Dieses Bändchen enthält in geballter Form das, wofür er schon zu Lebzeiten gefürchtet und sicherlich bei vielen auch gehasst war: seine Eigenart, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Dieses, man könnte sagen, Schandmaul hat ihn selbst viel Ruhm und Anerkennung gekostet. Insbesondere die stetige Auseinandersetzung mit seinem „Erzfeind" Hegel führte dazu, dass ihm die Universitätslaufbahn verschlossen blieb, und noch vieles mehr blieb ihm durch seine über die Maßen spitze Feder verwehrt; selbst seine eigene Mutter hatte er nicht verschont, die danach mit ihm brach.
Schopenhauer also können wir in der „Kunst zu beleidigen" getrost als Fachmann betrachten, für seine Zeit jedenfalls. Blättert man in diesem Buch, so stellt man aber erschreckt fest, dass diese Zusammenstellung seiner Grobheiten aus heutiger Sicht gang und gäbe sind; jede neu erscheinende Autobiographie enthält heute auf jeder Seite mehr Ehrenrühriges als der Danziger Philosoph wohl in seinem ganzen Leben zu träumen wagte. In seiner Zeit aber waren diese seine Aussagen ein einziger Skandal. So titulierte er seine Lieblingsgegner wie Fichte, Schelling und - natürlich - Hegel immer wieder als „Dummköpfe", „Scharlatane", „Windbeutel" und noch vieles, vieles mehr.
Aber nicht nur über Philosophisches kann man in diesem Buche nachlesen, denn Schopenhauer hat sich natürlich über alle Themen ein äußerst scharfes Urteil erlaubt. So sagt er über die Deutschen: „Ich lege hier für den Fall meines Todes das Bekenntnis ab, daß ich die deutsche Nation wegen ihrer überschwenglichen Dummheit verachte, und mich schäme, ihr anzugehören." Auch der Mensch im Allgemeinen und - im Besonderen - die Frau kommt bei Schopenhauer genauso schlecht weg wie der Lärm und die Astrologie.
Kurz: Es ist ein Buch zum Schmökern, zum Kennenlernen der Gedankenwelt des Philosophen - als Erstkontakt, sozusagen.