Dieses kleine Buch des spanischen Theologen und Philosophen ist eine wahre Fundgrube der Erkenntnis für Menschen, die ihre Kommunikation verbessern wollen. Dabei ist es zunächst völlig gleichgültig, welche Art der Kommunikation es ist, die da Not leidet und verändert werden soll. Sei es das Gespräch zwischen (Ehe)-Partnern, das Verhältnis zwischen Leitungspersonen und Angestellten im sozialen Bereich und im Dienstleistungssektor oder das seelsorgerliche und therapeutische Gespräch zwischen Seelsorgern, Ärzten, Therapeuten und ihren Klienten, das Buch bietet für alle diese privaten und professionellen Situationen eine Fülle von Anregungen, vor allem aber eine Menge Stoff zum Nachdenken.
Denn an zahlreichen Stellen dokumentiert Torralba in seinem exquisiten Essay, dass Zuhören viele Facetten hat. Nicht jeder, der zuhört, tut dies um den anderen wirklich zu hören, tut es aus ehrlichem und wachem Inter-Esse am Gegenüber, sondern hat diverse bewusste und noch viel mehr unbewusste Absichten, wie er sich im Kontakt mit einem Gesprächspartner, das, was der sagt, auf irgendeine Weise zu privatem oder professionellem Nutzen machen kann.
Torralba geht mit leicht verständlicher Sprache und einem leidenschaftlichen Esprit durch die Geistesgeschichte. Er erzählt von den unterschiedlichsten Philosophen und erläutert anschaulich, wie diese jeweils im Rahmen ihrer philosophischen Konzepte das Zuhören beschrieben und bewertet haben.
Quer durch das ganze Buch sind ihm zwei Dinge ein besonderes Anliegen. Zunächst zeigt er immer wieder, dass wirkliches Zuhören eine conditio sine qua non eines echten Lernens darstellt, insbesondere das Lernen über den Anderen. Indem er dies immer wieder betont, richtet er seine und damit auch die Aufmerksamkeit des Leser, sich stetig steigernd, auf das eigene Verhalten, seine Äußerungen und seine bewussten und unbewusste Antriebe.
Ohne dass er den deutschen Philosophen ausdrücklich erwähnen würde - das Buch ist erquickend frei von Hinweisen und Anmerkungen - erinnert Torralbas Bestehen und Insistieren auf dem Dialog als der dem Menschsein gemäßen Kommunikationsform, stark an die Philosophie von Jürgen Habermas, der von diskursivem Sprachstil und herrschaftsfreier Kommunikation als Ideal einer menschlichen und demokratischen Gesellschaft spricht, jedenfalls in seinen früheren Büchern.
"Einer der wertvollsten Erscheinungen des zwischenmenschlichen Lebens, der Dialog, erfordert als Grundbedingung eben diesen Wechsel zwischen Reden und Schweigen. Nicht nur der Dialog, auch die ausgeglichene Entwicklung des menschlichen Lebens erfordert einen Wechsel zwischen Reden und Schweigen. Wir können nicht ständig in Schweigen verharren, denn wir verspüren den Wunsch, uns mitzuteilen, und auszudrücken, in Worte auszumalen und den anderen nahe zu bringen, was wir im Innersten denken. Ebenso können wir nicht ständig reden, denn wir bedürfen der Stille, der inneren Sammlung, der Begegnung mit den eigenen Gefühlen, jenen gespenstischen Gästen, die unseren Geist behausen und uns mit ihren Fragen bedrängen und uns Sorgen bereiten. Der Dialog erfordert als Grundbedingung die Praxis des Zuhörens."
Letztendlich geht es darum, dass wir erst aus den persönlichen Mitteilungen anderer Menschen uns selbst erfahren, bereichert werden und, wenn wir Glück haben, Glück erfahren.
Nehmen Sie dieses philosophische Kleinod und ziehen Sie sich damit zurück. Prüfen Sie ihre eigene Kommunikation im Privatleben und im Beruf. Sie werden mannigfaltige Anregungen und Hinweise für Verbesserungen finden, die es Ihnen selbst und ihren Gesprächspartner besser gehen lässt.