Nimmt man Sokolov's Einspielung als Referenzeinspielung, dann schälen sich vor allem Contrapunctus 3,5,6 sowie 11 als Höhepunkte des interpretatorischen Könnens heraus. Weder Feltsman''s fast rasante Auffassung des Contrapunctus 4 noch die ebenso schnelle wie nachvollziehbare Interpretation des Contrapunctus 8 von Koroliov, die beide innerhalb der wenigen CD Einspielung dieses Schlüsselwerks dieser Musik Marken gesetzt haben, werden durch Aimards Einspielung dieser Contrapuncte gefährdet. Insgesamt hat die Einspielung einen ganz grossen Atem, der Sie bis in die Nähe der Schlüssigkeit der Gesamtkonzeption von Sokolov''s Meistereinspielung trägt. Wiedereinmal fehlt jedoch der Beweis, dass Contrapunctus Inversus 12b wirklich auf dem Klavier zu Hause ist und nicht beim Streichquartett (Man höre die z.B. die Einspielung der Berliner Bach Akademie. Es bleibt bei diesem Werk nach wie vor weiter spannend.
Doch wie gesagt insgesamt eine frische und doch huldvolle Neueinspielung, die den weltlichen und den kirchlichen Bach symbiotisch transzendiert.
Man kann nur hoffen, dass dieses Werk nun mehr und mehr unsere Zeit im Umbruch begleiten wird, stecken in ihr doch Tugenden die unserer Zeit so bitter fehlen: Milde, Barmherzigkeit, Grossherzigkeit, Demut, Gnade Frohsinn (Contrapunctus 9 vor allem in Aimards Einspielung) und etwas das aus der Musik kommt und wieder zwischen uns herrschen sollte: Takt
Deshalb mit allem Dankbarkeit: Danke für diese schöne Einspielung!