Bei der Lektüre dieses Buches weiß man es wieder: Es gibt sie, die großen Geschichtenerzähler, die Wortmagier, die Zauberzungen, die mit Worten Bilder, Gerüche und Stimmungen erzeugen und ganze Zeitalter auferstehen lassen. MFK Fisher schreibt über die Kunst des Essens so spannend wie in einem Roman und es ist ein Vergnügen, ihr über die einhundertsechzig Seiten zu folgen. Eins kann man ihr bescheinigen, sie beherrscht die Kunst des Schreibens - in englischsprachigen Ländern weiß man dies schon längst - wie gut, dass ihre Werke jetzt auch in deutscher Sprache erscheinen.
Die Essays beginnen mit misslungenen Kochversuchen in der Kindheit, dem ersten Kontakt mit der großen weiten Welt in Gestalt von Austern auf einem Schulfest und berichten von Reisen nach Europa mit der Familie. Die Autorin erzählt jedoch nicht nur von gastronomischen Höhenflügen - auch der Hunger war Gast an ihrer Tafel. Sie gibt ganz konkrete Tipps, wie man mit wenig Geld den Magen füllen kann und sie verrät, wie man Eier zubereitet und Wasser richtig kocht. Selbst die banalsten Alltagsverrichtungen sind betrachtenswert und reizvoll und bieten Stoff für eine seitenlange, spannende Unterhaltung. Es ist eine ganze Philosophie, die sich mitteilt. MFK Fisher lädt dazu ein, ihr Gesellschaft zu leisten und sie weiß, wie man eine angenehme Atmosphäre schafft und eine gute Zeit miteinander verbringt. Es bleibt der Wunsch nach mehr und man ist neugierig auf weitere Werke der Autorin. Es bleibt zu hoffen, dass noch weitere Titel übersetzt und veröffentlicht werden.
Das Buch ist in Leinen gebunden und auch optisch ein Genuss und sicher nicht nur für Gourmets empfehlenswert, auch Liebhaber und Kenner guter Bücher und Literatur werden diesen Titel zu schätzen wissen. Nicht zuletzt werden das Werk und die Person einer interessanten und inspirierenden Frauenfigur vorgestellt und in den Mittelpunkt gerückt.