Im Buch steht unter dem Titel die Bezeichnung "Essay", doch Kunderas Werk ist mehr ein Sammelband von mehrern Essays und zwei Interviews, die sich inhaltlich ergänzen und auch überschneiden.
Insgesamt ist das Buch als eine Hyme an den Roman und gleichzeitig als eine Darstellung von Kunderas eigenem Verständnis von diesem zu verstehen.
Im ersten Teil, ein Essay mit dem Titel "Das missachtete Erbe des Cervantes", beschreibt Kundera Auffassung und Deutung von der Entwicklung des Romans seit Anfang der Neuzeit, seit dem ersten "Roman" - seit Don Quijotes Abenteuern. Ins Zentrum rückt er dabei u.a. das von so vielen prophezeite Ende der europäischen Kultur und das des Romans. Im ganzen Text stoßen verschiedene Gedanken Kunderas durch die eigentliche Idee des Textes und lassen ihn ein wenig unbeständich und überladen wirken, was leider im weiteren für das ganze Buch gesagt werden kann.
In den zwei Interviews danach (geteilt durch das dritte Kapitel das Notizen und Ideen zu Hermann Brochs Buchtriologie "Die Schlafwandler" enthält und für Leute die das Buch nicht gelesen haben höchstwahrscheinlich uneffizient ist) spricht Kundera über seine Romane, seinen Stil und wieder über seine Vorstellungen, wobei sich einiges (und einiges Interessantes) wiederholt.
Der fünfte Teil (mein liebster in diesem Band) beschäftigt sich mit Kafka, seinem Werk und dessen unglaublich universellen Geist. Wer von Kafka zumindes zwei der drei Romane gelesen hat, kann vollständig folgen, allerdings zitiert Kundera auch oft umfangreich oder erklärt.
Im sechsten Teil erklärt er die 65 Worte seiner Romane, also die 65 wichtigsten Worte seiner Arbeit als Romancier und erklärt und deutet sie. Der siebte Teil, eine Dankesrede, ist ein sauberer Abschluss der gesamten Buchidee.
Insgesamt sind viele anregende, gar philosophische und prakische Ideen und Denkanstöße zwischen in den Zeilen versammelt, Kunderas Werk leidet (meiner Meinung nach) allerdings unter einer Verschmelzung von Lebens- und Romanphilosophie. Auch wenn der Ehrgeiz wohl eher auf dem Romanteil liegt, beschwört Kundera doch oftmals Geister oder Dämonen herauf, die über den Roman hinauswachsen. Das Verkompliziert sowohl die Aufnahme der Informationen, als auch den Fluss des Textes.
Am Ende denke ich, muss man nach diesen einzelnen Betrachtungen selber wissen, ob das Gesamte dem eigenen Geschmack entspricht. Mir persönlich hat es zusammenfassend gefallen, ich mag Bücher, die eine sehr eigenstädnige starke Autonomie und einen wachen Geist besitzen.