Sun Tsu schrieb das erste Traktat über die Kriegskunst. Wie auch Lao Tse oder andere chinesiche Klassiker besticht er durch Prägnanz und Kompaktheit. Selbst 2500 Jahre nach dem Entstehen dieses Werkes kann man nur staunen, daß auf den wenigen Dutzend Seiten alles, was zum strategischen Denken und Planen gehört, gesagt wurde, und keiner Ergänzung bedarf. Sagt Clausewitz nüchtern: "Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln", so beginnt Sun Tsu mit der Mahnung: "Der Krieg ist ein großes Wagnis für den Staat, er ist Ausgangspunkt für Leben und Tod, Weg zum Weiterbestehen oder zum Untergang. Dies zu verstehen ist notwendig." Die dreizehn Kapitel der Kriegskunst können auf alle Lebenslagen angewandt werden, also verwundert es nicht, daß er nicht nur manchmal von Mao Tse Tung zitiert wird, sondern auch im Wirtschaftsleben erhebliches Echo findet. Bummelt man durch einen Singapurer Buchladen, so stimmt die Fülle englischer Literatur gegenüber der mageren deutschen zu diesem Thema nachdenklich. Um Jugendliche an das strategische Denken heranzuführen, wurde Sun Tsu sogar als Comics aufgelegt. Für Menschen, die sich mit Strategie auseinandersetzen, ist Sun Tsu neben den 36 Strategemen oder "Das Buch der fünf Ringe" von Musashi eine Pflichtlektüre. Ich benutze diese Quellen seit Jahren und bin immer wieder überrascht, wie unbekannt sie sind, wenn ich das Material das erste Mal vorstelle.