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Arthur Schopenhauer wurde am 22. Februar 1788 in Danzig geboren. Sein Vater entstammte einer angesehenen Danziger Kaufmannsdynastie, seine Mutter Johanna Schopenhauer wurde später eine bekannte Schriftstellerin. Als Kind zog er mit seiner Familie nach Hamburg, wo der Vater 1805 verstarb. Während Schopenhauers Mutter und Schwester nach Weimar übersiedelten, blieb er in Hamburg und konnte durch seinen Anteil am väterlichen Erbe frei von finanziellen Sorgen leben. 1809 begann er an der Universität Göttingen ein Studium der Medizin, das er jedoch bald zugunsten der Philosophie aufgab. Über seine in Weimar lebende Mutter wurde er mit Goethe bekannt. 1816 veröffentlichte Schopenhauer eine eigene Farbenlehre mit dem Titel Ueber das Sehn und die Farben, was zu einer Verstimmung mit Goethe führte. 1819 erschien Schopenhauers Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung, das im Laufe der Jahre von ihm jedoch noch erheblich erweitert wurde. 1820 begann Schopenhauer an der noch jungen Berliner Universität zu lehren. Er war ein bedeutender Schüler Kants und vertrat als einer der ersten Philosophen im deutschsprachigen Raum die Überzeugung, daß der Welt ein unvernünftiges Prinzip zugrundeliege. Schopenhauer starb am 21. September 1860 in Frankfurt am Main.
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
103 von 109 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine polternde Selbsterkenntnis,
Rezension bezieht sich auf: Die Kunst, Recht zu behalten: In achtunddreißig Kunstgriffen dargestellt (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
Die alten Griechen hatten ja für alles Götter, und so war Eris die Göttin der Zwietracht. Insofern macht Schopenhauers Vorspann „Eristische Dialektik" zu seinen „Kunstgriffen", ein Streitgespräch für sich zu entscheiden, einen besonderen Sinn. Er definiert den Begriff Eristische Dialektik als „die Kunst zu disputieren, und zwar so zu disputieren, dass man Recht behält, also [mit rechten wie mit unrechten Mitteln]".Überhaupt ist für Schopenhauer "Dialektik" ohnehin schon nichts anderes, als eben eine Methode, die dazu dient, Recht zu behalten, auch wenn man gar nicht Recht hat, dafür aber um jeden Preis. Somit ist „eristische Dialektik" beinahe als Tautologie zu fassen. Scharf trennt er damit seinen Begriff der Dialektik von denen der anderen Philosophen wie Aristoteles, Kant und Hegel und natürlich auch Marx. (Hier muss ich aber Schopenhauer Abbitte tun, indem ich den ihm verhassten Hegel einen „Philosophen" nenne - gewiss würde er sich mit einem gewaltigen Rumpeln im Grabe umdrehen, könnte er dies lesen...) In seinem Werk „Die Kunst, Recht zu behalten" eröffnet uns Schopenhauer eine ganz eigene Welt des Disputierens - des Rechthabens auf Teufel komm raus, wie wir heute sagen würden. Dieser eigenwillige Gedankenkünstler, oft zu Unrecht als greiser Polterer unter den Philosophen abgetan, führt uns in aller Kürze eine Fülle von Techniken vor Augen, mit denen der Kontrahent eines Streitgesprächs zunächst gnadenlos als Gegner ausgemacht, als solcher unerbittlich in die Enge getrieben und schließlich (in jedem - ausgenommen dem physischen Sinn) „vernichtet" wird. Mit seinem scharfen Urteil kategorisiert er diese Kniffe und belegt sie teilweise mit Beispielen aus eigenen Streitgesprächen. Dies alles klingt ziemlich militant; hätte Schopenhauer aber auch nur im Entferntesten ahnen können, in welchem Übermaß diese 38 Kunstgriffe in unserer heutigen medienlastigen Zeit bewusst oder unbewusst bis zum Erbrechen Anwendung finden, dann bin ich mir nicht sicher, ob er sich darüber gefreut hätte, in wie weit er selbst (mal wieder) Recht hatte, oder ob er sich eher darüber ereifert hätte, dass auch jeder andere immer nur selbst Recht haben will. Wahrscheinlich beides. Schopenhauer will uns aber insofern etwas beruhigen (vielleicht auch sich selbst), indem er die Rechthaberei in den Bereich „zur menschlichen Natur gehörig" rückt und dabei das Hobbes-Zitat anführt: „Alle Herzensfreude und alle Heiterkeit beruht darauf, dass man Menschen habe, im Vergleich zu welchen man hoch von sich denken kann." Also können wir gar nicht anders? Vielleicht - aber Selbsterkenntnis ist ja bekanntlich die Grundvoraussetzung zur Besserung... Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
78 von 84 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Wenn, dann dieses.,
Rezension bezieht sich auf: Die Kunst, Recht zu behalten: In achtunddreißig Kunstgriffen dargestellt (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
Schopenhauers Anleitung zur Kunst, Recht zu behalten ist ein Buch des 19. Jahrhundert, das wie geschaffen ist für die Anfordernisse des 21. Jahrhundert. Es geht nicht um Rhetorik, es geht um das Recht des Stärkeren. Oder besser gesagt: Um das Recht des Stärkeren vermittels der Rhetorik, der Allzweckwaffe unserer Tage in Büro, Schule, Uni und Beziehung. Und die gute Nachricht aus Schopenhauers Munde: Wir können unsere Redefertigkeit sogar gutens Gewissens ausspielen, denn man kann zwar einer schlechten Sachen durch eine schlagkräftige Rhetorik dennoch zum Erfolge verhelfen, aber eben auch eine grundsätzlich gute Sache durch eine mangelhafte Rhetorik der unverdienten Niederlage zuführen. Grund genug also, alle falsche Rücksichten einmal gründlich fallen zu lassen und uns ganz dem Dienst an der Wahrheit zu verschreiben. In 38 Kunstgriffen instruiert uns Schopenhauer über das 'Grundgerüst der Rhetorik', das heißt das, was unabhängig von jeweiliger Gesprächsthematik und -situation, das Gemeinsame der Redekunst ausmacht. Zu jeder Argumentationsfigur fügt er dazu ein Beispiel an. Trotz allem Bestreben zur Systematik sind dabei die einzelnen Kunstgriffe nicht immer fein säuberlich trennbar, einige Kniffe bilden bei eingehender Betrachtung vielmehr doch kleinere Familien. Insgesamt lassen sich aber drei große Ansätze unterscheiden: Ad rem, die Auseinandersetzung mit der objektiven Sache; ex concessis, die Auseinandersetzung mit den subjektiven Behauptungen Überhaupt ist Schopenhauer gerade dann am Genüßlichsten zu lesen, wenn er anläßlich der Besprechung seiner Rhetorik-Kniffe sozusagen im Vorbeigehen seine Lieblingsthemen von der natürlichen Schlechtigkeit des Menschengeschlechts, der Relativität aller menschlichen Moral und seinen Geistesaristokratismus abhandelt - schließlich gehört alles untrennbar zusammen. Enttäuscht sein wird, besser gesagt muß, derjenige sein, der sich übermäßige Wunder von dem Buch verhofft. Niemand wird nach der Lektüre zum Erstaunen aller Umstehenden plötzlich Rhetorikkunstgriffe wie Kaninchen aus dem Hut zaubern können, genauso wenig wie niemand nach dem Studium der formalen Logik Schlüsse ziehen kann, die den Mitmenschen in Angst und Staunen versetzen. Die Rhetorik ebenso wie die Kunst des logischen Schließens ist ihrer Natur nach intuitiv und wird bereits von Kindern ohne jegliche formale Kenntnisse fehlerfrei angewendet. Bei Schopenhauers 'Die Kunst, Recht zu behalten' handelt es sich vielmehr um einen systematischen und (leicht) formalisierenden Ordnungsversuch der Kunst der Rhetorik, der seine relative Praxisferne nicht ganz verhehlen kann (implizit gesteht dies auch Schopi ein, indem er auf die Künstlichkeit aller seiner Beispiele verweist). Mit andern Worten: Das Buch liefert das theoretische (aber keineswegs trockene!) Rüstzeug und das auf wirklich angenehme und unterhaltsame Weise. Die praktische Anwendung & Übung auf Kosten unserer lieben Mitmenschen erfolgt jedoch erst im Büro! Nur RELATIV praxisfern ist der Schopenhauer, insofern als daß derjenige, der es verschmäht, nicht unter 10 New-Age Blubberbüchlein von fönfrisierten Verpackungsverkäufern abgestraft wird! 4 Sterne, weil einer solchen Abhandlung immer etwas Gestelltes, Theoretisches anhaften muß; und weil auch wirklich empfindliche Gemüter sich erstmal flüchtig mit Schopenhauers Geisteshaltung vertraut machen sollten. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
31 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Regeln der Dialektik,
Rezension bezieht sich auf: Die Kunst, Recht zu behalten: In achtunddreißig Kunstgriffen dargestellt (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
Das ist Schopenhauer pur! Es ist keine Anleitung, sondern es verrät die intuitiven Kniffe des Menschen, um seinen Standpunkt in einer Diskussion um jeden Preis zu verteidigen, egal ob man Recht oder Unrecht hat. Denn darum geht es, Recht behalten, d.h. allen Zuhörern soll es so vorkommen, als ob man Recht habe, obwohl man ganz genau weiss, dass man im Unrecht ist. Dazu wird zu allen Mitteln gegriffen: Beleidigungen, Beschimpfungen, Einschüchterung des Gegners, wenn man keine stichhaltigen Argumente hat usw, aber auch Argumentation durch Gegenbeispiel usw, Schopenhauer enthüllt die dreckigsten Tricks. Nachdem er das Buch geschrieben hat, wollte er es gar nicht mehr herausgeben, so sehr hat er sich vor den Entlarvungen im Disputieren geekelt. Erst nach seinem Tod wurde das Buch gedruckt. Wie immer bei Schopenhauer eignet sich das Buch hervorragend, um sich über die ekelhaftesten Züge des Menschen klarzuwerden.
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