Nicht alles, was in Fernost gebaut wird, ist schön. Trotzdem bieten Japan und Indien atemberaubende Motive - für Fotografen und Maler gleichermaßen.
Dieses Buch enthält viele dieser fernöstlich inspirierten Motive und ist aus mehreren Gründen besonders. Zum einen berichtet der Maler und Autor Simon Fletcher über seine Reiserfahrungen, zum anderen stellt er die Aquarell-Techniken vor, und gibt Einblicke in seine persönliche Arbeitsweise.
Im Vorwort schreibt er: "Malen war eine Meditation, die mit dem Akt des Sehenlernens begann", und später: "Zu oft sehe ich Leute mit der Malerei ringen; sie versuchen sie (die Malerei) Dinge tun zu lassen, die einfach nicht möglich sind. Das Wasser folgt immer bestimmten festen, unveränderlichen Regeln. Ich liebe es, das Wasser in seiner ureigenen Art zu verwenden, wie es fließt, und die Farbe mit sich trägt, wie ein Freund..."
In diesen Worten wird deutlich, wie Malen, wie der Umgang mit den Materialien, auf einer handwerklichen Ebene das Loslassen und Fließenlassen trainiert. Das kommt nicht nur dem Malschüler zugute, sondern auch Leuten, die sich für spirituelle Themen interessieren. So manches lässt sich in andere Lebensbereiche übertragen.
Neben Fotografien finden sich in diesem reich bebilderten und hochwertig gedruckten Buch viele Abbildungen der Aquarelle. Ein modernes und ungewöhnliches Buchkonzept, das die farbintensive Aquarellkunst Simon Fletchers angemessen unterstreicht.
Von den möglichen fünf Sternen vergeben wir vier, weil die ungewöhnliche Mischung aus Reise, Fotografie und Malerei vermutlich nicht den Geschmack des Durschnittspublikums treffen dürfte. Wer eine klassische Malschule sucht, findet im Englisch-Verlag andere Bücher. Den fünften Stern dürfen sich all diejenigen hinzu denken, die gerne offenen Geistes über den Tellerrand hinaus blicken.