Sherwin B. Nuland schreibt über das Alter und über das Altern. Und dies tut er aus der Sicht eines Mediziners, mit den Fähigkeiten eines geübten Autoren und den reichhaltigen Lebenserfahrungen eines Angehörigen des Geburtsjahrgangs 1930.
Nuland beschreibt die körperlichen und seelischen Auswirkungen des Alterungsprozesses und macht deutlich, dass sich vieles davon wahrscheinlich immer vollständiger wissenschaftlicher Kontrolle entziehen wird.
Er stellt aber auch dar, dass wir uns dem natürlichen Alterungsprozeß gegenüber nicht in eine völlig passive Leidensrolle begeben müssen, sondern auf die Art und Weise, wie das Alter geistig und körperlich erlebt wird erheblichen Einfluß nehmen können.
Dazu beschreibt er die aktuellen Ergebnisse gerontologischer Forschung und macht deutlich, wo im individuellen Leben beizeiten Schwerpunkte gesetzt werden müssen: Konsequentes körperliches und geistiges Training, die Entdeckung und Freisetzung innerer Kreativität sowie die beständige Pflege zwischenmenschlicher Beziehungen.
Nichts davon ist vollkommen neu, einiges davon hört sich anstrengend an, aber Nuland schafft es, die Vielzahl der dargestellten Ergebnisse in einen schlüssigen, immer spannend zu lesenden Gesamtzusammenhang zu stellen.
Seine Stellungnahmen erfolgen aus einer humanistischen Grundeinstellung heraus, die verhindert, dass jede wissenschaftlich angestrebte Form der Lebenszeitverlängerung kritiklos gefeiert wird und die gleichzeitig bewirkt, dass er nie das individuelle Schicksal des einzelnen Menschen aus dem Blickfeld verliert.
Nulands Buch ist kein Rezeptbuch für 'Schöner Altern', aber es lassen sich genügend Anregungen für ein produktives Nachdenken über das Alter ableiten.
Lassen Sie sich von Weisheit und Würde des sperrigen Untertitels nicht abschrecken, man kann noch weit davon entfernt sein und doch seinen Ertrag aus diesem absolut empfehlenswerten Werk ziehen.