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Kulturschock im Niemandsland - Die Kristallwandler, 27. Januar 2006
Rezension bezieht sich auf: Die Kristallwandler (Broschiert)
Zwei Helden begleiten wir hier auf ihren Abenteuern: Elderas und Meruna, einen Mann und eine Frau, die sich nicht kennen, ja deren Völker nicht einmal von der Existenz des jeweils anderen wissen.
Elderas ist ein Enra – ein magisch begabter junger Mann aus dem Volk der Aenieren, der auf der ewig dunklen Nachtseite des Planeten Naru lebt. Es ist eine unwirtliche aber beschauliche Welt, in man gelernt hat, dass nur der eine Überlebenschance hat, der im Einklang mit der Natur lebt. Die Aeniren leben in geradezu symbiotischer Harmonie mit den Tieren und Pflanzen ihrer Region, und die magisch Begabten unter ihnen können sogar telepathische Verbindung mit anderen Spezies aufnehmen. Das Töten ist ihnen zuwider und mit den Riduna, den Angehörigen ihres Volkes, die keine magischen Kräfte haben, leben sie einträchtig zusammen.
Eines Tages kommt die bedeutende Magierin Giandro in Elderas Dorf und rekrutiert ihn, obwohl er mit seinen 27 Jahren noch nicht einmal volljährig ist, als Schüler für die Akademie in Neodria. Der Grund für diese außergewöhnliche Anwerbeaktion: Klimatische Veränderungen bedrohen Aeniria. Deren Ursache vermutet man in der unbewohnten und gefährlichen Region Sturmbann. Für eine Expedition dort hin werden noch ausgebildete Enra-Meister mit besonderen Fähigkeiten gesucht.
Begleitet von seinem Ridun-Bruder Daremal und weiteren Mitgliedern seines Dorfes zieht Elderas in den Süden und lässt sich in Vorbereitung auf die Expedition nach Sturmbann zum Enra-Meister ausbilden.
Meruna ist eine Lunro, eine magisch begabte Sechzehnjährige aus Koldarun, der heißen, vulkanischen Tagseite von Naru. Als Lunro gehört sie zur herrschenden Klasse in der feudalen koldarischen Gesellschaft. Die magisch unbegabten Koldaren, die Eronni, sind nicht viel mehr als Leibeigene, die dem Willen der Lunro hilflos ausgeliefert sind.
Als Merunas Vater ermordet wird, nimmt die hitzköpfige junge Frau das Gesetz selbst in die Hand und tötet seine Mörder. Sie landet im Gefängnis und macht sich dort einen Feind fürs Leben, indem sie sich weigert, die Geliebte des obersten Gefängnisaufsehers Hordares zu werden. Statt dessen freundet sie sich mit aufständischen Eronni an. Mit dem Rebellenführer Eardolon beginnt sie eine Liebesbeziehung und verhilft ihm schließlich zur Flucht. Jetzt hat Oberaufseher Hordares endgültig genug von ihr und dem Rebellenpack – er lässt sie allesamt nach Sturmbann deportieren.
Von Norden und von Süden nähert sich nun also eine Expedition dem unbewohnten Territorium. Beide Gruppen haben auf ihrem langen Weg mit Anpassungsproblemen und Naturgewalten zu kämpfen, mit Klima, Krisen und Krankheiten. Schließlich erreichen sie ihr Ziel und errichten ihre Siedlungen.
Natürlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Aeniren und Koldaren in Sturmbann aufeinander treffen. Nach dem ersten Schreck darüber, dass es außer ihnen noch eine andere Zivilisation auf diesem Planeten gibt, sind die kurzen Begegnungen der beiden Gruppen geprägt von teils komischen, teils dramatischen Missverständnissen, von Misstrauen und Abneigung: „O Gott, die baden ja!“ – „Igitt, die baden nicht!“ – „Fleischfresser!“ – „Körnerfresser!“
Die diplomatische Mission der Aeniren scheitert – ihre Abordnung, darunter Elderas und Daremal, wird von den Koldaren gefangen genommen. Ganz allmählich zeigt sich jedoch, dass Aeniren und Koldaren trotz aller Unterschiede in ihrer äußeren Erscheinung, in Denk- und Lebensweise, Kultur und Religion einige Gemeinsamkeiten haben. Die Magier unter ihnen können sich sogar miteinander verständigen. Zaghaft werden erste Versuche der Annäherung unternommen – da bricht eine Bedrohung über die Koldarensiedlung herein, mit der niemand gerechnet hat ...
Die Autorin entführt den Leser in eine stimmige, wohldurchdachte Welt, deren Eigenheiten sich nach und nach erschließen. Seitenlange Erklärungen der örtlichen Gegebenheiten gibt es hier zum Glück nicht. Die anschauliche farbige Weltkarte von Naru und ein Glossar im Anhang genügen als Orientierungshilfe.
Bevölkert ist diese Welt von einem höchst interessanten Tier- und Pflanzenreich – und von vielschichtigen Charakteren, die man, ganz wie „richtige“ Menschen, manchmal umarmen und manchmal schütteln möchte. Dem feinen Humor der Autorin ist es zu verdanken, dass der Roman trotz der dramatischen Ereignisse nie düster wirkt.
Am Ende dieses Buchs hat man das Gefühl, sich von lieb gewordenen Freunden verabschieden zu müssen. Nur gut, dass die Aeniren nun zwar die Ursache für die Klimaveränderungen kennen, das Problem aber noch nicht abschließend lösen konnten. Wenn sie soweit sind, die Sache in einem weiteren Roman anzugehen, sagt mir hoffentlich jemand Bescheid – ich bin auf jeden Fall wieder dabei!
Vielleicht findet sich für den Folgeband dann eine etwas andere Seitengestaltung. In dem löblichen Bemühen, das Buch nicht zu seitenstark und damit zu teuer zu machen, hat man möglichst viel Text auf die einzelnen Seiten gepackt. Mit einem schmaleren Satzspiegel und deutlich mehr Durchschuss wird ein Buch aber gleich viel lesefreundlicher.
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5.0 von 5 Sternen
Mitreißend, 3. November 2005
Rezension bezieht sich auf: Die Kristallwandler (Broschiert)
„Die Kristallwandler" ist ein mitreißender Fantasy-Roman, den ich gar nicht mehr aus den Händen legen wollte. Zwei (bzw. drei) fremde Welten und ihre Bewohner werden durch viele atmosphärische Beschreibungen zum Leben erweckt, so dass man sich selbst bald mitten im Geschehen befindet. Das beste Kriterium für ein gutes Buch ist für mich immer noch, wenn ich so versunken bin, dass ich meine S-Bahn-Station verpasse. Also alle S-Bahn-Leser aufgepasst!
Besonders gut gefällt mir auch die farbige Karte der Welt, auf der man die Reise der beiden Völker nachvollziehen kann. Das Buch hat zwar auf den ersten Blick ein etwas ungewöhnliches Format, ich habe mich aber sehr schnell daran gewöhnt.
Für alle Fantasy-Fans absolut empfehlenswert und sicher auch ein guter Einstieg für solche, die es werden wollen.
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4.0 von 5 Sternen
Gutes Debüt, 30. Oktober 2005
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Kristallwandler (Broschiert)
BoD-Romane müssen ja immer mit Vorurteilen kämpfen. Dieser Roman kann diese aber zum grossen Teil wiederlegen.
Zwar ist das Buch nur mässig spannend, dafür bietet es aber eine durchdachte Handlung, mit sehr schönen Charakteren und einer neuen Welt, die von der Autorin mit Leben gefüllt und zum Leben erweckt wurde. Zudem findet sich interessante philosophische Ansätze, die zum Nachdenken anregen.
Also, ruhig mal zugreifen und sich von seinen BoD-Vorurteilen befreien lassen.
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