Fritz Riemann ist einer der meistgelesenen psychoanalytischen Autoren der deutschen Nachkriegszeit - seine "Grundformen der Angst" erscheint 2011 in der 40. Auflage, seine "Lebenshilfe Astrologie" hat bisher 20 Auflagen erreicht. Selbst eine Sammlung behandlungstechnischer Aufsätze Riemanns, eigentlich Fachliteratur für Psychotherapeuten, von K.H. Mandel unter dem Titel "Grundformen helfender Partnerschaft" herausgegeben, liegt inzwischen in der in der 9. Auflage vor. Dieser Dauererfolg beim Publikum hat offensichtlich das Geschäftsinteresse des Reinhardt-Verlags und eines Bearbeiters befeuert, der sich nun des berühmten Namens bedient,um an dessen Verkaufserfolge anzuknüpfen. Das Buch "Die Kunst des Alterns. Reifen und Loslassen" wird unter den Autorennamen Riemann/Kleespies vermarktet, hat aber mit Riemanns Denk- und Schreibstil und mit seiner freundlichen und weisen Einstellung zum menschlichen Leben und Leiden überhaupt nichts mehr zu tun. Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich weder um eine Koautorenschaft noch um eine Kombination von Texten zweier Autoren, sondern um eine Verhunzung nachgelassener Texte Riemanns, die von dem zweiten Autor überarbeitet wurden, ohne dass die Veränderungen im Text ausgewiesen würden. Riemann wird hier ein oberlehrerhaftes Traktat untergeschoben - Anmerkungen mit dem Rotstift zum Leben der Neurotiker, Schuldzuschreibungen und besserwisserische Ermahnungen zum richtigen Altern. Oh je! - Wer Riemann lesen will, wäre gut beraten, sich einen der eingangs genannten "Klassiker" zu besorgen.