In einer der Geschichten Kluges heißt es, daß das Erzählen einen „gesellschaftlichen Leib" konstruiert, mit welchem der Mensch ein stimmiges, begreifbares Verhältnis zwischen „Unwahrscheinlichem und Wahrscheinlichem", zwischen Fiktion und Realität erfährt. Verantwortlich für dieses Erfahren sind die menschlichen Gefühle, dem wesentlichen Thema dieses Buches. Kluge schafft es mit seinen Geschichten die Abstraktivität von Gefühlen sichtbar zu machen indem er ihre Konsequenzen beschreibt. Jedes Gefühl hat seine Konsequenz. Gefühle sind die Produkte eines Wahrnehmungsprozesses und doch widersprechen sie, laut Kluge, dem Realitätsprinzip; Gefühle „glauben" nicht daran. Mit der Personifizierung von Gefühlen und in der Anerkennung ihrer Relevanz überwindet Kluge auch ihre Subjektivität: Gefühle sind zwar ein Teil des Unbewussten, aber damit auch ein wesentliches steuerndes Element menschlichen Handelns und Denkens. Literarisch-konkret: Gedanken sind „kristallisierte Gefühle".
Häufig vergleicht man den Autor Alexander Kluge mit einem Chronisten, doch dies greift zu kurz. Ein Chronist trägt die Ereignisse der Vergangenheit lediglich zusammen, Kluge versucht sie im nachhinein erzählend zu verändern. Er wird zum gestaltenden Chronisten, denn das Vergangene ist öde und reizlos, wenn wir es nur als historischen Fakt benutzen und die Urlust des Erzählens ist ja gerade die Konstruktion von Geschichten und - Geschichte. Kluge spricht hier von der „Vernetzung der Zeit". In der Literatur hat der Autor sein Korrektiv gefunden um in Zeitläufe einzugreifen. Dieses Eingreifen geschieht meist über die Konstruktion von Kausalbeziehungen zwischen Ereignissen und historischen Tatsachen, welche zuerst abwegig erscheinen (Wer vermutet schon einen Zusammenhang zwischen den van der Waalsschen Kräften menschlicher Zellen und der zerstörten Bibliothek von Alexandria?), aber über Gefühle, Empathie und Erinnerung nachvollziehbar werden und daraus ihren hohen literarischen Reiz gewinnen.
Auffällig wird Alexander Kluge als Optimist. In vielen der Geschichten ist das Hoffen und der Glaube an das Gute im Menschen zu finden - im Zweifelsfall an das Gute in dessen Zellen.