Ich schätze Peter Schmidl, den Soloklarinettisten der Wiener Philharmoniker, seit seiner epochalen Einspielung des Klarinettenkonzerts von Mozart unter Leonard Bernstein. Seine neue Kammermusik-CD ist ein besonders geglücktes und beglückendes Beispiel der Wiener Klangkultur. Ich liebe die Klarinette besonders und konnte daher mehrere Aufnahmen der zentralen Werke dieser CD - Beethovens Gassenhauer-Trio und das Klarinettentrio von Brahms - zum Vergleich heranziehen. Keiner von Schmidls zum Teil hochgeachteten Kollegen vermag annähernd eine solche Sinnlichkeit und Klangpracht bei delikatestem Schattierungsvermögen aufzubringen. Hier wird wirklich aus dem Vollen musiziert, was uneingeschränkt auf Schmidls phantastische Klavierpartnerin Madoka Inui, aber auch auf die bulgarische Cellistin Teodora Miteva zutrifft. Daß hier ein Großmeister, dessen Schüler selbst schon autonome Karrieren gemacht haben, mit jungen Höchstbegabungen arbeitet, gibt der CD zusätzlichen Reiz. Von suggestiver Konzentration sind die Stücke für Klarinette und Klavier von Alban Berg. Und Mendelssohns raffiniert-virtuose Konzertstücke für Klarinette, Bassetthorn und Klavier dürfen als wahre Entdeckungen bezeichnet werden. Ein zusätziches Atout ist das Booklet, in dem Schmidl ungewöhnlich detailreich und kompetent in die Geheimnisse seines Instruments einführt. Eine CD, auf die kein Kammermusikfreund verzichten sollte.