nach viel wichtiger. Der Wert davon lässt sich auch nicht in Geld aufwiegen.
rap.de: Ist das dein Antrieb, Musik zu machen?
D-Bo: Nein, mein Antrieb ist meine eigene Therapie, die wir eben angesprochen hatten, die ich kreativ ausleben möchte. Ich würde auch weiter Musik machen und Texte schreiben, wenn ich das gar nicht mehr verkaufen würde. Es erleichtert mich, das raus zu lassen und ich bin kein Mensch, der das so einfach erzählen kann. Es gibt nur sehr wenige Menschen, denen ich das offenbaren kann, aber dann auch nicht so explizit, wie das in meinen Texten ist. Da geniere ich mich dann ein bisschen oder will auch niemandem zur Last fallen. So kotze ich das einfach in die Welt raus und wenn es jemand aufnimmt, dann ok und wenn nicht, dann verfliegt es halt im Raum.
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