Der Titel und - zugegeben - die ansprechende wie geradezu einladende, so herrlich zum Thema passende Gestaltung des Einbandes (Solo-Liegestuhl auf einem Steg, beinahe inmitten eines Sees, Berge im Hintergrund = genau! ;-) ) hatten mich gereizt. Eben: Die "Kunst..." und NICHT das "Überwinden..." des Alleinseins... ;-)
Tatsächlich beschäftigt sich die Autorin mit beidem.
Das allein ist schon einmal wohltuend anders, hatte und habe ich doch häufig den Eindruck, dass die allermeisten Menschen - Psychologen inklusive - davon auszugehen scheinen, dass - Scheidungsquoten hin oder her - mit vollzogener Paarung alles gut werde bzw. diese immer noch besser sei als "allein und isoliert"... ? ;-) und ergo also genau diese Vereinigung das Ziel aller Bestrebungen sei(n müsse)?
Sie ahnen es, ich habe da, aus eigener (kräftezehrender) Erfahrung und alltäglichen Beobachtungen, so meine (berechtigten?) Zweifel...
Ich will mir gar nicht anmaßen, das vorliegende Buch im Detail erklären und bewerten zu wollen. Vielleicht nur soviel:
Sehr wohltuend habe ich empfunden, dass die Autorin sich tatsächlich in weiten Teilen fundiert, nachvollziehbar und verständlich mit der Frage beschäftigt, mit sich allein konstruktiv, hilfreich und glücklich umgehen und leben zu KÖNNEN. Und mir scheint, sie weiß aus eigener Erfahrung, wovon sie schreibt? (also glücklicherweise!! kein weiteres theoretisches (Bestseller-)Lehrbuch aus der elfenbeinernen, universitären Diplomfabrik :-) )
Denn, eben: Nur wer mit sich allein überhaupt (einigermaßen) glücklich leben kann, hat eine echte Wahl, sich auf eine Beziehung einzulassen oder eben auch nicht... ;-) (Anmerkung: Na, da schauen Sie sich mal die Beziehungen, evtl. auch Ihre eigene, mal auf diesen Aspekt hin an...)
Sehr angenehm und hilfreich habe ich die (praxisbezogene und eben nicht abgehoben-esoterische oder völlig abstrakte) Einflechtung buddhistischer Weisheiten und Übungen empfunden.
Eben diese halfen mir auch, über den glgtl. feministischen Unterton hinwegzulesen. ;-)
Alles in allem ein Buch mit sehr viel Inhalt, der immer wieder zur Beschäftigung mit diesem oder jenem Detail, dieser oder jener Übung einlädt. Und zwar durchaus vergleichbar mit einer Therapiestunde: Das Buch ergreift, wirkt nach und regt zum Nachdenken und Ausprobieren an. Geradezu ein Vorteil gegenüber Therapiestunden: Die herrlich übersichtliche Struktur (Inhaltsverzeichnis). Hiervon und von Einfühlung, Offenheit und Kenntnis im Detail könnte sich manche(r) TherapeutIn eine Scheibe abschneiden ;-).
Folge: Beim ersten Lesen - und eigentlich wollte ich zunächst nur mal einen Blick hineinwerfen - war ich gleich eineinhalb Stunden "eingetaucht", und ich nehme es immer wieder gerne zur Hand.
Ich bin froh, über dieses Buch gestolpert zu sein und kann mich nur bedanken für die (punktgenaue wie hilfreiche) Arbeit, die hier herinnen steckt.