Die junge Schriftstellerin Aulis, die alle entweder "Dienstag" oder "Twopence" nennen, ist voll falschem Vertrauen gegenüber dem männlichen Geschlecht und lässt sich auf so manche flüchtige Begegnung ein. Sie wohnt mit ihrer weitaus älteren Freundin Magda Tassák, kurz genannt Maggie, zusammen, die sich verantwortlich für Aulis Wohlergehen fühlt. Allerdings wird Maggie leicht eifersüchtig und betrachtet Aulis Eskapaden argwöhnisch.
Maggies Kollegin Eleanor Foley ("Nell") aus dem Ogham-Hospital und deren totkranker Bruder Charles beschließen, sich in Cornwall niederzulassen, damit Charles seine letzten Lebensmonate in Ruhe und Beschaulichkeit verbringen kann: Tiere halten, Bücher lesen, im Garten arbeiten ... Charles alte Freundin Claire Dean hat ihn auf diese Idee gebracht, die sich dort ebenfalls ein Bauernhäuschen zulegen will. Und auch Julia Foley, die Tante von Maggie und Charles wohnt in Lanrith, Cornwall.
Aulis ist nach einer weiteren Eskapade und einem Krankenhausaufenthalt am Ende ihrer Kräfte. Daher kommt Maggie das Angebot ihrer Kollegin Eleanor, einen Urlaub in der kleinen Kate in der Nähe von Watertown, dem neuerworbenen Landsitz der Foleys zu verbringen, sehr gelegen. Die Landluft tut Aulis gut und sie kommt auch wieder zum Schreiben. Doch die Idylle, von der sich Maggie und Aulis Erfrischung und Erholung erwarteten, bewirkt auf die Dauer eher das Gegenteil, denn es spinnen sich unheilvolle Begebenheiten zusammen.
Dieser von Joan Aiken bereits 1967 geschriebene und 1974 in deutscher Sprache erschienene Thriller kommt eher auf leisen Tönen daher. Anfangs ahnt man noch wenig von der späteren Entwicklung. Doch die Dinge spitzen sich langsam und sehr behutsam zu. Im letzten Viertel des Roman geht es Schlag auf Schlag, man kann nicht mehr aufhören zu lesen, wird absolut gepackt von dieser spannenden Handlung und merkt, dass die 2004 verstorbene Joan Aiken eine Meisterin der Kriminalliteratur war.
Mir gefällt an diesem Roman, dass er sowohl alltägliche Begebenheiten, tiefgründige Anschauungen, als auch tolle Landschaftsbeschreibungen enthält. Der tief eingeschnittene Fjord von Lanrith, das Eisenbahn-Viadukt über den Lan River, das alles wird sehr anschaulich und gut vorstellbar beschrieben. Macht Lust auf den nächsten Urlaub in Cornwall und lässt uns tief in die Abgründe der menschlichen Seele blicken ...
Frage mich, warum dieser Thriller noch nicht verfilmt wurde, denn er würde sich m.E. hervorragend für einen subtilen Thriller eignen.