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Die Löwin
 
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Die Löwin [Taschenbuch]

Iny Lorentz
2.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (66 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Brautschau in Schwaben! Herr von Rechlingen, vulgo Hartmann Trefflich, kein edel Geblüt, sondern eher ein Ritter von der fiesen Gestalt, hat einen brillianten Plan. Der listige Geldsack lockt die schöne Nachbarstochter Caterina von Eldenberg auf seine Burg. Da deren Vater Franz tief in Trefflichs Schuld steht, glaubt dieser, leichtes Spiel zu haben. Doch alles Drängen, ihr seinen bärenhaften Sohn Botho als Ehemann anzudienen, um den Adelsstand zu erlangen, stößt auf wenig Gegenliebe. Der brutale Trefflich gibt Bedenkzeit in der burgeigenen Wolfsgrube. Als die tapfere Caterina sich aus dem widerlichen Erdloch befreien und fliehen kann, schwant Trefflich Übles. Die Düpierte ist zu ihrem Vater nach Italien geflohen. Und mit Franz von Eldenberg und seiner Söldnertruppe ist nicht gut Hochzeit feiern. Ende eines trefflichen Plans!

So jauchengrubenmäßig slapstickhaft beginnt der neueste Coup von Iny Lorentz, der derzeitigen Top-Marketenderin historisch-romantischer Spitzenerzeugnisse. Dann ist der Spaß auch schon vorbei -- es geht ins nördliche Italien des 14. Jahrhunderts, ein uneinheitliches, hochkompliziertes Staatengebilde, in dem Städte, Sippen, selbst einzelne Familienzweige um Macht und Landbesitz ringen. Vorneweg die Mailänder Visconti-Sippe, die sich ganz Italien einverleiben möchte. Das kleine fiktive Herzogtum Molterossa wird von Iny Lorentz zum Mittelpunkt der Kampfhandlung erkoren. In diesen politischen Dampfdruckkessel gerät die frisch angereiste Jungfer Caterina -- und findet sich als Waise wieder!

Franz von Eldenberg, der sich als Francesco di Monte Elde einen hohen Ruf als „Condottiere“ -- Söldnerführer -- erworben hat, war kurz zuvor mit seinem Sohn Jakob einem Komplott zum Opfer gefallen. Welch unheilvolle Rolle ausgerechnet Fabrizio, der Ziehsohn des Ermordeten, bei dem Meuchelmord spielt, wird Caterina bald klar. Als der Schurke schließlich die „Eiserne Kompanie“, die treue schwäbische Söldnerschar des Vaters an Gian Galeazzo Visconti verhökern will, wird die „Löwin von Molterossa“ geboren. Kleines Herzogtum, ganz groß. Dass auch Caterina als Jeanne d’Arc der Frührenaissance eindeutig eine Nummer zu groß für ihn ist, muss selbst ein verschmähter Toscana-Irrläufer namens Botho Trefflich schmerzlich erkennen. Doch wo Iny Lorentz schreibend waltet, ist Trost nicht fern. Absolut routiniert erzählt -- absolute Hitgarantie! --Ravi Unger

Kurzbeschreibung

Italien im 14. Jahrhundert: Nachdem die Familie des jungen Edelfräuleins Caterina einer groß angelegten Intrige zum Opfer gefallen ist, muss sie sich alleine durchs Leben schlagen. Der zwielichtige Fabrizio, Stellvertreter ihres Vaters, will ihr das Söldnerheer abkaufen, das sie geerbt hat. Doch sie gibt das Heer nicht auf, sondern führt es selber in die Schlacht - sehr zum Entsetzen der Feinde des Herzogs von Molterossa, in dessen Diensten sie nun steht. Sie versuchen Caterina auf ihre Seite zu ziehen, die sich nicht nur als Kriegerin, sondern auch als Verhandlungsführerin bewähren muss. Doch unter der Rüstung der Kämpferin schlägt das Herz einer liebeshungrigen Frau, die den Werbungen des Feindes zu erliegen droht ... -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD .

Über den Autor

Iny Lorentz wurde in Köln geboren. Sie arbeitet heute als Programmiererin in einer Münchner Versicherung. Seit den frühen achtziger Jahren hat sie mehrere Kurzgeschichten veröffentlicht. "Die Kastratin", ihr erster Roman, war ein bereits großer Erfolg. Ihm folgte "Die Goldhändlerin". "Die Wanderhure" und "Die Kastellanin"und sowie "Die Tatarin" wurden Bestseller. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD .

Auszug aus Die Löwin von Iny Lorentz. Copyright © 2006. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Caterina wollte den Becher zum Mund führen, hielt aberm itten in der Bewegung inne und musterte ihren Gastgeber, als suche sie auf seinem Gesicht nach Spuren beginnenden Wahnsinns.
»Verzeiht, Rechlingen, aber das könnt Ihr doch nicht ernst gemeint haben!«
Hartmann Trefflich, der wie eine fette Kröte auf seinem Stuhl hockte, ballte die Rechte zur Faust und schlug so erregt auf die Tischplatte, dass die Messer auf den Zinntellern klirrten. »Warum sollte ich mit einer solch wichtigen Sache spaßen?«
»Ich soll Euren Sohn heiraten, Rechlingen? Bei Gott, Ihr vergesst, dass mein Ahne Leupold von Eldenberg bereits unter Kaiser Otto III. Rang und Titel trug. Ihr aber wurdet als einfacher Bürger Trefflich geboren! Und dass Ihr die Herrschaft Rechlingen käuflich erworben und ihren Namen angenommen habt, macht Euch nicht zum Edelmann. Nur Kaiser Wenzel oder einer der anderen hohen Herren des Reiches kann Euch in den Adelsstand erheben.«
Caterina hatte noch nie auf ihren Stammbaum gepocht, der mütterlicherseits noch feudaler war als der ihres Vaters, doch die unerwartete Werbung hatte sie aus der Fassung gebracht. Sie warf einen Blick auf den jungen Trefflich, der seinen Vater um mehr als Haupteslänge überragte. Botho war ein Bär von einem Mann, mit Schultern, die durch keinen normalen Türrahmen passten, einem fast kugelrunden Kopf, auf dem dünne, hellblonde Haare klebten, und einem rötlichen Gesicht. Einen Adonis konnte man ihn gewiss nicht nennen, auch wenn es weit hässlichere junge Männer gab als ihn. Hätte ihr Vater von ihr verlangt, Botho zu heiraten, wäre sie nicht gerade mit Freuden in diese Ehe gegangen, hätte ihm aber gehorcht. Von Hartmann Trefflich jedoch war es mehr als dreist, sie so unverblümt zu einer Heirat aufzufordern, als wäre sie eine Bauerndirne.
Caterina stellte ihren Weinbecher zurück auf den Tisch, ohne davon getrunken zu haben. »Ich glaube, es gibt hier nichts mehr zu besprechen. Ich habe Euch die Summe übergeben, die mein Vater mir für Euch geschickt hat, und werde Euch nun verlassen.« Trefflich wies mit einer verächtlichen Geste auf die beiden Lederbeutel, die vor ihm auf der Tischplatte lagen. »So leicht kommt Ihr mir nicht davon, Jungfer Caterina. Dieser Bettel hier wiegt nicht einmal die Hälfte der Summe auf, die ich Franz von Eldenberg für seinen letzten Kriegszug geliehen habe, und von seinen übrigen Schulden habe ich auch noch keinen Heller gesehen.
Wenn ich die ausgeliehene Summe bei der Obrigkeit einfordere, wird man mir Euer Land und Eure Burg zum Pfand geben - und dann habe ich das Recht, Euch auf die Straße zu setzen! Unter diesem Gesichtspunkt ist es doch ein großes Entgegenkommen, wenn ich Euch erlaube, meinen Sohn zu heiraten. Der Kaiser wird sich mit einigen Beuteln Gold davon überzeugen lassen, mich oder wenigstens Botho zum Reichsritter oder sogar zum Reichsfreiherrn auf Rechlingen zu ernennen. Eure Kinder hätten dann den gleichen Rang inne wie Euer Vater und Euer Bruder - oder sogar einen höheren. Wenn Ihr vernünftig seid und einwilligt, werde ich auf die Rückzahlung der noch ausstehenden Summe verzichten.
Auf diese Weise würde Eurem Vater eine große Last von den Schultern genommen.« Caterina sprang auf. »Ihr denkt und handelt wie ein Krämer! Wir Eldenbergs aber sind nicht käuflich. Ihr werdet jeden Pfennig Eures verdammten Geldes zurückbekommen, das schwöre ich Euch!
Für Euren Sohn sucht Euch gefälligst eine Braut aus Eurem Stand!«
Sie bedachte beide Trefflichs mit flammenden Blicken und rauschte zur Tür. Botho war jedoch schneller als sie und vertrat ihr den Weg.
Seine blassen Augen fl ackerten und er kaute auf seinen Lippen herum, als kämpfe er mit sich selbst. Im Gegensatz zu ihm plagten seinen Vater keinerlei Skrupel. Er wuchtete sich ächzend aus seinem hochlehnigen, noch mit dem Wappen des ursprünglichen Besitzers geschmückten Stuhl und lachte leise auf. »Oh nein, meine Gute! So leicht kommt Ihr nicht davon. Diese Hochzeit wird stattfinden, ob mit oder ohne Eure Zustimmung! Wenn Ihr erst Bothos Weib seid, wird keiner der elenden Reichsritter und Äbte in unserem Landstrich, die sich heute noch hoch über mich erhaben dünken, weiterhin auf mich herabschauen dürfen. Ich besitze mehr Geld als jeder Einzelne von ihnen - wahrscheinlich sogar mehr als sie alle zusammen! Und doch erlauben sie sich, mich wie einen Wurm zu behandeln, der vor ihnen im Dreck kriechen muss.« Trefflich hieb erneut mit der Faust auf den Tisch. In ihm kochte die Wut über die adeligen und geistlichen Herren in der Nachbarschaft, die mehr Mäuse in ihren Speisekammern hatten als Gulden in ihren Kisten. Wenn ihnen das Wasser bis zum Halse stand und sie dringend Geld brauchten, kamen sie zu ihm, nannten ihn schmeichlerisch Herrn Hartmann auf Rechlingen und jammerten schlimmer als das Bettelgesindel auf den Stufen von Sankt Stephan zu Mindelheim. Aber wenn er seine Geldtruhe geöffnet hatte und seine sauer verdienten Münzen in ihre Taschen gewandert waren, hießen sie ihn wieder einen elenden Pfeffersack und luden ihn weder zu ihren Festen noch zu ihren Beratungen ein. Eine Heirat seines Sohnes mit Caterina, die dem ältesten Adelsgeschlecht der Gegend entstammte, würde ihm Zugang zu ihren Kreisen verschaffen.
Deshalb musste er diese Verbindung zustande bringen, ganz gleich, wie störrisch das junge Ding sich zeigen mochte. Im Gegensatz zu dem, was er eben behauptet hatte, benötigte er allerdings ihre laute und deutliche Zustimmung zur Heirat - und das wusste diese hochnäsige Jungfer ebenso gut wie er.
Zu Trefflichs Leidwesen drängte die Zeit, denn der alte Eldenberg und sein Sohn weilten als Söldnerführer in Italien und konnten jederzeit im Kampf fallen oder an einer der zahlreichen Krankheiten sterben, die die Heere heimsuchten. Trefflich kannte die Verwandtschaftsverhältnisse der Eldenbergs nicht gut genug, um zu wissen, wer der Vormund des jungen Mädchens sein würde.
Und der arme Teufel könnte ihm wohl auch nicht helfen, denn es gab höchstwahrscheinlich niemanden, der Caterina zu bändigen vermochte. Er kannte sie gut genug, um zu wissen, dass sie jeden Mann zur Seite schieben und weiterhin nach eigenem Gutdünken leben würde, obwohl sich das für ein weibliches Wesen wirklich nicht ziemte. Wenn er ihr jetzt Zeit ließ, würde sie sich höchstwahrscheinlich mit einem der adeligen Schnösel in der Nachbarschaft verloben, um ihm, Trefflich auf Rechlingen, eine lange Nase zu drehen. Dann würde er keinen weiteren Heller von dem Geld sehen, welches er nicht ohne Hintergedanken ihrem Vater geliehen hatte, damit dieser Söldner anwerben und ausrüsten konnte. Heiratete sie aus Trotz einen der Junker aus der Umgebung, würde dieser die halbzerfallene Burg, in der Caterina jetzt lebte, die paar Hufen Land und das dazugehörende Meierdorf zu seinem Eigentum erklären und notfalls mit der Waffe gegen ihn verteidigen.
Dabei wog das Gerümpel nicht einmal ein Viertel der Summe auf, mit der der alte Eldenberg bei ihm noch in der Kreide stand. Das einzig Wertvolle, das Caterina mit in die Ehe bringen konnte, war ihr altehrwürdiger Name.
Trefflichs Blick streifte die beiden Beutel auf dem Tisch, die Caterina ihm überbracht hatte, und korrigierte sich. Nun betrug der Wert der eldenbergischen Liegenschaften noch etwa die Hälfte der Schulden.
Doch er war nicht bereit, auf die andere Hälfte zu verzichten. Bisher hatte er noch nie ein Geschäft mit Verlust abgeschlossen, und dazu würde er es auch jetzt nicht kommen lassen.
Da der Hausherr in seinen Gedanken versunken schien, kehrte Caterina ihm den Rücken zu und funkelte Botho an. »Gib den Weg frei!«
Der junge Mann zog unwillkürlich den Kopf ein, blieb aber vor der Tür stehen. »Vater will nicht, dass du gehst.«
»Botho, du wirst doch selbst sehen, dass dein Vater mit dieser Werbung über die Schnur haut. Noch nie haben die Eldenbergs unter ihrem Stand geheiratet, und dies wird, solange Gottes Sonne diese Welt bescheint, auch nicht geschehen.«
»Das sehe ich anders!« Hartmann Trefflich wirkte mit einem Mal wie ein alter Kater, der noch ein wenig mit der Maus spielen will, die er eben gefangen hat. »Jungfer Caterina, die Zeiten sind nicht mehr so wie unter der Herrschaft des seligen Kaisers Otto. Heutzutage ist nicht mehr der Schwertarm des Ritters das Maß aller Dinge, sondern gemünztes Gold. Ohne Geld kann kein Edelmann Rüstung und Ross kaufen, kein Kaiser den purpurnen Mantel und die Krone, die ihn zieren. Die fetten Äbte würden in ihren Abteien schmal und mager werden, griffen ihnen nicht Männer wie ich mit frommen Spenden unter die Arme. Es wird an der Zeit, dass wir Kaufleute von Euresgleichen als ebenbürtig anerkannt werden - und wenn dies durch eine Ehe erfolgen muss.«
»Mein lieber Rechlingen, ich kann nicht die Söhne aller Kaufleute heiraten, die wie Ihr von einer Rangerhöhung träumen.« Caterina hatte sich entschlossen, die Sache wie einen Scherz aufzufassen.
Als sie sich wieder Botho zuwandte und ihn aufforderte, endlich die Tür freizugeben, tat sie es nicht nur mit dem Stolz einer alten Sippe, sondern auch mit dem Temperament ihrer italienischen Mutter, die sie nur wenige Jahre hatte erleben dürfen.
Es gab einige Leute in der Herrschaft Eldenberg, die behaupteten, dies sei gut für sie gewesen, denn Signora Margerita hatte in zorniger Stimmung selbst ihren Ehemann dazu gebracht, sich vor fliegenden Bechern, Tellern und anderem Gerät in Sicherheit zu bringen.
Botho schrumpfte bei ihrem Ausbruch zu einem Häufl ein Elend, sein Vater aber lachte sie aus. »Diese Heirat wird stattfinden! Entweder heute Abend noch oder - falls Ihr Euch weiterhin sträubt - spätestens morgen früh.«
Caterina wurde klar, dass es Treffl ich völlig ernst damit war, und stampfte auf den Boden. »Ihr seid verrückt, vollkommen verrückt!«
Dann versuchte sie, Botho von der Tür wegzuschieben, aber sie hätte ihre Kraft genauso gut an einem mannshohen Felsblock erproben können. Deshalb rief sie, so laut sie es vermochte, nach ihren Begleitern. »Adam! Jockel! Kommt her zu mir!«
Die einzige Antwort war das boshafte Kichern ihres Gastgebers.
»Meine Liebe, ich fürchte, Eure Getreuen werden Euch nicht helfen können. Dafür war der Wein zu stark, den sie in meiner Küche getrunken haben. Meine Leute werden die beiden inzwischen in eine abgelegene Kammer gebracht haben, in der sie ihren Rausch ausschlafen können.«
»Wenn Ihr Euch einbildet, ich würde vor Angst auf die Knie fallen, nur weil Ihr mich meiner Bediensteten beraubt habt, so täuscht Ihr Euch gewaltig! Ich werde Euren Sohn nicht heiraten, und wenn Ihr den Teufel selbst als Trauzeugen herbeibrächtet.«
Caterina verschränkte die Arme vor der Brust und versuchte, so gelassen wie möglich auszusehen. Innerlich raste sie vor Wut über die plumpe Falle, die man ihr gestellt hatte. Da sie Trefflich zugetraut hatte, einem ihrer Knechte das Geld einfach abzunehmen und ihn ohne schriftliche Bestätigung wieder wegzuschicken, war sie selbst nach Rechlingen geritten, um sich den Erhalt der Geldsumme und die Minderung der Schulden von ihm quittieren zu lassen. Niemals hätte sie erwartet, dass er sie auf diese Weise hereinlegen würde.
Obwohl sie vor Zorn glühte, versuchte sie, ihrer Stimme einen friedfertigen Klang zu geben. »Trefflich, geht in Euch! Wenn mein Vater von dem Spiel erfährt, das Ihr hier mit mir treibt, wird er voller Zorn über Euch kommen. Gegen sein Schwert schützt Euch all Euer Gold nicht.«
»Vorhin wart Ihr noch höflicher, meine Liebe, und habt mich Rechlingen genannt.« Trefflich gluckste vor Vergnügen, denn es gefiel ihm, ein Mitglied jener Gesellschaftsschicht, die er von Kindheit an mit jeder Faser seines Herzens beneidet hatte, hilflos seinen Launen ausgeliefert zu sehen. Er verschränkte ebenfalls die Arme vor der Brust, was ihm aufgrund seines Leibesumfangs nicht so leicht fiel wie seiner Gefangenen, und musterte sie wie ein Kalb oder eine Stute, die ihm auf dem Markt angeboten wurde.
Caterina war nicht mit großer Schönheit gesegnet, aber auf ihre Art reizvoll, nicht zu groß und nicht zu klein. Ein paar Rundungen mehr hätten ihr gut getan, aber da sie eine gute Figur hatte, würde das reichliche Essen auf Rechlingen sie bald herausfüttern. Ihm gefiel ihr herzförmiges Gesicht, auch wenn die Nase vielleicht einen Hauch zu lang war, und mehr noch ihre großen, ausdrucksstarken Augen, die im Zorn aufglühten wie Opale im Sonnenlicht. Der Mund mit geschwungenen roten Lippen lud geradezu zum Küssen ein, und ihr lang fallendes, lockiges Haar, das je nach Lichteinfall dunkelblond oder brünett wirkte, umgab sie wie ein kostbarer Mantel. Ihre Haut zeigte da, wo sie nicht von der Sonne mit einem hellen Braun überhaucht worden war, den Schimmer von Elfenbein, ebenso die Zähne, die wie zwei fehlerlose Perlenreihen ihren Mund zierten. Ihr Aussehen und ihre ganze Haltung wiesen sie als Nachkommin eines stolzen Geschlechts aus, das selbst mit einem Berg von Schulden noch auftrat, als hätte der Kaiser ihnen eben ein reiches Lehen geschenkt.
Trefflich nickte, als müsse er seinen Entschluss noch einmal bekräftigen. Caterina war die einzig richtige Braut für seinen Sohn, edel geboren genug, um jederzeit vor Königen und Fürsten erscheinen zu können, und - was noch wichtiger war - derzeit ohne männlichen Schutz. Bis die Nachricht von der erzwungenen Heirat ihren Vater im fernen Italien erreichte und dieser darauf reagieren konnte, war Caterina bereits schwanger oder der Bund sogar schon mit einem Erben gesegnet. Franz von Eldenberg würde nichts anderes übrig bleiben, als seinen reichsritterlichen Stolz hinunterzuschlucken und Botho als Eidam an sein Herz zu drücken.
Mit diesem Gedanken schob Trefflich die letzten Skrupel beiseite und musterte Caterina spöttisch. »Da Ihr Euch bockig zeigt, werden wir Euch zähmen müssen wie eine übermütige Stute. Eine Nacht in der Wolfsgrube wird Euren Trotz schon brechen. Felix, Werner, kommt herein!« Die beiden Knechte mussten bereits vor der Tür gewartet haben, so schnell betraten sie den Raum. Es handelte sich um ungewöhnlich kräftige, muskelbepackte Kerle, die beinahe so groß waren wie Botho. Während Trefflichs Sohn sich ein paar Schritte zurückzog, packten sie Caterina und bogen ihr rücksichtslos die Arme auf den Rücken. Ihr war sofort klar, dass die Kerle nur darauf warteten, sie schreien zu hören, aber diesen Triumph wollte sie ihnen nicht gönnen. Da sie vor Schmerzen die Zähne zusammenbiss, konnte sie Trefflich nicht ins Gesicht schleudern, was sie von ihm hielt.
»Seid doch nicht so rau! Ihr renkt ihr ja die Gelenke aus!« Bothos Stimme klang wie die eines bettelnden Kindes. Die Knechte lachten nur, denn sie nahmen den Sohn des Herrn nicht ernst. Vorerst hatte er keine Macht über sie, und wenn er in einigen Jahren seinem Vater nachfolgte, waren sie mit der Belohnung, die der alte Trefflich ihnen für diese Sache geben würde, längst über alle Berge. Wahrscheinlich würden sie schon bald nach der Hochzeit verschwinden müssen, denn aus den Augen ihrer Gefangenen leuchtete ihnen ein Hass entgegen, der nicht mehr von dieser Welt zu sein schien. Werner erinnerte sich, dass Caterinas Mutter aus Italien stammte, einem Land, in dem die Menschen über geheime Künste verfügten, und wandte sein Gesicht ab, damit das Weib ihn nicht mit dem bösen Blick verhexen konnte.
»Bringt sie zur Wolfsgrube! Wir werden doch sehen, ob sie immer noch so mutig ist, wenn sie einen Blick hineingeworfen hat.« Trefflichs Stimme triefte vor Hohn, er kannte keine Frau, deren Willen nicht spätestens nach einer Nacht an diesem tiefen, finsteren Ort gebrochen war.
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