Karriere-Ratgeber für Frauen - dieses Thema boomt seit einigen Jahren. Das erstaunt nicht, denn mittlerweile sind die meisten Frauen hierzulande berufstätig. In Betrieben und Insitutionen drängen sie, oft allerdings vergeblich, in Führungspositionen. Immer mehr Existenzgründungen gehen auf das Konto von Frauen, und eine Vielzahl von Freiberuflerinnen etabliert sich auf dem freien Markt. Gleichzeitig ist "lebenslanges Lernen" angesagt. Wer sich nicht ständig fortbildet, so die Devise von zumeist männlichen und hochbezahlten Arbeitsmarktexperten, wird auf der Strecke bleiben. Also bilden wir uns fort. Nicht nur fachlich, sondern auch in Sachen Selbstmarketing, Zeitmanagement, Rhetorik, Öffentlichkeitsarbeit, Bewerbungstraining. Wir verbringen kostbare Freizeit in teuren Seminaren und verschlingen einen Karriere-Ratgeber nach dem anderen. Wie frau sich manche zeitraubende Fortbildungen und Heimstudien ersparen kann und dennoch ans Ziel kommt, verrät die jüngste Buchveröffentlichung zum Thema 'Erfolgsstrategien für Frauen'. Die Kölner Autorinnen, Anni Hausladen und Gerda Laufenberg, behaupten geradewegs: "Nutzen Sie eine Kraft, die stärker ist als sämtliche Zeugnisse und Diplome: Nutzen Sie die Kraft des Klüngelns!" Um es gleich vorweg zu sagen: Ich selbst bin eine passionierte Leserin von Ratgeber-Lektüre jeder Art - gleichgültig, wie gründlich oder oberflächlich sie geschrieben sind! Insofern kenne ich auch die meisten einschlägigen Karrierehilfen "von und für Frauen". Als Wahl-Kölnerin ist mir der Begriff des Klüngels selbstverständlich vertraut. Vetternwirtschaft und Ämterschacherei nennt man das andernorts. Und dass den entscheidenden Deals in unserer Gesellschaft durch persönliche Beziehungen der Weg geebnet wird, ist mir durchaus bewußt. Was mir aber erst durch dieses ausgesprochen lebensnahe Buch klar wurde: Klüngeln ist - bislang jedenfalls - Männersache. Sie beherrschen diese Kunst von der Pike auf und setzen sie gezielt für die eigene Karriere ein, während Frauen zwar über eine Vielzahl persönlicher Beziehungsgeflechte verfügen, aber sich hüten, daraus persönliche Vorteile zu schöpfen. Hausladen und Laufenberg zeigen ihren Leserinnen, wie sie die Kunst des Klüngelns erlernen und für sich nutzen können. Sie machen ihnen klar, dass es im Grunde ausschliesslich darum geht, souverän und gezielt nach dem Motto "wir kennen uns und wir helfen uns" zu verfahren. Daran, so die Autorinnen, sei nichts Verwerfliches, denn beide Seiten profitieren schliesslich davon. Das Klüngeln allerdings will gelernt sein. Schritt für Schritt erfährt die Leserin, welches "Handwerkszeug" sie sich antrainieren sollte, um schliesslich - denn darum geht ja - Werbung in eigener Sache zu machen. Neugierig sein, die positiven Seiten der Menschen sehen, reden statt schweigen, Kontakte knüpfen und sich für Gefälligkeiten erkenntlich zeigen - das sind die zentralen Botschaften, die jedoch nicht belehrend, sondern mit vielen Beispielen aus Alltags- und Berufspraxis daherkommen. Die Autorinnen, das merkt man schnell, schöpfen aus ihrem Fundus von "Klüngelseminaren", die sie speziell für Frauen anbieten. Sie flechten Übungen ein und bieten Checklisten an. So kann die Leserin sich gleich während der Lektüre ein Bild von ihren Schwächen und Stärken machen und ihr individuellen "Klüngelpotential" einschätzen: Was will ich erreichen? Wer kann mir dabei behilflich sein? Was kann ich ihr bzw. ihm im Gegenzug bieten? Wo liegen meine Fähigkeiten? Welche Kontakte habe ich oder möchte ich verstärken? Solche und ähnliche Fragen mögen banal klingen für diejenigen, die sich sowieso schon in einem prallen Geflecht von beruflichen, ehrenamtlichen und privaten Kontakten bewegen und klüngeln, ohne es eigentlich zu merken. Für diejenigen Frauen aber, die das bislang nicht tun, eröffnen sich neue Welten. Dieses Buch ist mehr als eine Ratgeberin. Es liegt mit seinen 264 gebundenen Seiten kompakt in der Hand. Es bündelt frauenpolitisches und fachliches Know-How mit alltäglicher Lebens- und Berufserfahrung. Ein topaktuelles Adress- und Internet-Verzeichniss wichtiger Frauennetzwerke in Deutschland erleichtert die Orientierung für das künftige Networking.Ein besonderes Bonbon sind die klüngelnden Anekdoten und Zeichnungen der in Köln weithin bekannten Malerin Gerda Laufenberg. Mein persönlicher Tipp: Unbedingt lesen und sofort beginnen mit dem Klüngeln!
Carolina Brauckmann, die media, Köln