Schon vor fünf Jahren ist dieses Buch des bekannten Pädagogen und Therapeuten Wolfgang Bergmann zum ersten Mal erschienen. Grundsätzlicher und weniger speziell als in anderen seiner Bücher, erzählt er hier "von dem, was uns zusammenhält." Zuletzt hatte er in seinem Buch "Lasst eure Kinder in Ruhe" gegen
"den Förderwahn in der Erziehung" angeschrieben.
Auch in der Neuauflage des völlig überarbeiteten Buches ist diese Argumentation gegen eine verhängnisvolle Entwicklung der letzten Jahre dauernd zu spüren. Doch hauptsächlich geht es, sensibel und den Leser einladend, immer wieder um die Erziehung als Kunst. Aber nicht etwas, was man sich etwa mühsam draufschaffen und lernen muss, sondern als etwas, was schon immer da ist. Denn Bergmann geht, wie viele andere "Lehrer und Weise" davon aus, das alle Mütter und Väter die Kunst der Erziehung beherrschen, von Anfang an. Denn sie ist ein Ergebnis der natürlichen Elternliebe, den Eltern mitgegeben praktisch mit der Empfängnis.
Und er schreibt, mit vielen anschaulichen Beispielen versehen, wie wir im alltäglichen Leben mit unseren Kindern die ursprüngliche Elternliebe, auch die Elternliebe der Kinder, schützen und bewahren können. Vor den Anfeindungen einer kinderfeindlichen Gesellschaft, vor der Hast und Unruhe des modernen Alltags, vor eigenen Erziehungsirrtümern. Die Elternliebe wird von den Kindern wie ein großes Versprechen aufgenommen, das wir halten müssen. Wolfgang Bergmann würde als Christ und spirituell geprägter Mensch sicher zustimmen, dass es hilfreich ist, wenn man diese geschenkte Liebe auch als etwas sehen kann, was nicht aus uns selbst heraus kommt.
Am vergangenen Wochenende habe ich einem jungen Ehepaar, das ich getraut habe, gesagt, dass der Trauspruch, den sie sich ausgesucht hatten, auch für das Leben mit den Kindern, die sie sich wünschen gelten wird:
"Die Liebe erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf."
Doch sie braucht Menschen, die für sie offen sind, die hineinhorchen in ihr Herz, sie dort entdecken und ihr dann in ihrem Leben, eben auch in ihrem Zusammenleben mit ihren Kindern, Raum schaffen und sie wachsen lassen. Gerade in Zeiten der Krise, gerade dann, wenn ich als Vater oder Mutter einmal versagt habe, kann und wird sie tragen. Sie kann und darf sich verändern, wenn die Kinder größer werden und immer mehr selbst Verantwortung für ihr Leben übernehmen. Doch sie hört niemals auf.