Aus der Amazon.de-Redaktion
Sicher, die berühmte logische Schlussfolgerung können wir mühelos nachvollziehen: "Alle Menschen sind sterblich. Sokrates ist ein Mensch. Also ist Sokrates sterblich." Doch wir nehmen solche Sätze lieber nur als abstrakte Logik wahr ohne sie in letzter, wirklich gefühlter Konsequenz auf uns selbst zu übertragen. Zum wichtigen Thema wird der Tod allenfalls noch in der Kunst.
Im Mittelalter war die Tatsache unserer Vergänglichkeit weit stärker im allgemeinen Bewusstsein gegenwärtig. Und so verwundert es nicht, dass der Titel "Die Kunst des Sterbens", der heutzutage für manche frivol klingen mag, auf ein Traktat von 1492 zurückgeht:"Ars moriendi". Darin werden einige charakteristische Versuchungen beschrieben wie Zweifel, Zorn und Stolz, denen wir kurz vor dem Lebensende ausgesetzt sind. Die Frage, was uns dieser spätmittelalterliche Text heute noch sagen kann, füllt jedoch nur eines der elf Kapitel. Die meisten anderen behandeln eher konkrete und praktische Gesichtspunkte einer humanen und würdevollen Sterbebegleitung: Was sagt man einem Sterbenden? Wie lassen sich Ängste und Schuldgefühle bewältigen? Welche Rituale können hilfreich sein? Die Autoren ergänzen sich hervorragend in der Beantwortung dieser und anderer Fragen, die ihnen von Kursteilnehmern gestellt wurden. Marie de Hennezel hat viele Jahre als Psychologin unheilbar Kranke betreut und auch den französischen Staatspräsidenten François Mitterand in seinem Sterbeprozess begleitet. Jean-Yves Leloup ist orthodoxer Priester und Theologe sowie Doktor der Psychologie und Philosophie. Im Angesicht des Todes leiden viele Menschen unserer säkularisierten Welt unter dem schmerzhaften Gefühl der Sinnlosigkeit. Daher verbindet das Buch folgerichtig die Weisheit der großen religiösen Traditionen mit einem Humanismus, in dem die Spiritualität ihren gebührenden Platz erhält. --Stephan Schmidt
Kurzbeschreibung
Das Tabu des Todes in unserer modernen westlichen Gesellschaft hat dazu geführt, daß heute viele Menschen innerlich unvorbereitet und alleingelassen unter men-schenunwürdigen Umständen sterben müssen. Daß diese Situation der Hilflosigkeit angesichts des Todes sich ganz allmählich zu ändern beginnt, ist das Verdienst von solchen Pionieren der modernen spirituellen Sterbebegleitung wie Marie de Hennezel und Jean-Yves Leloup. In diesem Buch geht es um die Möglichkeit einer Ars moriendi, einer Kunst des Sterbens, in einer Welt der Sinnleere und des isolierten, klinisch sauberen Todes. Und es geht um die Praxis einer Begleitung Sterbender, die die Sprachlosigkeit überwindet und zu einer tröstlichen, von Angst und Verkrampfung befreiten Begegnung von Sterbenden und ihren Begleitern wird. Die Autoren sprechen aus einer im täglichen Umgang mit Sterbenden gereiften Menschlichkeit und einer Spiritualität, die zwar einen christlich-abendländischen Hintergrund hat, aber für andere Traditionen (etwa den Buddhismus) offen ist und in ihrer praktischen Umsetzung über alle Glaubensbekenntnisse hinausgeht. Dieses Buch wird nicht nur für Sterbende, sondern vor allem auch für die betroffenen Ärzte und Pfleger, Ange-hörigen und Freunde, Partner und Geliebten ungemein hilfreich sein - es gibt »Lebenshilfe« im besten Sinne.