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Die Kultur der Ambiguität
 
 
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Die Kultur der Ambiguität [Gebundene Ausgabe]

Thomas Bauer
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 463 Seiten
  • Verlag: Verlag der Weltreligionen im Insel Verlag; Auflage: 2 (23. Mai 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3458710337
  • ISBN-13: 978-3458710332
  • Größe und/oder Gewicht: 18 x 11,4 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 57.620 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Mittels intimster Kenntnisse des klassischen islamischen Schrifttums entlarvt der Autor die frappante Unwissenheit der Orientalistik alten Stils und der Medien. Er nennt aber auch Gründe dafür, etwa die fehlende Edition maßgeblicher arabischer Literatur. In der Mischung aus überzeugender Grundthese und einschlägigen Beispielen entpuppt sich dieses Buch als eine der besten Einführungen in den Islam seit Langem. Es hat das Zeug zum kulturwissenschaftlichen Klassiker, der sich hinter Edward Saids Orientalismus (1978) nicht zu verstecken braucht.«

(Stefan Weidner Deutschlandradio Kultur )

»Bauer ist sehr polemisch, sehr scharf in der Abrechnung mit diesem vom Westen errichteten ›Phantasy-Islam‹. Selten zuvor hat jemand so kenntnisreich mit der Politik der USA in den Irak-Kriegen abgerechnet. ... Es erzählt jene reale Geschichte des Islam, die zu aller Leid vergessen und verdrängt wurde.«

(Dirk Pilz Berliner Zeitung )

»In seinem bahnbrechenden Großessay über die Kultur der Ambiguität misst Thomas Bauer … zahlreiche … Fragen unserer Islamdebatte an den kulturellen Errungenschaften der klassischen arabischen Kultur – eine Selbstverständlichkeit, sollte man meinen. Doch wenn sie dieses Buch nach über 400 Seiten aus der Hand legen, wissen Laie und Fachmann gleichermaßen, dass sie etwas Derartiges kaum je gelesen haben. Und sie wissen dann auch, warum. … In der Mischung aus weitgehend konsistenter Grundthese und einschlägigen Beispielen entpuppt sich dieses Buch als eine der besten Darstellungen des Islams seit langem und hat das Zeug zu einem kulturwissenschaftlichen Klassiker zu werden, der Edward Saids Orientalismus in nichts nachsteht.«

(Stefan Weidner Süddeutsche Zeitung )

»Mit seinem Buch liefert Bauer Rüstzeug für einen Diskurs über den Islam, der nicht auf den Leim der Islamisten geht, sondern diese Religion in ihrer Differenziertheit in den Blick zu nehmen bereit ist.«

(Herder Korrespondenz 65 )

»Bauer zeigt, dass früher viele Wahrheiten nebeneinander existierten. ... Deshalb ist Thomas Bauers Buch so erhellend.«

(Katajun Amirpur Frankfurter Allgemeine Zeitung )

»Bauer hat mit der Ambiguität tatsächlich einen Zentralnerv der arabisch-islamischen Kultur getroffen. Diesem Buch können gar nicht genug Leser gewünscht werden, und – noch wichtiger als das – auf der Stelle eine Übersetzung ins Arabische.«

(Claudia Ott Hannoversche Allgemeine Zeitung )

»In Bauers Buch werden nicht nur die verheerenden Auswirkungen des Einbruchs der Moderne auf die islamische Tradition auf einfühlsame und unaufgeregte Weise dargestellt, sondern es gelingt ihm von diese Perspektive aus Phänomene des modernen Islams zu erklären...«

(Claudia Ott Dresdner Neueste Nachrichten )

Über den Autor

Thomas Bauer, geboren 1961, seit 2000 Professor für Islamwissenschaft und Arabistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Seit 2007 Vorstandsmitglied im Exzellenzcluster "Religion und Politik" der Universität Münster. 2002-2006 Direktor des »Centrums für Religiöse Studien« der Universität Münster. 2006-2007 Fellow am Wissenschaftskolleg Berlin. Forschungsschwerpunkte: Kultur- und Mentalitätsgeschichte der arabisch-islamischen Welt, klassische arabische Literatur.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Spannend wie ein Krimi 15. Oktober 2011
Ein Buch, das jeder gelesen haben muss, der sich ernsthaft für die Hintergründe der Konflikte zwischen den westlichen Ländern und »dem Islam« interessiert.
Bauer bringt in seinem gut geschriebenen und auch für interessierte Laien gut lesbaren Buch eine große Menge höchst überraschender Erkenntnisse So zeigt sich zum Beispiel, dass die immer wieder erhobene Forderung, »der Islam« solle endlich in der Moderne ankommen, ins Leere greift und nur auf Unkenntnis basiert, weil die gegenwärtigen Entwicklungen gerade der Ausdruck dieser Ankunft in der Moderne sind. Der islamistische Fundamentalismus ist eben keineswegs eine »mittelalterliche« Angelegenheit, weil die Kultur der islamischen Länder bis ins 19. Jahrhundert hinein durch eine Kultur der Ambiguität geprägt war, der der Gedanke, dass es nur eine gültige Wahrheit geben kann, ganz fremd war. Dieser Gedanke, das zeigt Bauer sehr überzeugend, ist erst durch den Einfluss des Westens in den nahen Osten gekommen, so dass beide scheinbar gegensätzliche Strömungen ' die reformerische, die den Weg nach Westen sucht, ebenso wie die fundamentalistische - auf demselben cartesianischen Wahrheitsbegriff beruhen. Aus diesem Ansatz gewinnt Bauer eine Reihe von fundamentalen Revisionen des gängigen Bildes vom Islam und seiner Geschichte sowie von der Kultur und dem politischen und religiösen Leben in islamischen Ländern. Darüber hinaus bietet das Buch noch eine scharfe und grundlegende Kritik des westlichen Anspruchs auf universelle Gültigkeit seiner - gerade in letzter Zeit mit großer Geschwindigkeit entstehenden und verschwindenden - Werte.

Aber nicht nur im Hinblick auf den Islam ist dieses Buch interessant und erhellend, die Darstellung einer Kultur, die die Vorstellung einer eindeutigen und unwiderlegbaren Wahrheit nicht braucht, sondern mit konkurrierenden Konzepten, die auf Wahrscheinlichkeit beruhen, umgehen kann, ist hochinteressant, weil sie der im Westen sehr verbreiteten Auffassung, dass eine Kultur nur auf der Basis gesicherter Konzepte funktionieren kann, sehr schön den Boden entzieht. Damit bietet das Buch Anregendes selbst für den, der sich zum Beispiel mit der Kunst befasst und damit zurechtkommen muss, dass es verschiedene, einander widersprechende Interpretationen eines Werkes geben kann, die nicht ohne weiteres in richtige und falsche eingeteilt werden können.

Es würde zu weit führen und wäre auch sinnlos, das Buch hier ganz zu referieren. Um es ganz kurz zu machen: Es liest sich spannend wie ein Krimi, weil es voller Überraschungen steckt. Für mich gehört diese Lektüre zu den erregendsten intellektuellen Erlebnissen der letzten Jahre.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Amazon bestätigter Kauf
Wenn wir heute dank Wachstum und Industrieproduktion zwar einerseits 'Wohlstand' schaffen, andererseits die Ressourcen der Erde restlos und unwiederbringlich ausplündern, das Angesicht der Erde nachhaltig verändern und all diejenigen Kulturen durch Verdrängung oder Assimilierung beseitigen, die ein anderes Wissen und einen anderen Umgang mit Mensch, Tier und Natur insgesamt pflegen, dann hat man eher den Eindruck, die westliche Kultur sei das Krebsgeschwür geworden, an dem die Welt als Ganze leidet. Ob eine Heilung dieses selbstzerstörerischen Prozesses überhaupt noch möglich ist, selbst wenn es gewollt wäre, ist nicht einmal sicher. Was aber hat zu dieser Entwicklung geführt, die in ihren Ergebnissen auf den ersten Blick so zweischneidig, so ambivalent ist?

Auch hierzu gibt es natürlich schon lange vielfältige Überlegungen. Ich bin nun auf ein Buch gestoßen, das mir doch sehr viel ergiebiger zu sein scheint als vieles, das ich bisher zu diesem Thema an Kritischem und Erhellendem gelesen habe. Das Buch und sein Autor sind auch deswegen so interessant, weil sie gar nicht eine "kritische Theorie" des Westens intendieren, sondern eine recht aufschlussreiche Darstellung der islamischen Kultur bieten. Es geht ausdrücklich um die Erzählung einer "anderen Geschichte des Islams": Thomas Bauer, Die Kultur der Ambiguität. Eine andere Geschichte des Islams, Berlin 2011. Der Münsteraner Islamwissenschaftler und Professor der Arabistik unternimmt hier eine von großer Sachkenntnis der arabischen Literatur geprägte Gedankenreise in die Welt der unentschiedenen Wahrheiten, in die Kultur der Ambiguität. Er greift auf Überlegungen unter anderem von Zygmund Bauman, dem polnisch-britischen Philosophen der Post-Moderne, zurück ("Modernity and Ambivalence", 1991) und definiert seinen erkenntnisleitenden Begriff Ambiguität so:

"Ein Phänomen kultureller Ambiguität liegt vor, wenn über einen längeren Zeitraum hinweg einem Begriff, einer Handlungsweise oder einem Objekt gleichzeitig zwei gegensätzliche oder mindestens zwei konkurrierende, deutlich voneinander abweichende Bedeutungen zugeordnet sind, wenn eine soziale Gruppe Normen und Sinnzuweisungen für einzelne Lebensbereiche gleichzeitig aus gegensätzlichen oder stark voneinander abweichenden Diskursen bezieht oder wenn gleichzeitig innerhalb einer Gruppe unterschiedliche Deutungen eines Phänomens akzeptiert werden, wobei keine dieser Deutungen ausschließliche Geltung beanspruchen kann." (a.a.O. S. 27)

Es geht also nicht um Toleranz und auch nicht um Ambivalenz, denn beides setzt voraus, dass das Entgegengesetzte oder Widersprüchliche bekannt und definiert ist. Ambiguität verweigert sich gerade einer genauen Definition; sie hält zwei perspektivische Wahrheiten in der Schwebe. Nicht zufällig zitiert Bauer eingangs des zweiten Kapitels und später erneut Max Born, den Physiker der Quantentheorie, hat doch auch diese zur Anerkennung der Gleich-Gültigkeit zweier scheinbar widersprüchlicher Theoriemodelle im Bereich der Physik geführt. Was im Bereich der Quantenphysik die "Superposition" ist bzw. die quantenmechanische Verschränkung, das kommt in ähnlicher Weise im Bereich der Literatur- und insgesamt der Kulturwissenschaften als Ambiguität heraus. Bauer legt in dem zitierten zweiten Kapitel seines Buches über den Begriff der "Kulturellen Ambiguität" ausführlich Rechenschaft ab.

Spannend ist, wie Bauers Blick auf die nachformative Phase des Islam und der arabischen Kultur ("sunni revival", 10. - 13. Jahrhundert) zum analytisch-kritischen Rück-Blick auf die eigene westliche Kultur wird, die sich nun unter dem Stichwort der Ambiguitätsintoleranz kennzeichnen lässt. Seit Descartes' berühmter methodischen Forderung des "clare et distincte" in Definition und Argumentation gehört es zum Grundbestand westlichen Denkens, Unsicherheit und Unschärfe auszumerzen; sie scheint das große Übel zu sein, das sich dem zugreifend - objektivierenden analytischen Verstand widersetzt. Also besteht nun alle geistige wie technisch-wissenschaftliche Anstrengung darin, Eindeutigkeiten in Natur und Kultur herzustellen, denn nur sie ermöglichen Beherrschung, Ausbeutung und Dienstbarmachung: Zivilisation und Kultivierung im westlichen Sinne. Bestenfalls - und das ist nach einigen weltzerstörerischen Kriegen schon eine positive Leistung - kann die Duldung, also die Toleranz von widerstreitenden Ideen gefordert werden in der Hoffnung, dass sich im demokratischen Diskurs schon das "Wahre" herausstellen, also Eindeutigkeit wieder hergestellt werde. Ambiguitätstolerantes Denken aber setzt anders an; es geht von dem Schwebezustand unterschiedlicher "perspektivischer Wahrheiten" aus, die eben nicht eindeutig entschieden werden können. Bauers Kapitel über die Geschichte westlicher und orientalischer Sexualität gehört zu den großartigen Beispielen, die die Fruchtbarkeit seines ambiguitätsorientierten Ansatzes aufzeigt. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis verweist auf die thematisch breit gestreuten und profunden Kenntnisse Thomas Bauers. Hier findet man manches, was es erst noch zu entdecken gilt, will man diesem Denken, wie Bauer es vorschlägt, näher nachgehen.

Das Buch ist unbedingt lesenswert, stellt aber an den Leser einige Anstrengungen des Selber-Mitdenkens.
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20 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
In der seit vielen Jahren mehr oder minder rational geführten Debatte um den Islam ist oft darauf hingewiesen worden, der Islam brauche so etwas, was die Reformation und die Aufklärung für das Christentum waren. Ein Nachdenken, eine kritische Reflexion über sich selbst und seine eigene Geschichte und der daran anschließende Versuch, mit seiner religiösen Praxis und seiner Weltverantwortung in der Gegenwart anzukommen.

Durch viele historische und auch in der Religion des Islam selbst steckenden Hindernisse fällt es ihm schwer, in der Kultur der Gegenwart anzukommen. Dan Diner hat das in seinem leider wenig beachteten Buch "Versiegelte Zeit" hervorragend analysiert.

Der "arabische Frühling", wie man die Revolutionen in Tunesien und in Ägypten genannt hat, ist noch zu jung, um eine hinreichenden Prognose zu wagen, wie sich der Islam selbst und seine Rolle in den jeweiligen Ländern entwickeln wird. Eines kann man wohl voraussagen: er wird sich verändern.

Dass der Islam schon einmal, und das liegt noch gar nicht so lange zurück, einer schwergewichtigen Veränderung ausgesetzt war, beschreibt der Professor für Islamwissenschaft und Arabistik an der Universität Münster, Thomas Bauer in seinem hier vorliegenden neuen Buch, in dem er "eine andere Geschichte des Islams" dokumentiert.

Nach Bauers Forschungsergebnissen war es so, dass die arabisch-islamischen Gesellschaften über eine mehr als tausend Jahre lange Phase in einer "Kultur der Ambiguität" lebten, wie er das nennt, einer Kultur, in der verschiedenen Wahrheitsansprüche durchaus nebeneinander stehen durften und man sich zufrieden gab mit der Suche nach dem Wahrscheinlichen.

Überzeugend weist er nach, wie es erst dem Kolonialismus im Nahen Osten gelang, dem Islam sozusagen eine Selbstdefinition über eindeutige Werte und Normen "aufzudrücken". Erst seit dieser Zeit und in der Gegenwart sehr massiv definiert sich der Islam über seine "traditionellen islamischen Werte." Dabei zeigt er nur ein verzerrtes Spiegelbild der westlichen Obsession nach Eindeutigkeit und Wahrheit.

Was wäre, so fragt man sich bei der Lektüre, wenn beide, der Westen und die islamische Kultur, an die schon einmal sich über eine lange Zeit bewährende "Kultur der Ambiguität" anknüpften? Wahrscheinlich könnten sie endlich in Frieden leben.
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