Der broschierte Kunstratgeber aus der Reihe "Wie erkenne ich" gibt einen schön gestalteten kurzen Abriss über das, was den Biedermeier ausmacht. Aus welchen Stilrichtungen er hervorging und auf welcher Geisteshaltung er beruhte, von wem und wie er gelebt wurde. Hier werden leicht verständlich Hintergründe ausgeleuchtet und die wichtigsten Vertreter samt ihrer repräsentativsten Werke vorgestellt. Das Buch ist handlich und leicht, doch mit ausgezeichneter Bindung-, Papier- und Druckqualität. So bestehen beispielsweise die Seiten aus festem Glanzpapier, das die zahlreichen Farbfotos überaus lebendig wiedergibt. Auch bei der Auswahl der abgebildeten Gemälde und Kunstgegenstände hat man gute Arbeit geleistet, denn diese unterstreichen und veranschaulichen wunderbar die textlichen Ausführungen.
Der Biedermeier ging aus dem Klassizismus und der Romantik hervor. Vom Klassizismus übernahm man die Rückbesinnung auf die Antike und deren klassische Einfachheit, aus der Romantik die Liebe zur Natur. Der Biedermeier wurde nicht - wie frühere Stile - von einer elitären Minderheit des Adels gelebt, sondern vom gutsituierten Bürgertum. Auch der "kleine Mann", ja selbst Frauen und Kinder begannen infolge eines breiten Schulsystems zu lesen und sich weiterzubilden, deshalb wuchsen Leihbibliotheken aus dem Boden, es wurden Lexika-Werke in großen Auflagen verlegt und "Fliegende Blätter" unters Volk gebracht. Literaten wie E.T.A. Hoffmann und Johann Wolfgang von Goethe wurden berühmte Vertreter dieser Epoche. In der Malerei prägten Fenster- und Zimmerbilder, Porträt- und Gruppenbilder oder Landschafts- und Blumenmotive den Biedermeier-Stil. Da sich das Bürgertum in seiner neuen Pracht nach außen präsentieren und für nachfolgende Generationen verewigen wollte, ließ man sich und sein trautes Heim eben gerne auf Leinwand bannen. Bezeichnende Maler dieser Geisteshaltung waren z.B. Carl Spitzweg und Caspar David Friedrich.
Doch nicht nur Literatur und Malerei finden Berücksichtigung, viel Raum widmet man auch dem Kunsthandwerk (Porzellan, Glas), aber auch Möbel und Kleidung werden besprochen. Weil man sich zur Biedermeierzeit ins Häusliche zurückzog, wollte man es sich da so schön wie möglich gestalten. Die Möbelstücke sind deshalb schmucke Einzelstücke mit schöner Maserung in der Holzfurnier, die variabel im Zimmer arrangiert und gruppiert wurden, um es luftig wirken zu lassen. Selbst in bürgerlichen Stuben wurden die Wände mit schönen Mustern tapeziert, man trank Tee aus hübschen, mit Blumen- und idyllischen Landschaftsmotiven verzierten Porzellantassen und Wein aus geschliffenen Gläsern. Es zog die Menschen hinaus ins Grüne und die Natur und so unternahm die gesamte Familie Spaziergänge, die Frauen mit Sonnenschirm und die Männer mit Zylinder und Spazierstock angetan, die Kinder natürlich ein kleineres Abbild ihrer Eltern.
Fazit: Der schön aufgemachte und reich bebilderte Kunstratgeber in handlichem Format richtet sich an Laien, die sich einen ersten, leicht verständlichen Überblick über die Stilrichtung des Biedermeier verschaffen wollen. Er berücksichtigt Literatur, Malerei, Kunsthandwerk, Mobiliar und Mode gleichermaßen.