Kepplinger beschreibt in seinem Essay die Mechanismen zur Entstehung von Skandalen: ein wirklicher oder vermeintlicher Mißstand, die Aufmerksamkeit eines Journalisten oder einer Organisation, die Verstärkungsmechanismen durch andere Journalisten und durch Gruppen, die von der Skandalisierung des Mißstandes profitieren, schließlich die überspitzte zum Teil ins Groteske gesteigerte öffentliche Aufmerksamkeit.
Auf der anderen Seite stehen die Verursacher des Mißstandes. Ihre Fixierung auf das Problem führt oft zu auffälligen Fehleinschätzungen, zu einer Lähmung und zu „Befreiungsschlägen", die meist keine sind.
Kepplinger erläutert an Hand vieler Beispiele, die jeder kennt („Barschel-Affäre", Versenkung der Brent Star, Kohls Parteispenden-Skandal),die sozialen und psychologischen Abläufe und Mechanismen, ohne sich in Details zu verlieren. Außerdem werden die verschiedenen Reaktionsmöglichkeiten der „Täter", die oft bei Skandalen zu Opfern werden, beleuchtet und an Hand statistischer Ergebnisse erfolgversprechende Lösungsmodelle vorgestellt. Besonders interessant sind auch die Teile des Essays, die sich mit der Rolle des Skandals für das journalistische Ethos befassen. Der Schluss des Buchs diskutiert die Frage, ob Skandale und ihre journalistische Überhöhung eher positiv oder negativ für die Gesellschaft sind.
Das Buch gibt in einfach zu lesender Sprache einen sehr guten Überblick über die Materie. Die Vielzahl von Literaturangaben ermöglicht dem Leser, Detailüberlegungen zu vertiefen oder auch auf wissenschaftliche Analysen zurückzugreifen. Positiv ist auch, dass sich das Buch auf die Skandale beschränkt, die jeder aus den Zeitungen und aus dem Fernsehen kennt. Dies ermöglicht die Konzentration auf die Analyse der einzelnen Mechanismen, da die Fakten bereits bekannt sind.