In diesem psychologischen Ratgeber widmet sich der Autor dem Phänomen der Liebe. Man sollte allerdings bedenken, dass das Buch in den 50er Jahren erschien, und dass einige der beschriebenen psychologischen Modelle inzwischen überholt sind.
Zunächst erklärt der Autor, das grundsätzliche Problem des Menschen sei sein Abgetrennt-Sein von allem anderen, das er durch verschiedene Mittel wie Gruppenzugehörigkeit, Ekstase (Drogen, Sex,...), Konsum u.a. zu überwinden versucht. Eine wirkliche Überwindung sei jedoch nur durch "richtiges" Lieben möglich, das kein Gefühl, sondern eine aktive Tätigeit sei. Im Folgenden wird auf die Besonderheiten von Elternliebe, Nächstenliebe, Selbstliebe, erotischer Liebe und Liebe zu Gott eingegangen. Die Erklärungen sind dabei auch für den Laien gut verständlich und interessant geschrieben. Besonders ausführlich wird auf die Elternliebe eingegangen, die der erwachsene Mensch, der sich von den Eltern gelöst haben sollte, verinnerlicht hat. Geschieht diese Loslösung von den Eltern nicht oder unvollständig oder ist schon in der Kindheit die Elternliebe in irgendeiner Form beeinträchtigt, so entwickelt der erwachsene Mensch je nach Art der Störung verschiedene Formen von Neurosen bzw. neurotischen Beziehungsmodellen. Beispielsweise soll eine Depression häufig durch eine einseitige Bindung an die Mutter (fehlende Vaterliebe) bedingt sein.
All diese Dinge und Zusammenhänge fand ich durchaus interessant und ihretwegen hat es sich für mich gelohnt, dieses Buch zu lesen. Etwas seltsamer fand ich jedoch die Auffassung des Autors, Lieben sei ein "Akt des Willens" und nicht an ein bestimmtes Objekt gebunden, d.h. man könne jederzeit einfach beschließen, jeden beliebigen Menschen zu lieben. Andeutungsweise rechtfertigt der Autor damit sogar Zwangsehen, mit dem Argument, diese Menschen würden sich wenigsten aktiv bemühen zu lieben, und nicht wie in unserer Gesellschaft passiv abwarten, bis die Liebe ihnen "passiert". Ebenfalls fragwürdig finde ich die Einstellung des Autors zu Homosexualität: diese sei ein "Unvermögen", die gegensätzlichen Pole der Natur (männlich und weiblich) zu vereinigen, und somit keine wahre Liebe, denn die erotische Liebe bestehe in eben jener Vereinigung der Gegensätze. Homosexuelle Liebe sei somit gleichzusetzen mit "dem durchschnittlich heterosexuell veranlagten, der nicht lieben kann".
In Anbetracht dieser Äußerungen finde ich es etwas beunruhigend, dass so viele Menschen dieses Buch scheinbar ohne Einschränkung toll finden. Wenn man es etwas differenzierter betrachtet, kann man aber durchaus interessante Dinge lernen, die unter Umständen für die eigene persönliche Entwicklung hilfreich sein können. Im Übrigen sollte noch erwähnt werden, dass man von diesem Buch keine konkrete Anleitung für richtiges Lieben erwarten darf; man erhält eher einige Denkanstöße, die man dann selber sinnvoll weiterführen kann.