"Die Interessen unserer Familie haben nichts mit Freundschaft zu tun."
(Guido Cicchi)
Bereits beim Geburtsdatum von Margherita (genannt Rita) Lotti differieren die Quellen um 11 Jahre (1370 - 1381). Übereinstimmend wird jedoch überliefert, dass sie gegen ihren Willen zur Ehe mit Paolo (di Ferdinand) Mancini gezwungen wurde. Die Quellen berichten, dass sie zu diesem Zeitpunkt 12, bzw. 15 Jahre alt gewesen sei. Obgleich sie ihren Ehemann wegen seines Jähzorns und seiner Rücksichtslosigkeit nicht liebte, gebar sie ihm die Zwillinge Gian Giacomo und Paolo Maria. Während hinsichtlich der Ermordung ihres Ehemannes im Jahre 1401 Übereinstimmung besteht, wird von ihren Söhnen sowohl erzählt, dass sie im Jahr darauf der Blutrache zum Opfer gefallen, als auch Opfer der Pest geworden seien. Nach mehrmaliger Abweisung wurde Rita im Jahre 1407 schließlich in das Augustinerinnen-Eremitenkloster S. M. Maddalena in Cascia aufgenommen, wo sie ihr Leben in Gebet, Buße und mystischer Verzückung verbrachte. Die Stigmata der Dornenkrone Christi empfing sie im Jahre 1432 (1442). Hierbei bohrte sich ein Dorn in ihre Stirn, so dass sie fortan bis zu ihrem Tod (1447/1457) eine schmerzende und offene Wunde trug. Kurz vor ihrem Ableben habe sie darum gebeten, ihr eine Rose aus dem Garten zu bringen. Obwohl es im Winter war, habe ein Rosenstrauß geblüht. Schon bald nach ihrem Tod geschahen an Ritas Grab viele Wunder und es verbreitete sich ihre Verehrung als Helferin in aussichtslosen Nöten. Zehn Jahre nach ihrem Tode wurde ihr unversehrter Leib in die Sakristei ihres Klosters übertragen, wo er noch heute von Pilgern aufgesucht wird. AD 1627 (1628) wurde Rita da Cascia seilig, im Jahre 1900 heilig gesprochen.....
....104 Jahre später wird der im Auftrag der "Rete Televisiva Italiana", unter der Regie von Giorgio Capitini gedrehte Zweiteiler "Rita da Cascia" vom italienischen Fernsehen ausgesstrahlt. Die Drehbuchautoren Maura Nuccetelli und Elisabetta Lodoli haben sich über die widersprüchliche historische Quellenlage hinaus weitere Freiheiten herausgenommen. Angefangen bei einer Liebesheirat Ritas über die Wandlung ihres Paolos zum friedlichen Müller bis hin zur Vergebung der Morde, die von ihrem Ehemann und dem "verbündeten", ebenfalls fiktiven Cicchi-Clan begangen wurden.
Es mag dahingestellt bleiben, ob die Heilige Rita "Die schöne Heilige!" gewesen war, wie dies dem Untertitel der DVD-Ausgabe zu entnehmen ist. Von der "MIG Film GmbH" ist der geneigte Cineast bezüglich der unter dem Titel "Die Kreuzritter" zusammengewürfelten Pseudoreihe bereits einiges gewöhnt. Während mit "Die Kreuzritter 9" wohl eine Suggestion erzeugt werden soll, entspricht der DVD-Covertext, wonach "Paolo als Kreuzritter in Heilige Land ziehen muss" weder den historischen Tatsachen, noch den Ereignissen im Film. Die Handlung spielt vielmehr in der vom Machiavellismus geprägten Frührenaissance der italienischen Region Umbriens, wo Faustrecht, Machtausübung, Zwang und auch Mord zum Geschäftsgebahren gehörten und die Frau gesellschaftlich unterdrückt wird. Die damalige Auseinandersetzung zwischen Guelfen und Ghibellinen (zu denen die Mancini und die Cicchi gehören) werden einige Male im Film angesprochen. Der in Dialogen gebrauchte doppelte Plural "Mancinis" oder "Cicchis", sowie der anachronistische Anglizismus "Farm" sind Synchronisationsfehler. Die Kostüme sind gegenüber vergleichbaren Produktionen wie "
Der Medici-Krieger" eher bescheiden. Die Kulissen und die schauspielerischen Leistungen der Akteure gehen in Ordnung. Zu bemerken ist noch, dass in dieser italienischen Produktion mit der 1980er Jahre Aerobic-Ikone Sydne Rome (Amata Lotti) eine US-Amerikanerin, mit Martin Crewes (Paolo Mancini) ein Engländer und mit Dietrich Hollinderbäumer (Ferdinando Mancini) ein Deutscher mitwirken.
Abschließend stellt sich die Frage, was die "MIG Film GmbH" wohl als "Die Kreuzritter 10" auf den Markt werfen wird. Vielleicht eine Doppelfolge des Traumschiffs, da sich an Bord "Kreuzfahrer" befinden, die eine Assoziation zu "Kreuzritter" zulassen? (Mehr zur Pseudo-Filmreihe: http://www.amazon.de/lm/R22686LJ73QRSN/ref=cm_pdp_lm_all_itms)
Da die geschilderten Unzulänglichkeiten, allen voran die suggerierten falschen Erwartungen hinsichtlich eines Kreuzritterfilms weder der Filmcrew noch den Akteuren zuzuschreiben sind, kann der dreistündige Film mit 3 Amazonsternen bewertet werden.