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14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Der Teufel ist mitten unter uns", 19. Januar 2006
Rezension bezieht sich auf: Die Lämmer des Herrn. (Broschiert)
Dieser Roman spielt im Dorf Ghachimat in Algerien Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts: ein typisch arabisches Dorf mit Tratsch und Klatsch, Unterbeschäftigung und wenig bis gar keiner Perspektive für die Jungen. Drei Freunde lieben das gleiche Mädchen (die Tochter des Bürgermeisters). Nur einer kann sie (in allen Ehren) heiraten: der Polizist Allal. Aus Enttäuschung darüber geht sein Freund, der Lehrer Kada, nach Afghanistan und wird dort ein glühender "Gotteskrieger". Als er nach einiger Zeit ins Dorf zurückkehrt, beginnt der große Terror... Das Buch von Yasmina Khadra (Pseudonym für einen hohen algerischen Offizier, der nach Frankreich emigrierte) zeigt die Mechanismen eines Pseudo-Gottesstaates: Man stützt sich auf die (ihrer Ansicht nach) Zukurzgekommenen, die sich dem Terror umso williger in die Arme werfen. Leutseligkeit wird in diesem Dorf zur Aggressivität, Lethargie zum Chaos - keiner ist sich mehr seines Lebens sicher. Bücher werden zur Todesfalle. Man führt vorgeblich einen Krieg gegen alles, das eine Dienstmütze des verhassten (algerischen) Staates trägt - in Wirklichkeit ist es aber ein Krieg gegen den Menschen. Frauen und Kinder, ja Säuglinge werden auf die grausamste Art und Weise ermordet. Am Ende triumphiert einer, der selbst - auf Grund seiner Behinderung - jahrzehntelang unterdrückt und ausgestoßen wurde. Auffällig an diesem Roman ist auch, dass selbst eine strenge Religion wie der Islam die Menschen nicht daran hindert, andere (Menschen), die in irgendeiner Form von der Norm abweichen, auszuschließen, zu misshandeln, zu verletzen usw. In weiten Bereichen erinnert das Buch mit all seinen Mechanismen an die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland und Österreich (und nicht nur hier). Mein Rat: unbedingt lesen und weiterempfehlen!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Großartige Fallstudie, 2. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Lämmer des Herrn. (Broschiert)
Yasmina Khadra schildert auf knapp 200 Seiten, wie eine Gesellschaft in den Fundamentalismus abdriftet. Und man sieht auch, dass die Ursachen nicht zwingend religiöser Natur sind, sondern oft Neid, Hass und Eifersucht die Auslöser sind. Eine großartige Fallstudie!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Wenn der Wahnsinn wuchert, 28. April 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Lämmer des Herrn. (Broschiert)
Ein kleines algerisches Kaff, Anfang der Neunziger Jahre. Tradition, Trägheit und Hoffnungslosigkeit prägen das ereignislose Leben. Die Wunden des Freiheitskampfes vor drei Jahrzehnten sind noch nicht vernarbt, die damals Geächteten heute noch aus der Gesellschaft ausgestoßen. Da entzweit die Eifersucht drei Freunde: Als der siegreiche Polizist die begehrte Dorfschöne freit, meldet sich der frustrierte Lehrer zum Kampf nach Afghanistan, während der dritte im Bunde, ein arbeitsloser Versager, sowieso keine Chance gehabt hätte. Doch als der Lehrer als Mudschaheddin" zurück kehrt, beginnt sich die Stimmung zu wandeln. Die religiöse Bewegung der Islamisten trotzt der allmächtigen Befreiungspartei, sammelt immer mehr der Hoffnungslosen um sich, und allmählich kippen die Mehrheiten. Als die Islamistenbewegung nach ihrem Wahlsieg verboten wird, überzieht Terror das Land, von dem bald niemand mehr weiß, von wem und wozu er begangen wird. Wie in Ionescos Stück Die Nashörner" geraten die Vernünftigen in die Rolle geächteter Außenseiter, während fanatische Grausamkeit zum Selbstzweck mutiert. Khadras Buch malt ein düsteres Bild einer perspektivlosen, sich selbst zerfleischenden Gesellschaft, doch manchmal merkt man, dass der Autor intellektuell weit über seinen Figuren steht. Wenn z.B. Tej, der ungebildete Dorfmechaniker, der sich den Islamisten angeschlossen hat, einen Mitstreiter als Operettenpropheten" betrachtet, so darf man sich schon fragen, wie viele dieser Armen jemals eine Operette gesehen haben. Auch sonst wird häufig erzählt, werden selbst grausamste Geschehnisse eher berichtet, als in spannungsgeladene Szenen verwoben. Dennoch ein lesenswertes Buch, schon um so bitterer, illusionsloser Sätze willen wie: ' Die Armut macht vor keinem Hort des Friedens halt. Nimm ihr die Leine vom Hals, schon stürzt sie sich auf das Glück der anderen. Wenn du eine Bestie suchst, die keine Ermüdungserscheinungen kennt, so such sie dir unter den Ärmsten der Armen. Schlagartig träumt sie von einem Reich, das aus Schlachthäusern und Nutten besteht...."
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